Igelstellung (Militär)

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Igel bei der Landshuter Hochzeit

Die Igelstellung (oder kurz Igel) ist eine Verteidigungsstellung der Infanterie und anderer Waffengattungen zur Rundumverteidigung, die von Landsknechten des 14. und 15. Jahrhunderts angewandt wurde.

Die mit Spießen ausgerüsteten Landsknechte bildeten dabei einen Kreis – gestaffelt mit mehreren hintereinander stehenden Reihen – und richteten ihre Spieße gemeinsam nach außen (vgl. Igel). Es handelte sich um eine rein defensive Formation, die etwa einen effektiven Schutz gegen Kavallerie bot.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits die Landsknechte des Mittelalters entwickelten einen Igel, um sich gegen angreifende Heere in alle Richtungen zu verteidigen. In der moderneren Kriegsführung bezeichnet man unter einem Igel die Rundumverteidigung von Gruppen bis zur Bataillonsebene in einer stützpunktartigen Verteidigung als "Igel". Nach dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Jahre 1944 wurde immer offensichtlicher, dass eine zusammenhängende Frontlinie nicht mehr aufrechtzuerhalten war. Die deutsche Wehrmacht verlegte sich auf eine stützpunktartige Verteidigung. Auch in Vietnam wurde der Krieg mit diesem Mittel geführt. In der Bundeswehr werden solche Igelstellungen als Teil des Biwak beständig errichtet. Sämtliche Zeltanordnungen nach der Zentralen Dienstvorschrift 3/11 sollen kreisförmig um das Feuer angelegt werden. Sie gelten als Rückzugspunkt. Entsprechend der Dienstvorschrift müssen Löcher ausgehoben werden und mit einem Erdwall gesichert sein. Darüber wird das Zelt errichtet. Im Falle des Rückzuges aus der eigentlichen Stellung kann der Biwakraum als Igelstellung genutzt werden.

Aufbau und Wirkung[Bearbeiten]

Um eine Igelstellung zu errichten, benötigte es im Grunde wenig Zeit. Auf engstem Raum werden Schützenlöcher mit Verbindungsgräben errichtet, die um einen zentralen Punkt, meist das entsprechende Hauptquartier, einen Kreis bilden. Diese Stellungen werden nach Möglichkeit und Maßgabe mit Stacheldraht oder Mörsern verstärkt. An entscheidenden Punkten werden leichte oder, falls vorhanden, schwere MGs postiert. Diese relativ schweren Waffen decken den Raum ab, der möglicherweise zu Angriffen am besten geeignet sein könnte, sind aber innerhalb einer Igelstellung schnell verlegbar, um einem anderen Angriff zuvorzukommen. Die einzelnen Stellungen wurden teilweise durch schwere Holzbohlen verstärkt und bildeten so eine Art Kampfbunker für die Besatzung. Es kamen auch Stahlbleche und andere Werkstoffe zum Einsatz, sofern diese Werkstoffe vorhanden waren. Innerhalb der Bundeswehr wird auf solchen Ausbau verzichtet, da der Kampf aus der Igelstellung heraus als taktisch und strategisch grundsätzlich falsch erkannt wurde. Die Biwak-Stellung gilt als letzte Rückzugsmöglichkeit und nicht als fester Punkt der Verteidigung.

Nachteil[Bearbeiten]

Die Igelstellung begrenzt den Wirkungsbereich der Truppe. Das musste sowohl die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg als auch die US Army in Vietnam erfahren. Während die Deutschen sich einigelten, übernahmen die schnellen russischen Panzerverbände das Gelände, umgingen die deutschen Soldaten, schlossen sie ein und vernichteten die Igel schließlich, während deren schnelle Kampfverbände bereits sehr viel weiter vorgestoßen waren. In Vietnam erwies sich das System ebenso als nutzlos. Amerikanische Truppen versuchten, aus Igelstellungen den Urwald zu erkunden und Feinde zu bekämpfen, die sich aber schon längst zwischen deren Linien bewegten.

Fazit[Bearbeiten]

Die Igelstellung kann nur als Notlösung betrachtet werden. Außer den Landsknechten des Mittelalters hat sich kein Igel mehr als wehrhaft erwiesen, was auch an der fortschreitenden Taktik und Technisierung des Krieges lag. Aus taktischer Sicht ist eine Igelverteidigung bei heutiger Technologie völlig sinnlos und dem modernen Soldaten nur im äußersten Fall zumutbar.

Igelstellung in anderen Zusammenhängen[Bearbeiten]

Igelstellung wird auch in anderen Zusammenhängen benutzt, wie bei der Brandbekämpfung,[1] der Politik,[2] oder beim Schach (siehe Igel (Schach)). Insgesamt wird dabei die Igelstellung als unvorteilhaft konnotiert.

Schilderung in Meyers Konversationslexikon[Bearbeiten]

„Die aufblühenden Städte des Hansabundes, vor allem aber die Schweizer Eidgenossenschaft, schufen im 14. und 15. Jahrh. aus dem Bürgertum heraus ein neues Fußvolk, welches mit Hellebarde und Pike den Ritter vom Pferd zwang und, nachdem die Handfeuerwaffen und Geschütze in immer größerer Zahl auf den Schlachtfeldern erschienen, auch den Panzer beseitigte. Die großen, 3-4000 Mann starken Gevierthaufen der Schweizer wurden kleiner bis zu 1000 Mann bei den Landsknechten. Vor ihnen eröffneten die verlornen Knechte mit Arkebuse und Muskete das Gefecht und zogen sich vor dem Angriff der Reiter unter den Schutz der Spieße des hellen Haufens zurück. Dieser machte gegen Kavallerie den Igel, unserm Karree vergleichbar, wobei die Spieße, schräg nach außen gerichtet, mit dem Schuh in die Erde gestemmt wurden.“[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wehrkunde: Organ der Gesellschaft für Wehrkunde, Band 7, Ausgabe 6, Verlag Europäische Wehrkunde, 1958, Seite 339

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jan Südmersen, Ulrich Cimolino, Nicolas Neumann, Standardeinsatzregeln: Wald- und Flächenbrandbekämpfung, S. 68, ISBN 978-3-609-69824-3
  2. Rote Igelstellung. Brücken zum kleinen PC, Der Spiegel, Nr. 24, 1949, S. 5.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatArtikel 'Fechtart'. In: Onlineversion von Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6, 1906. Abgerufen am 29. April 2009.