Ikonizität

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Ikonizität ist ein mehrdeutiger linguistischer Fachbegriff, der sich auf den Begriff des Ikons im Sinne von Charles Sanders Peirce bezieht.

Er bezeichnet

  • im Gefolge von Charles W. Morris den Grad der Ähnlichkeit (Morris: "Frage des Verwandtschaftsgrades"[1]) des ikonischen Zeichens mit seinem Referenzobjekt[2];
  • die Beziehung zwischen dem Ausdruck und Inhalt ikonischer Zeichen. Ikonizität wird oftmals mit Abbildungsverhältnis sprachlicher Ausdrücke übersetzt. [3]

Typische Beispiele für ikonische Idiome sind

  • Unter das Messer kommen [4]
  • Grünes Licht geben [5]
  • Gesiebte Luft atmen [6]

Obwohl es sich um Metaphern handelt, enthalten diese Idiome bildhafte Beschreibungen der tatsächlich gemeinten Sachverhalte. Der Inhalt wird ikonisch wiedergegeben. Allerdings ist der Grad der Bildhaftigkeit abhängig vom Vorstellungsvermögen des Empfängers der Botschaft, so dass die Ikonizität relativ ist. Ikonische Zeichen wie zum Beispiel Bilder oder Gemälde lösen beim Betrachter ähnliche Wahrnehmungsreaktionen aus wie ihr Original. Je unschärfer oder abstrakter dabei der abgebildete Gegenstand ist, umso mehr nimmt der Grad der Ikonizität ab.

Je nach Maß der Auflösung haben bildgebende Verfahren, deren Wiedergabe der Realität von der des Auges abweicht, wie Ultraschall, Röntgenaufnahmen, Infrarotbilder, Computertomographien oder mikroskopische Aufnahmen eine unterschiedliche Ikonizität. Ähnliches gilt für den Abstraktionsgrad von Piktogrammen.

Angewandt wird der Begriff beispielsweise in der Phraseologieforschung nach Ken Farø.

Siehe auch: Ikon; Ikonographie, Ikonizismus

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Dotter: Nichtarbitrarität und Ikonizität in der Syntax. Buske, Hamburg 1990. ISBN 3-87118-964-2.
  • Umberto Eco: Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1977. ISBN 3-518-10895-6.
  • Willi Mayerthaler: Ikonismus in der Morphologie, in: Posner, Roland u.a. (Hrsg.), Ikonismus in den natürlichen Sprachen (Zeitschrift für Semiotik 2; 1/2). Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion 1980.
  • Willi Mayerthaler: Morphologische Natürlichkeit. Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion 1981.
  • Roland Posner: Ikonismus in den natürlichen Sprachen, in: Posner, Roland u.a. (Hrsg.), Ikonismus in den natürlichen Sprachen (Zeitschrift für Semiotik 2; 1/2). Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion 1980.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Ikonizität – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen[Bearbeiten]

  1. zitiert nach Rehbock, Helmut: Ikon. In: Glück, Helmut (Hg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. Auflage. Metzler: Stuttgart, Weimar 2010
  2. Nach Bußmann (Hg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Aufl. (2002): Ikonizität.
  3. Ken Farø (2006): Ikonographie, Ikonizität und Ikonizismus: Drei Begriffe und ihre Bedeutung für die Phraseologieforschung. In: Linguistik online 27, 2/06 [1] aufgerufen am 19. Januar 2007
  4. Ken Farø (2006): Ikonographie, Ikonizität und Ikonizismus: Drei Begriffe und ihre Bedeutung für die Phraseologieforschung. In: Linguistik online 27, 2/06 [2] aufgerufen am 19. Januar 2007
  5. Ken Farø (2006): Ikonographie, Ikonizität und Ikonizismus: Drei Begriffe und ihre Bedeutung für die Phraseologieforschung. In: Linguistik online 27, 2/06 [3] aufgerufen am 19. Januar 2007
  6. Ken Farø (2006): Ikonographie, Ikonizität und Ikonizismus: Drei Begriffe und ihre Bedeutung für die Phraseologieforschung. In: Linguistik online 27, 2/06 [4] aufgerufen am 19. Januar 2007