Helheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert Helheim, das Reich der germanischen Totengöttin;
für die germanische Totengöttin Hel siehe Hel (Mythologie)
für die Band Helheim siehe Helheim (Band).
Heimdal verlangt die Rückkehr Iduns aus der Unterwelt

Helheim, auch Hel genannt, altnordisch Helheimr ist das Reich der germanischen Totengöttin Hel. Vermutlich ist es Namensgeber für das englische Wort „hell“ (dt. „Hölle“). Übersetzt bedeutet Hel soviel wie „versteckt, verborgen“.[1]

Mythologie[Bearbeiten]

Hel ist eine Tochter des Gottes Loki und der Riesin Angrboda, und ihr gleichnamiges Reich ist dunkel und kalt. Es liegt am unteren Ende von Yggdrasil, dem Weltenbaum. Hierhin kommen alle, die den „Strohtod“ (Altersschwäche, Krankheit) gestorben sind. Auch Verbrecher und Meineidige kommen zur Hel, allerdings hält sie für diese gesonderte Bereiche bereit. Das Reich nimmt außerdem auch verstorbene Götter, wie zum Beispiel Balder auf. Aus diesem Reich gibt es keine Wiederkehr.[2] Dabei erfuhr Helheim eine Umwertung. Zunächst als Ort für alle Toten gedacht, entstand, vermutlich unter dem Einfluss des Christentums, die Vorstellung von einem Ort der Strafe und des Leidens. Aus diesem Ort ging wohl später die christliche Höllenvorstellung hervor.[3]

Helheim ist vom Zaun Helgrind, auch Nágrind oder Valgrind genannt, umgeben und man muss es durch ein Gatter betreten. Dieses Gatter wird vom Höllenhund Garm bewacht, der die Verstorbenen mit seinem lauten Gebell empfängt. Durch diese Öffnung fließt auch der Totenfluss Gjöll, über den sich die Totenbrücke Gjallarbrú spannt. Diese Brücke wird von der Jungfrauen-Riesin Modgudr bewacht.

Hels Wohnsitz heißt Eljudnir (Elend), ihr Tisch Hungr (Hunger), ihr Messer Sultr (Verschmachtung) und ihre Türschwelle Fallandaforad (Fallende Gefahr). Kor (Sarg) ist der Name ihres Bettes und Blikjandabol (blinkendes Unheil) der ihres Bettvorhangs.

Ihre Bediensteten sind die Magd Ganglot (Trägtritt) und der Knecht Ganglati (Langsamtritt).

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Herrmann: Nordische Mythologie S. 281ff, Aufbau-Verlag, Berlin 1993, gekürzte Neuauflage, ISBN 3-7466-8000-X
  • Ulf Diederichs (Hrsg.): Germanische Götterlehre, Eugen Diederichs Verlag, München 1991 (4. Aufl.) ISBN 3-424-00746-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helheim. Norse-Mythology.org, abgerufen am 27. November 2013.
  2.  Christoph A. Weidner: Die Enzyklopädie der Mythologie. Die geheimnisvolle Welt der antiken Griechen, Germanen und Kelten. Fränkisch-Crumbach 2013, ISBN 978-3-86313-303-0, S. 140.
  3.  Ludwig Noack: Mythologie und Offenbarung: Die Religion in ihrem allgemeinen Wesen und ihrer mythologischen Entwicklung. Band 1.. Leske, 1845, S. 458.