Ich-Botschaft

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Die Ich-Botschaften, auch Selbstoffenbarungen, sind Äußerungen, die die eigene Meinung und die eigenen Gefühle mitteilen. Sie findet einen Kontext im Vier-Seiten-Modell (Schulz von Thun). Formulierungen mit „man“ oder „wir“ beziehen andere ungefragt mit ein und bauen damit ungewollt Blockaden auf; auf diese Weise schützt sich der Sprecher durch einen Panzer aus Allgemeinheit (Gemeinplätzen).

Eine Ich-Botschaft besteht aus einem Gefühls- und einem Tatsachenanteil: Die eigenen Gefühle werden in der Ich-Form zum Ausdruck gebracht. Was die Gefühle verursacht hat, wird im sachlichen Informationsteil der Botschaft mitgeteilt:

Beispiel: „Als ich feststellte, dass ich warten muss, war ich sehr enttäuscht!“

Das Benutzen von bestimmten Worten wie z. B. „wieder“ oder „immer“ gilt es in einer Ich-Botschaft zu vermeiden. Durch diese Generalisierungen wird die Aussage zu einer Killerphrase: sie greifen den Empfänger an und provozieren eine unfruchtbare Konfrontationssituation.

In der Ich-Form vorgebracht, werden geäußerte Gefühlsstimmungen nicht zur verletzenden Kritik an der anderen Person, wie es oft bei Du-Botschaften (z. B. „Du lügst immer!“) der Fall ist. Die Ich-Botschaft vermeidet eine unfruchtbare Konfrontationssituation und trägt der Tatsache Rechnung, dass zuerst der Sprecher ein Problem hat, nicht der Angesprochene.

  • Ich-Botschaften sind eine wichtige Methode der Deeskalation, da sie dem Empfänger das Nachgeben und Einlenken leichter machen.
  • Der Sprecher einer Ich-Botschaft ist ein Mensch mit Empfindungen, mit Stärken und Schwächen und nicht ein Halbgott, der über den Dingen steht. Dadurch wird aus einer hierarchisch-autoritären eine partnerschaftliche Beziehung.
  • Ich-Botschaften fördern die Eigenverantwortung, da der Sprecher beim Formulieren der Ich-Botschaft mehr Klarheit für sich und seine Bedürfnisse bekommt.
  • Ich-Botschaften fördern Mitverantwortung, da sie auch dem Gesprächspartner Verantwortungspielraum für das weitere Geschehen in die Hand legen.
  • Ich-Botschaften fördern Ich-Botschaften des anderen. Dadurch entsteht eine Atmosphäre der Offenheit und Vertrautheit.

Zu beachten[Bearbeiten]

  • Manche vermeintliche Ich-Botschaft ist keine solche, sondern in Wirklichkeit ein Vorwurf, eine Beschuldigung, ein Urteil und damit eine Du-Botschaft. Beispiel: „Ich finde, du bist faul“ ist gleich „Du bist faul“.
  • Manche Du-Botschaft tritt verdeckt auf (und wirkt dann u. U. besonders verletzend). Beispiel: „Das ist doch blanker Unsinn“ als Entgegnung auf etwas Gesagtes entspricht „Du redest blanken Unsinn“. Fairer wäre: „Ich kann den Sinn dessen, was Du sagst, nicht erkennen.“
  • Noch wichtiger als die Mitteilung über eine Enttäuschung ist die über eine Freude. Beispiel: „Die letzte Stunde hat mir sehr gut gefallen, weil wir so gut zusammen gearbeitet haben.“
  • Abschwächer nutzen sich ab, wirken unsicher und entwerten das Gesagte. Beispiel: „Es macht mich ein bisschen traurig, dass dir das manchmal so egal ist.“