Landshuter Hochzeit

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Die Braut, rechts zu Pferd Herzog Georg
500 Jahre Landshuter Hochzeit: deutsche Briefmarke von 1975

Die Landshuter Hochzeit ist ein historisches Fest, das alle vier Jahre im Sommer (zuletzt vom 28. Juni bis 21. Juli 2013) in Landshut aufgeführt wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Fest wird zur Erinnerung an die im Jahre 1475 in Landshut erfolgte Heirat des bayerischen Herzogs Georgs des Reichen mit Hedwig Jagiellonica, der Tochter des polnischen Königs Kasimir IV. Jagiello, gefeiert. Die Hochzeit war auch politisch von großer Bedeutung, denn in der Verbindung der beiden Geschlechter sah man ein starkes Bündnis gegen die Macht der Türken.

Der Heirat gingen im Jahr 1474 intensive Gespräche der beiden Fürstenhäuser voraus, die Ehe wurde in Krakau durch Gesandtschaften ausgehandelt. Ehen unter Adligen waren damals weniger Liebesheiraten, sondern meist politisch motivierte Verbindungen. Die Brautfahrt der 18-jährigen Hedwig begann im Herbst des darauffolgenden Jahres. Sie dauerte zwei Monate und führte auf den damals schlecht ausgebauten Handelsstraßen unter anderem über Berlin, Wittenberg, Leipzig, Altenburg, Zwickau, Oelsnitz/Vogtl. und unter Änderung der geplanten Reiseroute über Cheb und Regensburg, einen Umweg nehmend nach Nürnberg, bevor Hedwig mit ihrem Brautführer, Otto II. von Neumarkt, in Landshut eintraf. Hier wurde die Eheaspirantin durch angereiste Fürsten und Bischöfe herzlich empfangen. Der Kurfürst von Brandenburg, Albrecht Achilles, verglich die Hochzeit mit einer göttlichen Fügung zum Nutzen von Christenheit und Reich.

Das Brautpaar wurde vom Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr an der die Stadt dominierenden Pfarrkirche St. Martin getraut. Anschließend führte der Brautzug durch die Altstadt zum Rathaus. Dort geleitete der Kaiser Friedrich III. die Braut zum Hochzeitsreigen. Es wird berichtet, dass zehntausend Gäste bei diesem Ereignis anwesend waren, tranken, tanzten und sich beim Ritterturnier vergnügten.

Die mehrtägigen, aufwändigen Feierlichkeiten sind sehr detailliert von Chronisten festgehalten worden. In einer Zeit erwachenden Nationalstolzes im Deutschen Reich wurde der Prunksaal des Landshuter Rathauses um 1880 renoviert; Münchner Künstler bemalten dabei die Wände mit Szenen der Landshuter Hochzeit 1475. Diese Motive gefielen und brachten Bürger auf den Gedanken, das historische Geschehen nachzuspielen. Zu diesem Zweck wurde 1902 der Verein Die Förderer e. V. gegründet, der schon ein Jahr später den Brautzug zum ersten Mal öffentlich vorführte.

Landshuter Rathaus. An den Wänden des Prunksaales befinden sich Szenen aus der Landshuter Hochzeit. Das Bild entstand Ende des 19. Jahrhunderts und wurde von August Spieß, Rudolf Seitz, Ludwig Löfftz und Konrad Weigand gemalt.

Das heutige historische Fest[Bearbeiten]

Nachdem 1903 die Hochzeit zum ersten Mal von 145 Mitwirkenden nachgespielt wurde, ist der Umzug bis heute mehr zum historischen Dokumentarspiel gereift, in das sich weite Teile der Bürgerschaft einreihen: Mittlerweile nehmen über 2000 Mitwirkende in historischen Gewändern der verschiedensten Stände teil.

Von 1903 bis 1914 sowie von 1922 bis 1938 fanden die Umzüge jährlich statt, von 1950 bis 1968 und wieder von 1975 bis 1981 im Dreijahres-Rhythmus. Seit 1985 wird die Landshuter Hochzeit alle vier Jahre gefeiert. Während der beiden Weltkriege waren die Feierlichkeiten entfallen, ebenso von 1968 bis 1975, nachdem 1970 ein Brand zahlreiche Requisiten zerstört hatte und im Jahr darauf ein Wasserrohrbruch das Gros der Kostüme.

Höhepunkt ist der Sonntag, an dem der Hochzeitszug und die Hochzeitsgesellschaft durch die Altstadt von Landshut ziehen. Weitere Veranstaltungen zeigen das Lagerleben, Reiter- und Ritterspiele oder den „Mummenschanz“, welche auf dem sogenannten Zehrplatz stattfinden. Organisiert werden die Feierlichkeiten bis heute vom Verein Die Förderer e. V., dessen Mitgliederzahl mittlerweile auf knapp 7000 gestiegen ist. Die rund 2300 Darsteller sind Landshuter Bürger, denen es Freude bereitet, die Hochzeit in authentischen historischen Gewändern nachzustellen – beispielsweise gehört es bei den männlichen und weiblichen Darstellern zur Tradition, die Haare nach mittelalterlichem Vorbild bis zur Veranstaltung lang wachsen zu lassen.

Visuelle Eindrücke[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Die Landshuter und ihre Hochzeit. Dokumentation über eines der größten historischen Feste Europas. Dokumentarfilm, Deutschland, 2001, 135 Min., Buch und Regie: Matthias Kiefersauer, Produktion: megaherz, Bayerischer Rundfunk, Inhaltsangabe von megaherz.
  • Minne und Moneten. Die Landshuter Hochzeit. Dokumentarfilm, Deutschland, 2009, 30 Min., Buch und Regie: Barbara Schepanek und Steffi Illinger, Produktion: hr, Erstsendung: 23. Juni 2010 bei hr-fernsehen, Inhaltsangabe von prisma.
  • Unter unserem Himmel. Die Landshuter Hochzeit. Dokumentarfilm, Deutschland, 2013, 43:30 Min., Buch und Regie: Sebastian Bolenius, Alexander Brutscher, Anna Buck, Stefanie Freimuth, Produktion: Bayerisches Fernsehen, Reihe: Unter unserem Himmel, Erstsendung: 14. Juli 2013 beim BR, Inhaltsangabe vom BR.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerald Huber: Die reichen Herzöge. Bayerns goldenes Jahrhundert. Friedrich Pustet Verlag, Regensburg 2013, ISBN 978-3791724836.
  • Gabriele Goderbauer-Marchner, Helmut Stix: Landshuter Hochzeit 1475. Treffpunkt Europas - einst und jetzt. Arcos Verlag, Ergolding 2009, ISBN 3-935339-36-4.
  • Thomas Alexander Bauer: Feiern unter den Augen der Chronisten – Die Quellentexte zur Landshuter Fürstenhochzeit von 1475. Herbert Utz Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8316-0800-3.
  • Klaus Förg, Erich Stahleder: Landshuter Hochzeit. Rosenheimer Verlag, Rosenheim 1998, ISBN 3-475-52900-9.
  • Erika Stadler: Landshuter Hochzeit 1475. Vom Werden eines Festes. Hornung, Riemerling 1991, ISBN 3-88804-038-8.
  • Hubert Glaser: Der Bilderzyklus im Rathaus zu Landshut und die Vorgeschichte der Landshuter Hochzeit. Verein Die Förderer, Landshut 1984.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Landshuter Hochzeit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]