Hirschhornsalz

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Hirschhornsalz

Hirschhornsalz oder flüchtiges Laugensalz ist ein Backtriebmittel (Lebensmittelzusatzstoff E 503), das man ursprünglich aus Geweihen von Hirschen herstellte. Die Bezeichnung ist irreführend, da Geweih nicht aus Horn, sondern aus Knochen besteht. Hirschhornsalz besteht hauptsächlich aus Ammoniumhydrogencarbonat (E 503ii) NH4HCO3 (zwei Teile) neben Ammoniumcarbonat (E 503i) (NH4)2CO3 (ein Teil) und etwas Ammoniumcarbamat NH4CO2NH2.

Herstellung[Bearbeiten]

Die Herstellung erfolgt durch Erhitzen und Sublimation einer Mischung von Ammoniumchlorid, Calciumcarbonat und Holzkohle.

Eigenschaften und Verwendung[Bearbeiten]

Beim Erhitzen zerfallen alle Bestandteile in Kohlenstoffdioxid, Ammoniak und teilweise Wasser.

\mathrm{\ NH_4HCO_3 \longrightarrow \ NH_3 + CO_2 + H_2O}
\mathrm{\ H_2N{-}C({=}O){-}ONH_4 \longrightarrow \ 2 \ NH_3 + CO_2}

In reiner Form wird dieses Salz auch als ABC-Trieb bezeichnet, abgeleitet vom alten pharmazeutischen Namen des Hauptbestandteils Ammonium-bi-carbonat (Ammoniumhydrogencarbonat). Hirschhornsalz dient zur Lockerung von Flachgebäck, wie z. B. Mürbeteig, Spekulatius, Springerle, Amerikaner, Hirschhornkuchen oder auch für Lebkuchen.

Hirschhornsalz ist nicht geeignet für Hochgebäck (z. B. hohen Kuchen), da Ammoniak zurückgehalten würde, was Geschmack und Farbe beeinträchtigen kann. Flachen Kuchen kann man damit zubereiten, er ist dann sehr lange haltbar.

Hirschhornsalz unterscheidet sich vom Backpulver unter anderem durch das Fehlen saurer Bestandteile. Hirschhornsalz sollte kühl und trocken und getrennt (oder gut verschlossen) von anderen Backhilfsmitteln (zum Beispiel Vanillinzucker) aufbewahrt werden, da sonst eine Beeinträchtigung durch freigesetztes Ammoniak stattfindet. Das Salz riecht schwach nach Ammoniak und schmeckt ähnlich wie Salmiak.

Es wird auch zur Herstellung von Künstlerfarben (Kasein-Tempera) verwendet.

Sicherheitshinweise[Bearbeiten]

Hirschhornsalz ist bei unmittelbarem Verzehr gesundheitsschädlich. Durch Erhitzen wird das Ammoniak weitgehend ausgetrieben. Beim Backen mit Hirschhornsalz ist die Entstehung von Acrylamid besonders begünstigt. Viele Bäckereien setzen daher Natron als alternatives Backtriebmittel ein.[1] Ammoniumcarbonate sind in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 503 ohne Höchstmengenbeschränkung (quantum satis) für Lebensmittel allgemein zugelassen.

Das baden-württembergische Verbraucherministerium hat Ende 2008 in Hirschhornsalz aus China Spuren von Melamin gefunden. Die Behörden starteten eine Rückrufaktion der betroffenen Ware, die nicht dem Lebensmittelrecht entspricht.[2]

Historisches[Bearbeiten]

Hirschhornsalz wurde früher durch trockenes Erhitzen (trockene Destillation) von geraspelten Hirschgeweihen gewonnen, später verwendete man statt der Geweihe auch Knochen, Horn, Leder, Klauen und Ähnliches.[3] Man verwendete es auch als mildes Riechsalz, vor allem in parfümierten Varianten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hirschhornsalz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stiftung Warentest: Acrylamid in Diabetikergebäck in: test 12/2003 (online abgerufen am 3. Februar 2013)
  2. RP Online: Melamin-Skandal weitet sich aus: Chemikalie auch im Weihnachtsgebäck?, 2. Dezember 2008.
  3. Hirschhorn. Artikel in: Merck’s Warenlexikon, 3. Aufl. 1884 ff., S. 203 f.