Harmandir Sahib

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Der Goldene Tempel (Harmandir Sahib)
Harmandir Sahib bei Nacht

Der Harmandir Sahib, im Deutschen oft Goldener Tempel genannt, richtig: Hari Mandir (Punjabi: ਹਰਿਮੰਦਰ ਸਾਹਿਬ; Gottestempel) genannt, ist das höchste Heiligtum der Sikhs in Amritsar im indischen Bundesstaat Punjab. Erbaut wurde er vom fünften Guru der Sikhs Arjun Dev im 16. Jahrhundert und erfuhr weiteren Ausbau (eine goldene Kuppel) unter Ranjit Singh im 19. Jahrhundert.[1]

Tempelanlage[Bearbeiten]

Der Tempel ist mit Blattgold belegt und liegt auf einer Insel in einem See, der Amrit Sarovar (von sanskrit amrit, „Nektar“; sarovar, „Teich“, „See“) genannt wird. Umgeben ist der Tempel von einer Palastanlage. Diese hat je ein Tor auf allen vier Seiten, was die Offenheit der Sikhs gegenüber allen Menschen und Religionen symbolisieren soll. Im Tempel selbst werden während der Tageszeit Verse aus dem Heiligen Buch rezitiert. Diese Gesänge werden musikalisch untermalt und sind über Lautsprecher in der ganzen Tempelanlage zu hören, was eine eindrucksvolle Atmosphäre schafft. Der Tempel ist immer geöffnet und wird täglich von tausenden Pilgern, darunter nicht nur Sikhs, besucht. Nachts ist es den Pilgern für maximal drei Tage gestattet, unter den Arkaden und in angrenzenden Räumen zu schlafen. In einem benachbarten Gebäude wird für diese Zeitspanne auch einfaches Essen angeboten. Dem Glauben der Sikhs zufolge kann, wer im heiligen Wasser badet oder davon trinkt, sein persönliches Karma verbessern. Die Anlage ist sehr gepflegt und wird täglich gewischt, im Tempelinneren sogar mit Milch.[2]

Im ersten Stock über dem Haupteingang zeigt ein Museum die Leidensgeschichte der Sikh unter den Hindus und Muslimen seit dem 17. Jahrhundert. Neben Waffen werden auch Gemälde der wichtigsten Sikhmärtyrer und -gurus gezeigt. Besonderer Wert bei der Auswahl der Bilder wurde offensichtlich auf die Darstellung der verschiedenen Folterarten vergangener Zeiten und das damit verbundene Leiden der Sikh gelegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Goldene Tempel wurde vom fünften Guru der Sikhs, Guru Arjun Dev im 16. Jahrhundert erbaut. In den Kriegen mit Ahmad Schah Durrani wurde der Tempel beschädigt und in den 1760er Jahren wiederhergestellt. Der Tempel erfuhr im frühen 19. Jahrhundert einen weiteren Ausbau (u.a. eine goldene Kuppel) unter dem Maharaja des Punjab, Ranjit Singh. In die Schlagzeilen kam der Tempel 1984 durch die Ausrufung des Staates Khalistan durch radikale Sikhs und der Stürmung des Tempels durch Soldaten der indischen Armee in der Operation Blue Star. Als Reaktion auf die Erstürmung des Heiligtums und die Ermordung des Sikh-Anführers Jarnail Singh Bhindranwale wurde die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi von ihren Sikh-Leibwächtern ermordet.[3] Weitere Operationen gegen Sikh-Extremisten im Tempel erfolgten im April 1986 (Operation Black Thunder) und im Mai 1988 (Operation Black Thunder II).

Rechts: Goldener Tempel, links im Hintergrund mit goldener Kuppel: Akal Takht

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hew McLeod: Sikhism, Penguin Books, New York, 1997, ISBN 0-14-025260-6, S. 154 ff. (englisch)
  2. www.sikhnet.com/GoldenTemple (englisch)
  3. Der Findling, Zeit Online, 1. April 2005

Literatur[Bearbeiten]

  • Stukenberg, Marla: Die Sikhs. Religion, Geschichte, Politik, München, 1995. S.51-59.
  • Mandair, Arvind-Pal Singh: Sikhism. A guide for the Perplexed, London, New Delhi, New York, 2013. S. 41-42.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Goldener Tempel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

31.6274.876666666667Koordinaten: 31° 37′ 12″ N, 74° 52′ 36″ O