Indirekte Nutzenfunktion

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Eine indirekte Nutzenfunktion ist eine in der Mikroökonomik verwendete Funktion, die das maximale Nutzenniveau angibt, das ein Konsument bei gegebenen Güterpreisen und mit gegebenem Budget erreichen kann. Damit unterscheidet sie sich von der (direkten) Nutzenfunktion eines Konsumenten, die allgemein für bestimmte Gütermengen definiert ist.

Definition und Bedeutung[Bearbeiten]

Der Ausgangspunkt für die Herleitung der indirekten Nutzenfunktion ist derselbe wie der zur Herleitung der marshallschen Nachfrage. Er besteht im Nutzenmaximierungsproblem

\max_{(x_{1},\ldots,x_{n})\in\mathbb{R}_{+}^{n}}u(x_{1},\ldots,x_{n}) unter der Nebenbedingung \sum_{i=1}^{n}p_{i}x_{i}\leq y

(Details hierzu finden sich im Artikel Marshallsche Nachfragefunktion.) Eine Lösung dieses mittels der Kuhn-Tucker-Methode lösbaren Optimierungsproblems bezeichnet man als marshallsche Nachfrage \mathbf{x}(\mathbf{p},y), wobei \mathbf{x}=(x_1,\ldots,x_n) der Vektor der nachgefragten Gütermengen (x_i\geq0), \mathbf{p}=(p_{1},\ldots,p_{n}) der dazugehörige Preisvektor und y das verfügbare Konsumbudget ist. In Worten handelt es sich bei dieser Nachfrage also um diejenige Gütermenge – in Abgängigkeit der Güterpreise –, die erforderlich ist, um mit einem gegeben Budget y ein möglichst hohes Nutzenniveau zu erreichen. Setzt man die marshallsche Nachfrage \mathbf{x}(\mathbf{p},y) nun wieder in die maximierte Funktion ein, so bezeichnet man die resultierende Funktion als indirekte Nutzenfunktion v. Es ist also

v(\mathbf{p},y)\equiv u\left[x_{1}(\mathbf{p},y),\ldots,x_{n}(\mathbf{p},y)\right]\overset{\mathrm{(vektoriell)}}{=}u\left[\mathbf{x}(\mathbf{p},y)\right].

Während die marshallsche Nachfragefunktion die Gütermengen liefert, die im Nutzenmaximum nachgefragt werden, liefert die indirekte Nutzenfunktion das Nutzenniveau, das im Maximum erreicht wird; mit anderen Worten ist \mathbf{x}(\mathbf{p},y) das Argument des Maximums, während v das tatsächliche Maximum liefert.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Es lässt sich zeigen, dass v(\mathbf{p},y) unter den üblichen Voraussetzungen – u(\cdot) stetig und streng monoton steigend – unter anderem folgende Eigenschaften aufweist[1]:

Zudem gilt unter der genannten Voraussetzung bezüglich u (und auch bereits, wenn u nur der schwächeren Annahme der lokalen Nichtsättigung genügt)[2]:

(Jackson 1986[3]): Für alle Güterbündel \tilde{\mathbf{x}} gilt: Betrachte ein Nutzenniveau \overline{u}\geq0 und ein \epsilon>0, die so beschaffen sind, dass v(\mathbf{p},\mathbf{p}\cdot\tilde{\mathbf{x}})\geq\overline{u}+\epsilon für alle möglichen Preisvektoren \mathbf{p} mit strikt positiven Komponenten. Dann existiert ein \delta\in(0,1), mit dem v(\mathbf{p},\delta\cdot\mathbf{p}\cdot\tilde{\mathbf{x}})>\overline{u} für alle \mathbf{p}.

Für die Differenzierbarkeit lässt sich (unter den genannten Voraussetzungen bezüglich u) auf folgende Bedingung verweisen[4]:

Sei u(\mathbf{x}) darüber hinaus stetig differenzierbar. Wenn das Nutzenmaximierungsproblem (siehe oben) in einer offenen Umgebung um (\mathbf{p}_{0},y_{0}) (y_{0}>0) eine eindeutige Lösung hat, dann ist die indirekte Nutzenfunktion v(\mathbf{p},y) in dieser Umgebung differenzierbar in (\mathbf{p},y).

Einordnung[Bearbeiten]

Zusammenhang zur Ausgabenfunktion[Bearbeiten]

Analog zur Beziehung zwischen marshallscher und Hicks’scher Nachfragen besteht auch zwischen der – konzeptionell mit ersterer verbundenen – indirekten Nutzenfunktion sowie der – mit letzterer zusammenhängenden – Ausgabenfunktion eine enge Beziehung. Es gilt nämlich:

Beziehung zwischen Ausgaben- und indirekter Nutzenfunktion[5]: Sei die Präferenzordnung der Konsumenten durch eine reellwertige und auf \mathbb{R}_{+}^{n} stetige und streng monoton steigende Nutzenfunktion u repräsentierbar und repräsentiert. Dann gilt:

  1. e\left[\mathbf{p},v(\mathbf{p},y)\right]=y
  2. v\left[\mathbf{p},e(\mathbf{p},\overline{u})\right]=\overline{u}

Roys Identität[Bearbeiten]

Hauptartikel: Roys Identität

Trotz der in vielerlei Hinsicht bestehenden Analogie zwischen dem Konzept der indirekten Nutzenfunktion und demjeniger der Ausgabenfunktion gibt es auf den ersten Blick keine unmittelbare Analogie zu Shephards Lemma, nach dem die Ableitung der Ausgabenfunktion nach dem Preis der korrespondierenden Hicks’schen Nachfragefunktion entspricht. Eine geringfügige Modifikation liefert allerdings dennoch eine gewisse Vergleichbarkeit. Die Beziehung wird als Roys Identität bezeichnet.

Roys Identität[6]: Sei u(\cdot) stetig und streng monoton steigend. Sei weiter v(\mathbf{p},y) in einer Stelle (\mathbf{p}_{0},y_{0}) differenzierbar und \partial v({p}_{0},y_{0})/\partial y\neq0. Dann gilt für alle i (1\leq i\leq n):

x_{i}(\mathbf{p}_{0},y_{0})=-\frac{\partial v(\mathbf{p}_{0},y_{0})/\partial p_{i}}{\partial v(\mathbf{p}_{0},y_{0})/\partial y}

Zum Beweis wird auf den Artikel Roys Identität verwiesen.

Beispiel[Bearbeiten]

Für ein Beispiel zur Konstruktion einer indirekten Nutzenfunktion wird auf den Artikel Marshallsche Nachfragefunktion verwiesen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Geoffrey A. Jehle und Philip J. Reny: Advanced Microeconomic Theory. 3. Aufl. Financial Times/Prentice Hall, Harlow 2011, ISBN 978-0-273-73191-7.
  • David M. Kreps: Microeconomic Foundations I. Choice and Competitive Markets Princeton University Press, Princeton 2012, ISBN 978-0-691-15583-8.
  • Andreu Mas-Colell, Michael Whinston und Jerry Green: Microeconomic Theory. Oxford University Press, Oxford 1995, ISBN 0-195-07340-1.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. hierfür weitgehend Jehle/Reny 2011, S. 29 ff. Einige der Eigenschaften folgen auch schon unter der schwächeren Annahme der lokalen Nichtsättigung der zugrunde liegenden Präferenz-Indifferenz-Relation R. Hierzu Mas-Colell/Whinston/Green 1995, S. 59. (Man bezeichnet eine Präferenzordnung als lokal nicht gesättigt, wenn für beliebiges x_{a}\in X und für jede \epsilon-Umgebung U_{\epsilon} um x_{a} ein z\in U_{\epsilon} existiert, mit dem zPx_{a}. Vgl. der Artikel Präferenzordnung.)
  2. Vgl. Kreps 2012, S. 274.
  3. Matthew O. Jackson: Continuous utility functions in consumer theory. A set of duality theorems. In: Journal of Mathematical Economics. 15, Nr. 1, 1986, S. 63–77, doi:10.1016/0304-4068(86)90024-8.
  4. Vgl. Kreps 2012, S. 262.
  5. Vgl. Jehle/Reny 2011, S. 27 ff.
  6. Vgl. Jehle/Reny 2011, S. 29; mit leicht schwächeren Annahmen Mas-Colell/Whinston/Green 1995, S. 73 f.