Kuckuck

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Dieser Artikel behandelt den Vogel Kuckuck, zu weiteren Bedeutungen von Kuckuck siehe Kuckuck (Begriffsklärung).
Kuckuck
Kuckuck (Cuculus canorus) Rufe des Kuckucks?/i

Kuckuck (Cuculus canorus)
Rufe des Kuckucks?/i

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Kuckucksvögel (Cuculiformes)
Familie: Kuckucke (Cuculidae)
Gattung: Kuckucke (Cuculus)
Art: Kuckuck
Wissenschaftlicher Name
Cuculus canorus
(Linnaeus, 1758)

Der Kuckuck (Cuculus canorus) gehört zur Ordnung der Kuckucksvögel (Cuculiformes) und zur Familie der Kuckucke (Cuculidae). Er kommt in Nordafrika und in Eurasien von Portugal und Irland nach Osten bis Japan und Kamtschatka vor. Er ist etwa taubengroß, sein Gefieder ist größtenteils grau. Die Art ist außer durch den charakteristischen „gu-kuh“-Ruf durch ihren Brutparasitismus allgemein bekannt. Der Kuckuck legt seine Eier einzeln in Nester kleinerer Singvögel und betreibt selbst keine Brutpflege. Er ist Namensgeber für andere Lebewesen, die ebenfalls Brutparasitismus betreiben, wie etwa die Kuckuckshummeln. Ebenso findet er auch in Redewendungen und Musik Erwähnung. Der Kuckuck war in der Schweiz Vogel des Jahres 2001 und in Deutschland und Österreich Vogel des Jahres 2008.[1]

Name[Bearbeiten]

Seinen Namen verdankt er dem auffälligen Ruf des Kuckuckmännchens. Auch in vielen anderen Sprachen, wie im Französischen (Coucou), Italienischen (cucú), Russischen (Kukuschka), Griechisch (koukoula), Englischen (Cuckoo), Polnischen (Kukułka) und Lateinischen (cuculus) wurde der Ruf lautmalerisch in seinen Namen integriert.

Merkmale[Bearbeiten]

Männchen im Flug

Der Kuckuck ist mit einer Spannweite von 55 bis 60 Zentimetern und 32 bis 34 Zentimetern Körperlänge und einem Gewicht von 110–140 Gramm (Männchen) und 95–115 Gramm (Weibchen) fast so groß wie eine Turteltaube, jedoch zierlicher und schlanker.[2] Die Flügel sind spitz und der abgerundete Schwanz ist 13 bis 15 Zentimeter lang. Im Flug sieht er einem Sperber ähnlich, hat jedoch spitzere Flügelenden. Im Sitzen wirkt er kurzbeinig. Der gestufte Schwanz wird nicht selten gefächert, und die Flügel werden etwas abgespreizt hängen gelassen.[3]

Ausgewachsene Männchen sind auf der Oberseite schiefergrau. Die Oberschwanzdecken haben hellgraue, sehr dünne, schmale Endsäume. Das Kinn, die Kehle, die Halsseiten und die Vorderbrust sind einheitlich hellgrau und heller als die Oberseite, die übrige Unterseite ist weiß mit breiter graubrauner Bänderung. Die Unterschwanzdecken sind weiß bis isabellfarben. Der Schwanz ist dunkel schiefergrau mit deutlich abgetrenntem weißen Endsaum. Die Iris, der Lidring und die Schnabelbasis sind hellgelb. Neben dieser grauen Morphe kommt auch beim Männchen eine rotbraune vor, die der der Weibchen ähnlich ist.[4]

Ausgewachsene Weibchen treten in zwei Farbmorphen auf. Die graue Morphe ähnelt den Männchen sehr, zeigt jedoch auf der Brust eine rostbeige bis gelbliche Tönung und eine dünne dunkle Querbänderung. Die braune Morphe ist seltener und auf der Oberseite sowie der Brust rostbraun. Das gesamte Gefieder ist dunkel quergebändert. Der Schwanz ist braun und dunkel gebändert und hat eine dünne weiße Endbinde. Die Iris, der Lidring und die Schnabelbasis sind hellbraun.

Die Jungvögel sind schiefergrau, teilweise mit rostbrauner Tönung. Das gesamte Gefieder ist dünn dunkel quergebändert. Die kleinen und großen Flügeldecken haben schmale weiße Säume. Die Iris ist dunkelbraun, der Lidring ist blassgelb, und die Schnabelbasis ist hell. Jungvögel können am weißen Fleck im Nacken erkannt werden.

Bei beiden Morphen und im Jugendkleid sind die Beine gelb und der Schnabel mit Ausnahme der Basis horngrau.

Das Aussehen des Kuckucks ähnelt dem des Sperbers oder des Turmfalken und ist eine Form von Mimikry, um den Wirtsvögeln die Anwesenheit eines Greifvogels vorzutäuschen und diese so von ihrem Nest zu vertreiben.[5]

Lautäußerungen[Bearbeiten]

Der Reviergesang des Männchens ist der namensgebende Ruf „gu-kuh“, wobei die erste Silbe betont wird. Dieser Kuckucksruf ist weit zu hören und wird von einer hohen Warte von April bis in den Juli hinein vorgetragen.

Die Tonhöhen der beiden Silben liegen meistens eine kleine Terz auseinander, das Intervall kann aber auch eine Sekunde bis eine Quinte betragen. Die Töne liegen zwischen den Halbtönen der Tonleiter und entsprechen etwa f2 (678 Hz) und d2 (565 Hz), wie aus den Rufen von sieben Kuckucksmännchen ermittelt wurde. Der Schnabel ist bei der ersten Silbe leicht geöffnet, bei der Zweiten geschlossen. Die Pausen zwischen den Rufen hängen vom Erregungszustand des rufenden Männchens ab. Je erregter, desto kürzer die Pausen. Bei sehr hoher Erregung kann es auch zu mehrsilbigen, sich überschlagenden „kuckuckuck...“-Rufen kommen.[6]

Das Weibchen lässt bei Erregung zur Brutzeit einen trillerartigen Laut hören, der aus einer hart betonten, schnellen Folge von Tönen besteht und etwas an den Zwergtaucher erinnert. Seltener äußert es ein lautes Kichern, das etwa wie „hach hachhach“ klingt. Jungvögel betteln ab dem vierten Tag nach dem Schlupf mit „zisisis“ oder „srisrisri...“. Mit zunehmendem Alter wird dieser Bettelruf zu einem „gigigi...“. Bei Abwesenheit der Wirtseltern wird dann auch der Distanzbettelruf „ziii ziii“ oder „sriii sriii“ abgegeben.[7]

Lebensraum und Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitungskarte des Kuckucks. Dunkelviolett = Brutgebiet, hellviolett = Überwinterungsgebiet

Der Kuckuck kommt in allen klimatischen Zonen der westlichen Paläarktis vor. Er bewohnt Kulturlandschaften ebenso wie Biotope oberhalb der Baumgrenze, die Dünen der Meeresküsten und fast alle Lebensräume dazwischen: lichte Laub- und Nadelwälder, Bruchwälder oder auch Hochmoore und Steppen. Er kommt nicht in der arktischen Tundra und in ausgedehnten dichten Wäldern vor. Dabei ist das Vorkommen der Vögel, die ihm bei der Fortpflanzung als Wirte dienen, ausschlaggebend. In seinem Lebensraum müssen ausreichende Kleinstrukturen wie Sträucher, Hecken, vereinzelte Bäume und Ansitzmöglichkeiten vorhanden sein. Er ist in der Schweiz bis in etwa 2400 Meter und in Indien in Ausnahmefällen in bis zu 5250 Meter Höhe nachgewiesen worden.[8] Er kommt auch in den Randgebieten von Städten vor.[9]

Der Kuckuck kommt in Eurasien von Westeuropa und Nordafrika bis Kamtschatka und Japan vor. Die Nominatform Cuculus c. canorus ist in ganz Europa mit Ausnahme von Island, dem äußersten Norden Skandinaviens und dem nordöstlichen Teil des Baltikums flächendeckend verbreitet. Die nördliche Verbreitungsgrenze der Art verläuft am Nordrand der Taiga vom Norden Norwegens bis Kamtschatka, ungefähr entlang des nördlichen Polarkreises. Östlich des kaspischen Meeres bis zum Balchaschsee ist der größte Teil Kasachstans nicht besiedelt, ebenso ein großer Bereich südwestlich des Baikalsees bis zum Kaschmir. Die südliche Verbreitungsgrenze bis zum Himalaja verläuft etwa entlang des 40. Breitengrades.[10][11]

Wanderung[Bearbeiten]

Der Kuckuck ist ein Langstreckenzieher, er zieht überwiegend nachts. Sein Winterquartier liegt in Afrika südlich des Äquators. Dort hält er sich bevorzugt in der Nähe von Wasserläufen in tropischen Bereichen oder Savannen mit Akazienbestand auf. Alt- und Jungvögel verlassen Deutschland Anfang August und kehren meist in der zweiten Aprilhälfte zurück.[12] Nach einer rund 7100 km langen Reise im Herbst mit Zwischenstopps in Polen, Ungarn und Griechenland für jeweils rund einen Monat, einem Überflug der Sahara im Gebiet zwischen Ägypten und Libyen überwintern die skandinavischen Kuckucke mit einem auf das reichliche Nahrungsangebot nach der Regenzeit in Afrika abgestimmten Kurs: Nach einer 1 1/2 Monate dauernden Erholungsphase in der östlichen Sahelzone bleiben sie drei Monate in Waldgebieten des südwestlichen Zentralafrikas und starten im Februar zum 9100 km langen Flug in ihre Brutgebiete mit Zwischenstopps in Ghana, Elfenbeinküste, Westafrika und Italien.[13] Die Wanderungsbewegungen werden in jüngster Zeit auch mit Satellitentelemetrie näher untersucht.[14]

Die Ankunftszeit bei der Rückkehr hängt von der geographischen Breite ab, so treffen Kuckucke in Südeuropa bereits im März, im Süden Skandinaviens erst Anfang Mai und im Norden Skandinaviens dagegen erst im Juli im Brutgebiet ein. In Deutschland kommt der Kuckuck Ende April bis Anfang Mai an,[15] neben der Kernzeit der Ankunftsphase gibt es auch Frühankömmlinge ab Ende März, wobei die Ankunftsmeldungen von Jahr zu Jahr auch von den Temperaturen abhängen.[16]

Nahrung[Bearbeiten]

Der Kuckuck frisst fast ausschließlich Insekten. Größtenteils werden Schmetterlingsraupen verzehrt, darunter auch behaarte und Warnfarben tragende, die von anderen Vögeln nicht gefressen werden. Zu seiner Nahrung gehören auch Käfer, seltener werden Libellen, Heuschrecken, Ohrwürmer, Wanzen, Fliegen und Hautflügler erbeutet.[17]

Weitere Nahrung sind Spinnen, Tausendfüßer, Regenwürmer, Schnecken und junge Frösche und Kröten. Weibchen verzehren auch die Eier möglicher Wirtsvögel. Die Nestlinge werden von den jeweiligen Wirtsvögeln mit einem breiten Spektrum an Nahrung gefüttert, je nachdem, womit diese normalerweise ihre eigenen Jungen füttern. Diese Nahrung besteht größtenteils aus Insekten, sie muss in jedem Fall größtenteils tierisch sein. Es gibt keine Nachweise dafür, dass nicht-insektenfressende Sperlingsvögel in Europa erfolgreich Jungvögel des Kuckucks aufgezogen haben.[18]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die Geschlechtsreife tritt im zweiten Lebensjahr ein. Die Art der Paarbindung ist bisher nicht eindeutig geklärt. Es handelt sich wahrscheinlich um Promiskuität, da es keine Beweise für eine längere monogame Paarbindung gibt.[19]

Die adulten Kuckucke treffen meist nach den Wirtsvögeln in den Brutgebieten ein, sodass diese ihre Reviere bereits besetzt haben. Das Männchen ist meist über eine Woche vor dem Weibchen im Brutgebiet.[15]

Balz[Bearbeiten]

Männliche Kuckucke locken Weibchen mit dem Kuckucksruf. Bei Annäherung eines Weibchens werden die Pausen zwischen den Rufen kürzer. Das Männchen nickt mit dem Kopf, spreizt die Flügel ab, lässt sie hängen und fächert den Schwanz auf. Mit zunehmender Erregung und nach Verfolgungsflügen geht das Kopfnicken des Männchens in tiefe Verbeugungen mit dem ganzen Körper über. Ist das Weibchen sehr nahe, pendelt das Männchen mit dem erhobenen, nicht gefächerten Schwanz hin und her. Anschließend wird das Weibchen stumm über längere Zeit verfolgt, wobei erhöhte Sitzwarten angeflogen werden. Es kann auch zur Präsentation von Gras, kleinen Zweigen oder Raupen durch das Männchen kommen, die jedoch nicht dem Weibchen übergeben, sondern vor diesem abgelegt oder fallen gelassen werden. Ist das Weibchen zur Kopulation bereit, neigt es den Vorderkörper und bleibt während der Kopulation in dieser Haltung.[20]

Eiablage[Bearbeiten]

Die Eiablage findet von Ende April bis Mitte Juli statt; sie fällt innerhalb dieser Spanne mit dem Höhepunkt der Eiablage der Wirtsvögel zusammen. Das Weibchen legt bis zu 25, im Durchschnitt neun Eier. In der Regel wird pro Wirtsnest nur ein Ei, selten zwei gelegt. Der Großteil bis alle Eier werden in die Nester einer Wirtsvogelart gelegt. Das Weibchen findet die Nester der Wirtsvögel durch Beobachtung. Die Eiablage erfolgt innerhalb von wenigen Sekunden und findet meist vom späten Nachmittag bis in die Dämmerung statt. Dabei werden ein bis zwei Eier der Wirtsvögel aus dem Nest entfernt und oft gefressen. Etwa jeden zweiten Tag wird ein Ei gelegt.[21] Die Eier sind im Durchschnitt 22,73 mal 16,34 mm groß, ermittelt an 1117 Eiern der Nominatform des Kuckucks. Damit sind sie meist etwas größer als die Eier der Wirtsvögel.[22]

Wirtsvogelarten[Bearbeiten]

Bevorzugte Wirte sind Rohrsänger, Grasmücken, Pieper, Bachstelzen, Braunellen, Neuntöter, Zaunkönig und Rotschwänze. Insgesamt sind in Mitteleuropa über 100 Wirtsvogelarten bekannt, von denen aber nur bei 45 eine erfolgreiche Aufzucht stattfindet, die anderen sind Fehlwirte. In 10 bis 30 % der Fälle werden parasitierte Gelege von den Wirtsvögeln aufgegeben.[23] Die Färbung der Kuckuckseier ist an die des jeweiligen Wirtes angepasst. Diese Anpassung wird durch die starke Bevorzugung bestimmter Wirtsvogelarten durch die weiblichen Kuckucke aufrechterhalten.[24] Es gibt wirtsspezifische weibliche Linien, jedoch keine wirtsspezifischen Rassen, da es bei den Männchen keine Wirtsspezifität gibt.[25]

Parasitierungsgrad[Bearbeiten]

In größeren Gebieten ist der Anteil der vom Kuckuck parasitierten Nester verhältnismäßig klein. Nur bei den Hauptwirten beträgt er mehr als 1 Prozent. In Großbritannien sind die Hauptwirte Heckenbraunelle, Teichrohrsänger und Wiesenpieper. In großen Stichproben mit 14788, 2826 und 2659 Nestern je Art (in der oben genannten Reihenfolge) wurden 2,2; 3,0 und 3,1 Prozent vom Kuckuck parasitiert. Dagegen wurden 513 Nester des Baumpiepers nur zu 1,0 Prozent und 1487 Nester des Gartenrotschwanzes nur mit 0,1 Prozent parasitiert. Teilweise wurden jedoch regional sehr viel größere Anteile gefunden, zum Beispiel 49 Prozent bei 88 Nestern des Teichrohrsängers oder 37 Prozent von 1000 Nestern beim Rotkehlchen.[20] Von 1970 bis 1980 wurden in einem Gebiet bei Hamburg im Mittel 16,4 % aller Nester des Sumpfrohrsängers parasitiert, minimal in einem Jahr 5,3 %, maximal 20 %.[15] Sumpfrohrsänger sind auch diejenigen Wirtsvögel, die am häufigsten ihnen untergeschobene Kuckuckseier als solche erkennen und aus dem Nest entfernen (nach Untersuchungen in Südmähren hatte der Kuckuck bei dieser Vogelart nur einen Bruterfolg von 4 %).

Schlupf und Aufzucht der Jungvögel[Bearbeiten]

Der junge Kuckuck wird zum Teil deutlich größer als seine Pflegeeltern, hier ein Teichrohrsänger

Nach einer sehr kurzen Brutzeit von etwa zwölf Tagen schlüpft der junge Kuckuck. Meistens schlüpft er vor den Jungen des Wirtes, selten sind schon einzelne oder weitaus seltener alle Jungen des Wirts geschlüpft. Etwa acht bis zehn Stunden nach dem Schlupf bewegt sich der junge Kuckuck im Nest hin und her, bis ein Ei oder Jungvogel an eine Seite des Nests geschoben ist. Dies wird durch eine besonders berührungsempfindliche Grube auf dem Rücken zwischen den Schultern und durch ausgestreckte Flügel unterstützt. Er spreizt dann die kräftigen Beine und krümmt den Kopf nach vorn, so dass dieser beinahe seinen Bauch berührt, oder stützt sich gegen den Innenrand des Nestes ab. Dann schiebt er das Ei oder den Jungvogel langsam über den Nestrand. Dabei scheint der junge Kuckuck anzuschwellen, die Venen am Hals und an den Flügeln treten deutlich hervor. Der Kopf zuckt dann ruckartig vor und zurück. Der junge Kuckuck macht zwischen diesen Anstrengungen immer wieder kurze Pausen. Wenn der Nestrand erreicht ist, werden die Flügel auf den Rand gelegt und das Ei oder der Jungvogel des Wirts mit einem kurzen, schüttelnden Ruck über den Nestrand geschoben. Der ganze Vorgang dauert etwa dreieinhalb Minuten und wird so lange wiederholt, bis der junge Kuckuck schließlich alleine im Nest übrig bleibt.[26]

Dieses Verhalten ist auch für den Kuckucksnestling nicht unproblematisch, da bei den meisten Vogeleltern die Menge der herangeschafften Nahrung von der Anzahl der im Nest aufgesperrten Schnäbel, dem Schlüsselreiz, der die Fütterung auslöst, abhängig ist. Der Kuckucksnestling kann die fehlenden Nestgeschwister durch schnelle Rufe imitieren und erhält so mehr Futter.[27] Diese Rufe setzen ab einem Alter von etwa vier Tagen ein und werden ab dem siebten Tag stärker. Der große orangerote Rachen des Kuckucksnestlings übt eine starke Reizwirkung aus. Mitunter beteiligen sich weitere Vögel anderer Arten an der Fütterung. Ab etwa 11 Tagen wird der junge Kuckuck zunehmend aktiver und dreht sich ab dem 16. Tag bei den Fütterungen auch zu den Wirtseltern hin. Nach etwa 20 Tagen wird der Jungvogel flügge, dann fliegt er den Wirtseltern entgegen und wird noch mehrere Wochen außerhalb des Nests gefüttert.[26] Wenn aufgrund tief ausgeformter Nester oder Höhlennester der Wirtsvögel der Jungkuckuck die Wirtsvogeleier bzw. die geschlüpften Nestlinge nur teilweise oder gar nicht aus dem Nest entfernen kann, wachsen die jungen Kuckucke, wenn sie die Nahrung mit den Stiefgeschwistern teilen müssen, auch entsprechend langsamer, fliegen bis zu vier Tage später aus und haben ein geringeres Gewicht. Entsprechend höher sind in diesen Fällen auch die Verluste.

Innere Systematik[Bearbeiten]

Es gibt vier, nur wenig differenzierte Unterarten:

Bestand und Bestandsentwicklung[Bearbeiten]

In Europa wird der Bestand der Nominatform auf 4,2 bis 8,6 Millionen Brutpaare geschätzt. Der Bestand in Mitteleuropa beträgt etwa 360.000 bis 550.000 Paare.[29] Zwischen 51.000 und 97.000 Paare leben in Deutschland.

Es sind nur wenige Bestandserfassungen über längere Zeiträume vorhanden, die Bestandsschwankungen hängen jedoch mit denen der Wirtsvögel zusammen. Lokale Bestände können von Jahr zu Jahr um über 100 % schwanken.[30]

Nahezu alle Länder West- und Mitteleuropas melden seit längerem rückläufige Bestände. In England verringerte sich der Bestand in den letzten 30 Jahren um fast 60 Prozent. Auch in einigen Teilen Deutschlands ist der Kuckuck seltener geworden. Lediglich im östlichen Europa scheint der Bestand noch stabil zu sein.

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten]

Der Kuckuck steht in der Vorwarnliste der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands.[31] Die IUCN gibt den weltweiten Status mit Least Concern (= nicht gefährdet) an.[32]

Die Hauptursache für den Rückgang des Kuckucks ist die Ausdünnung der Bestände seiner Wirtsvögel. Dies ist eine Folge der Zerstörung und des Verlusts der Lebensräume durch Ausräumung der Agrarlandschaft. Weiterhin wirkt sich der starke Rückgang von Schmetterlingen und Maikäfern durch zunehmenden Einsatz von Pestiziden und der Verlust von Lebensräumen und Nahrungspflanzen negativ auf den Kuckucksbestand aus.

Mögliche Schutzmaßnahmen sind die Extensivierung der Landwirtschaft, Ausgleichsmaßnahmen bei Verbrauch von Lebensräumen, der Schutz oder die Wiederherstellung von vielfältigen Randstrukturen und blütenreichen Säumen in der Agrarlandschaft und die Einschränkung des Einsatzes von Bioziden, damit sich die Bestände der Wirtsvögel und der Nahrungstiere erholen können.

Der Klimawandel könnte sich ebenfalls negativ auf die Bestandsentwicklung des Kuckucks auswirken. Einige seiner Wirtsvögel, wie z. B. der Hausrotschwanz und das Rotkehlchen, brüten früher als bisher, da bei diesen Arten der Zeitpunkt des Zuges und vor allem der Brutbeginn von der Temperatur abhängt. Der Kuckuck behält aber seine Zugzeiten bei, da er sich als Langstreckenzieher vor allem an der Tageslänge orientiert. Dadurch findet er nur schwer Nester, die am Anfang der Brut stehen. Das ist für die Aufzucht seiner Brut aber notwendig. Der junge Kuckuck muss möglichst als Erster schlüpfen, um die anderen Eier seiner Wirtsvögel aus dem Nest werfen zu können.[33]

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

In der griechischen Mythologie ist der Kuckuck mit der Göttin Hera verbunden.

Redensarten und Lieder[Bearbeiten]

Der Kuckuck ist wegen zwei Eigenheiten sprichwörtlich geworden: zum einen, aufgrund seines eigentümlichen charakteristischen Balzrufs, des Kontrasts seiner enormen Stimmstärke und des unscheinbaren äußeren Ansehens, und andererseits durch seine brutschmarotzende Lebensweise.

„Jemandem ein Kuckucksei legen“ = jemandem anderen etwas unterschieben

Der Kuckuck und das Kuckucksei kommen in vielen Redensarten vor, wobei Kuckuck oft ein Verhüllungswort für den Teufel darstellt, also als Ersatzwort genutzt wird, wenn der Teufel nicht wörtlich genannt werden soll.

Beispiele:

  • „Scher dich zum Kuckuck!“ – „Scher dich zum Teufel!“
  • „Weiß der Kuckuck …“ – „Das weiß allenfalls der Teufel.“ (Das weiß niemand.)
  • „Der Kuckuck ist los!“ – „Der Teufel ist los.“ (Es ist reichlich Betrieb.)
  • „Zum Kuckuck nochmal!“ – „Zum Teufel!“
  • „Hol’s der Kuckuck!“ – „Hol’s der Teufel!“ (Mir doch egal.)

Zum anderen weckt der Kuckuck aber auch Frühlingsgefühle, üblicherweise hört man die ersten Kuckucksrufe Ende März bis Anfang April, und ist so ein Bote des zu Ende gegangenen Winters, so wie in folgenden Brauchtümern:

  • Greif dir in die Tasche, wenn du im Jahr das erste Mal den Kuckuck hörst. So viel Geld, wie du dann dabei hast, wirst du das ganze Jahr über haben. Hast du nichts dabei, sieht’s für das folgende Jahr finanziell schlecht aus. – Ebenfalls glaubt man in manchen Gegenden, dass das Portemonnaie das ganze Jahr über nicht leer wird, wenn man beim Kuckucksruf darauf klopft.
  • Entsprechend sagt einem die Zahl der Kuckucksrufe an, wie lange man noch zu leben habe, sobald man die Frage gestellt hat („Kuckuck, Kuckuck, sag mir doch, wie viel’ Jahre leb’ ich noch?“ – niederdeutsch: „Kuckuck in Hewen, wo lang schall ik lewen?“).

Bekannte Lieder über den Kuckuck sind Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald, sowie die gern als Kanon gesungene Volksweise Auf einem Baum ein Kuckuck. Die kleine Terz des Kuckucksrufs fand auch Eingang in die Tonsprache der klassische Musik, wie in Beethovens 6. Sinfonie F-Dur, „Pastorale“ (Szene am Bach), Mozarts Kindersymphonie, oder Vivaldis Sommer, und vielen anderen Werken der klangredenden Musik insbesondere in Barock und Romantik.

Über die Art des Kuckucks, zu singen, gibt es auch das Volkslied über den Wettstreit des Kuckucks mit der Nachtigall aus Des Knaben Wunderhorn, in dem der Esel den Kuckuck zum Sieger erklärt, weil er schulmeisterlich brav nach den Regeln der Tonlehre singt („Der Kukuk drauf fing an geschwind · Sein Sang durch Terz und Quart und Quint.“), während das freie Jubilieren der Nachtigall dem Esel zu unverständlich ist („Du machst mir’s kraus! I-ja! I-ja! Ich kann's in Kopf nicht bringen!“) – dieses Lied hat Gustav Mahler als Lob des hohen Verstands (No. 10 Humoresken/Lieder aus Des Knaben Wunderhorn), aber auch Johann Karl Gottfried Loewe als Kunstlied vertont.[34] In anderer Variante findet sich das Topos bei Fallerslebens Der Kuckuck und der Esel, in dem Esel und Kuckuck um die Wette schreien.

Der Kuckuck ist der „Hauptdarsteller“ in einer Kuckucksuhr, wo diese Tonfolge ebenfalls verwendet wird. Beim Kuckuckspiel ist der Name eher dem regionalen Unterschied zwischen den Verben kucken und gucken geschuldet.

Heraldik[Bearbeiten]

In der Heraldik ist der Kuckuck als gemeine Figur ein seltenes Wappentier. Im Wappen ist er nicht immer eindeutig als Kuckuck zu erkennen. Die Beschreibung ist bindend. Er wird vorrangig mit leicht abgespreizten Flügeln und auf einer Unterlage (Ast, Zweig) sitzend, dargestellt. Die Farbgebung kann alle heraldischen Möglichkeiten annehmen. Seine Hauptblickrichtung ist heraldisch rechts.

Beispiele[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bauer, H.-G.; Bezzel, E. & Fiedler, W.: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel. 2. vollst. überarb. Aufl., AULA-Verlag Wiebelsheim, 2005, ISBN 3-89104-647-2
  • Cramp, Stanley and Simmons, K. E. L. (editors): Handbook or the Birds of Europe, the Middle East and North Africa: the Birds of the Western Palearctic. Vol. 4: Terns to Woodpeckers. Oxford University Press, 1985 ISBN 0-19-857507-6
  • Glutz von Blotzheim, U. N.; Bauer, K. M. (Hrsg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 9; 2. Aufl., AULA-Verlag, Wiesbaden 1994, ISBN 3-89104-562-X
  • Karl Schulze-Hagen: „Wenig bekannte Aspekte des Brutparasitismus. Auch ein junger Kuckuck hat es nicht leicht.“ In: Der Falke. Journal für Vogelbeobachter Jg. 56, 12 (2009), S. 449–455.
  • Svensson, L.; Grant, P. J.; Mullarney, K.; Zetterström, D.: Der neue Kosmos-Vogelführer – Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart. 1999, ISBN 3-440-07720-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kuckuck – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kuckuck in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. NABU e. V.
  2. Cramp & Simmons 1985, S. 402
  3. Glutz von Blotzheim & Bauer 1994, S. 182
  4. Glutz von Blotzheim & Bauer 1994, S. 183
  5. Davies, N. B. & Welbergen, J. A.: Cuckoo–hawk mimicry? An experimental test. Proc. R. Soc. B. doi:10.1098/rspb.2008.0331 Published online PDF
  6. Glutz von Blotzheim & Bauer 1994, S. 187
  7. Glutz von Blotzheim & Bauer 1994, S. 189
  8. Cramp & Simmons 1985, S. 403
  9. z. B. Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen (ABBO) (2001): Die Vogelwelt von Brandenburg und Berlin. Natur & Text, Rangsdorf. S. 100
  10. Cramp & Simmons 1985, S. 404
  11. Hagemeijer, W. J. M. & Blair, M. J.:The EBCC Atlas of European Breeding Birds – their distribution and abundance. T & A D Poyser 1997, ISBN 0-85661-091-7, S. 396–397
  12. Wernham, C.; Toms, M.; Marchant, J.; Clark J. A.; Siriwardena, G. M.; Baillie S. (Editors)(2002): The Migration Atlas: Movements of the birds of Britain and Ireland. T. & A. D. Poyser, London
  13. Sabine Spehn: Die Korridore der Kuckucke, In: birdnet, abgerufen am 17. Februar 2014.
  14. Kuckuck, wo bist du?! – Internationales Satelliten-Telemetrie-Projekt des LBV (European Cuckoo study), Landesbund für Vogelschutz in Bayern in Kooperation mit British Trust for Ornithology, 2013/2014, abgerufen am 17. Februar 2014.
  15. a b c Gärtner, K. (1981): Die Wechselbeziehungen zwischen dem Kuckuck (Cuculus canorus) und dem Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) als Beispiel einer Brutparasit-Wirt-Beziehung. Dissertation Universität Hamburg
  16. Ankunft des Kuckucks in Bayern 2013, LBV, abgerufen am 17. Februar 2014.
  17. Cramp & Simmons 1985, S. 406
  18. Cramp & Simmons 1985, S. 407
  19. Glutz von Blotzheim & Bauer 1994, S. 216
  20. a b Glutz von Blotzheim & Bauer 1994, S. 199
  21. Cramp & Simmons 1985, S. 413
  22. Glutz von Blotzheim & Bauer 1994, S. 200
  23. Bauer et al. 2005, S. 688
  24. Avilés, J. M. & Møller, A. P.: How is host egg mimicry maintained in the cuckoo (Cuculus canorus)? Biological Journal of the Linnean Society82 (1) S. 57–68 [1]
  25. Gibbs, H. L.; Sorenson, M. D.; Marchetti, K.; de L. Brooke, M.; Davies, N. B.; Nakamura, H. (2000): Genetic evidence for female host-specific races of the common cuckoo. Nature 407, S. 183–186 [2]
  26. a b Cramp & Simmons S. 411
  27. Davies, N. B.; Kilner, R. M.; Noble, D. G. (1998): Nestling cuckoos, Cuculus canorus, exploit hosts with begging calls that mimic a brood. Proc. R. Soc. Lond. B 265 (1397), S. 673–678 PDF
  28. Glutz von Blotzheim & Bauer 1994, S. 181–182
  29. BirdLife International (2002): Birds in Europe. Population estimates, trends and conservation status. BirdLife Conservation Series No. 12. Wageningen NL
  30. z. B. ABBO (Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen) (2001): Die Vogelwelt von Brandenburg und Berlin. Natur & Text, Rangsdorf.
  31. Binot, M.; Bless, R.; Boye, P.; Gruttke, H.; Pretscher, P. (1998): Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. Bad Godesberg.
  32. Cuculus canorus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2008. Abgerufen am 30. Oktober 2008
  33. http://www.nabu.de/m01/m01_05/07228.html
  34. Lob des hohen Verstands, recmusic.org; Text auch in Friedrich Karl von Erlach: Die Volkslieder der Deutschen. 3. Ausg., 1835, S. 23 (books.google)