In Case of Emergency

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ICE“ (kurz für „In Case of Emergency“, engl.im Notfall‘) bezeichnet ein umstrittenes Verfahren zur Kennzeichnung von Adressbucheinträgen in Mobiltelefonen. Die Rufnummern von Angehörigen, die in einem Notfall benachrichtigt werden sollen, werden unter dem Kürzel „ICE“ abgespeichert. Im deutschsprachigen Raum wird alternativ auch das Kürzel „IN“ („Im Notfall“) verwendet.

Anfang 2005 hat der britische Rettungssanitäter Bob Brotchie eine Initiative zur Verbreitung dieses Verfahrens gestartet. Das Verfahren soll Rettungsdiensten erleichtern, die Angehörigen von Unfallopfern zu ermitteln.[1] Später hat Bob Brotchie in Großbritannien die Bezeichnung „ICE“ als Marke schützen lassen und einen kostenpflichtigen Dienst zur telefonischen Benachrichtigung Angehöriger unter dieser Bezeichnung gegründet.

Durch Medienberichte[2] und Kettenbriefe[3] hat das Verfahren in einigen Ländern Bekanntheit erlangt. Im Juli 2005 tauchte erstmals in einem Blog die Idee auf, im deutschsprachigen Raum statt „ICE“ das leichter verständliche „IN“ zu verwenden.[4] Seit 2008 empfiehlt die internationale Norm E.123 ein sprachunabhängiges Verfahren, das Ziffern und aussagekräftige Namen zur Kennzeichnung wichtiger Nummern verwendet.

Anleitung[Bearbeiten]

Anleitung für das Kennzeichnen von Kontaktpersonen für Notfälle im Adressbuch von Mobiltelefonen nach dem „IN“-Verfahren:

  1. Im Handy einen Kontakt namens „IN“ anlegen, gefolgt vom Namen der Kontaktperson, z. B. „IN Mutter“ oder „IN David“.
  2. Die Telefonnummer der Kontaktperson abspeichern.
  3. Die IN-Kontaktperson davon in Kenntnis setzen, dass man sie als solche im Handy führt.

Beim „ICE“-Verfahren würden die Einträge „ICE Mutter“ oder „ICE David“ lauten, beim international standardisierten E.123-Verfahren dagegen „01Mutter“ oder „02David“.

Kettenbriefe[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit dem ICE-Verfahren sind mindestens zwei E-Mail-Kettenbriefe im Umlauf. Der eine wirbt für die Verwendung des ICE-Verfahrens unter Berufung auf vermeintliche Empfehlungen angesehener Organisationen.[3] Der andere ist eine Falschmeldung, die vor einem vermeintlichen Handy-Virus warnt.[5] Beide E-Mails enthalten mutwillig gefälschte und irreführende Angaben und sollten nicht weiterverteilt, sondern sofort gelöscht werden.

Kritik[Bearbeiten]

Der Arbeiter-Samariter-Bund distanziert sich ausdrücklich von den Kettenbriefen und dem ICE-Verfahren. Er empfiehlt stattdessen, „im Geldbeutel oder bei den Papieren eine Notiz mit Namen, Anschrift und Telefonnummer der im Notfall zu informierenden Personen zu hinterlegen.“ Er betont, dass „weder der ASB noch die Polizei oder andere offizielle Berufsverbände und Rettungsorganisationen“ die Empfehlung für einen ICE-Eintrag geben. Die Weitergabe von Informationen über ein Unfallgeschehen sei „eine höchst sensible Aufgabe, die mit höchster Professionalität durchgeführt werden muss und nur in den seltensten Fällen über das Mobiltelefon erfolgt.“ Zudem bleibe „dem Rettungsdienstpersonal während eines Einsatzes keine Zeit, Angehörige zu informieren, da die Helfer vor allem auf das Wohlergehen des Patienten und die Erhaltung der lebenswichtigen Funktionen konzentriert sind.“ Es sei außerdem nicht auszuschließen, „dass die ICE-Nummern von Dritten missbräuchlich verwendet werden.“ [6]

Der schweizerische Interverband für Rettungswesen distanziert sich ebenfalls von den Kettenbriefen und dem ICE/IN-Verfahren. Es sei „eine schlichtweg falsche Behauptung“, dass es sich bei der Verbreitung des ICE-Verfahrens, wie in der Betreffzeile des Kettenbriefes behauptet, um ein „Anliegen der Rettungsdienste“ handle.[7]

Das Österreichische Rote Kreuz sieht das Kürzel „ICE“ kritisch, weil es im deutschsprachigen Raum mit der Eisenbahn assoziiert werde und wegen der Verwechslungsgefahr mit Bob Brotchies kostenpflichtigem Telefondienst. Das „IN“-Verfahren wird mit der Einschränkung unterstützt, dass „üblicherweise […] seitens des Rettungsdienstes keine Angehörigen verständigt“ werden. „Ob jemand ein IN in seinem Mobiltelefon gespeichert hat oder nicht, ist daher für die Qualität der präklinischen Versorgung nicht von Bedeutung.“[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Offizielle Website der ICE-Initiative – Stand 14. Juli 2005 (Quelle: Internet Archive)
  2. Mobiles 999 contact idea spreads, BBC News, 12. Juli 2005
  3. a b Eintrag im Hoax-Info Service der TU Berlin über den ICE-Kettenbrief
  4. http://www.feuerwehr-weblog.de/archives/2005/07/in_im_notfall_e.html
  5. Eintrag im Hoax-Info Service der TU Berlin über den Handy-Virus-Hoax
  6. Richtigstellung des Arbeiter-Samariter-Bundes vom 29. August 2009
  7. Stellungnahme des Interverband für Rettungswesen
  8. http://www.roteskreuz.at/katastrophenhilfe/katastrophenvorsorge/in-handy-im-notfall/fragen-und-antworten-zu-in/