Informationsarchitektur
Informationsarchitektur heißt der Prozess oder das Ergebnis einer Informationszugangsplanung, zum Beispiel für eine Bibliotheksverwaltung, eine Website, ein Content-Management-System oder eine Datenbankanwendung. In diesem Prozess wird entworfen und festgelegt, wie ein Nutzer mit einem Informationssystem interagieren kann. Dazu werden
- Informationseinheiten und Funktionen definiert und benannt,
- diese Einheiten und Funktionen gruppiert und im Informationsangebot platziert.
Die Informationsarchitektur folgt Grundsätzen der Benutzerfreundlichkeit (engl. Usability) und gehört zur nutzerorientierten Gestaltung (engl: User Centered Design).
Der Begriff 'Informationsarchitektur' wird zum Teil auch als Synonym für 'Datenarchitektur' benutzt.
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Begriffsgeschichte [Bearbeiten]
Von Architektur sprachen in der Informatik schon 1959 Lyle R. Jonson und Frederick P. Brook bei IBM, um den Aufbau des Supercomputers Stretch zu beschreiben.[1]
1970 wurde bei Xerox eine Gruppe aus Naturwissenschaften und Wissenschaftlern für Bibliothekswesen gebildet und beauftragt, eine „Informationsarchitektur“ zu schaffen.[2]
Der Begriff „Information Architect“ wird auf den Architekten und Grafiker Richard Saul Wurman zurückgeführt. Wurman wurde 1976 Mitglied des American Institute of Architects (AIA). Im selben Jahr stand er einer Konferenz des AIA vor,[3] die Konferenz hatte das Thema „The Architecture of Information“[4] und Wurman hielt dort einen Vortrag gleichen Titels. 1996 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel „Information architects“.[5] Bekannt wurde die Tätigkeit des Informationsarchitekten durch das Buch „Information Architecture for the World Wide Web“ von Lou Rosenfeld und Peter Morville, das 1998 in erster Auflage veröffentlicht wurde.
Angewandt wird der Begriff im Zusammenhang mit beispielsweise der Konzeption von Websites, Mobile Applications und in der klassischen Software-Entwicklung.
Prinzipien [Bearbeiten]
„Eine effektive IA war und ist also eine Struktur, die sich dem Nutzer nicht in den Weg stellt, sondern hilft innerhalb eines (meist digitalen) Informationssystems ein gewünschtes Ziel zu erreichen.“
– Jan Jursa: In einem Interview „[…] Was ist eigentlich Informationsarchitektur?“[6]
Methoden und Werkzeuge [Bearbeiten]
Informationsarchitektur wird über die Struktur eines Auftritts, die Pfade durch die Seite und die Seiteninhalte, beispielsweise durch sogenannte Website Wireframes, beschrieben.
Gängige Hilfsprogramme [Bearbeiten]
Siehe auch [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Computer architecture. In: Wikipedia (englisch). 1. Dezember 2012, abgerufen am 14. Dezember 2012: „The term ‘architecture’ in computer literature can be traced to the work of Lyle R. Johnson, Muhammad Usman Khan and Frederick P. Brooks, Jr., members in 1959 of the Machine Organization department in IBM’s main research center. Johnson had the opportunity to write a proprietary research communication about Stretch, an IBM-developed supercomputer for Los Alamos Scientific Laboratory. In attempting to characterize his chosen level of detail for discussing the luxuriously embellished computer, he noted that his description of formats, instruction types, hardware parameters, and speed enhancements was at the level of ‘system architecture’ – a term that seemed more useful than ‘machine organization’.“
- ↑ Pake, G. E. (1985). Research at Xerox PARC: a founder's assessment. IEEE Spectrum, Oktober 1985. zitiert von Hearst, Marti A. Research in Support of Digital Libraries at Xerox PARC. Part I: The Changing Social Roles of Documents. D-Lib Magazine, May 1996.
- ↑ Richard Saul Wurman awarded for Lifetime Achievement by Smithsonian Cooper-Hewitt, National Design Museum. In: „wurman.com“. 4. Mai 2012, abgerufen am 14. Dezember 2012 (Die Quelle ist ein Frame von www.wurman.com/rsw/index.html).
- ↑ R. E. Wyllys: Information Architecture. In: „Graduate School of Library and Information Science“ der University of Texas at Austin. 16. Oktober 2001, abgerufen am 14. Dezember 2012.
- ↑ Richard S. Wurman, Peter Bradford (Hrsg.): Information Architects. Graphis Press, Zürich 1996, ISBN 1888001380, OCLC 299857954 (Andere ISBN 3857094583). Richard Saul Wurman: "Information"architects" bei Google books
- ↑ Jan Jursa: Das lautlose Geheimnis guter Websites: Was ist eigentlich Informationsarchitektur? In: „besser2.0“. Frank Wolf, 28. Januar 2010, abgerufen am 14. Dezember 2012.
Literatur [Bearbeiten]
Deutsch:
- Henrik Arndt: Integrierte Informationsarchitektur – Die erfolgreiche Konzeption professioneller Websites. Berlin: Springer-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-540-24074-8
- Paul Chlebek: User Interface-orientierte Softwarearchitektur, Vieweg Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-8348-0162-3
Englisch:
- Peter Van Dijk: Information Architecture for Designers: A Guide to Structuring Websites for Business Success. RotoVision, ISBN 2-88046-731-4
- Richard Saul Wurman: Information Architects. Graphis, New York 1997, ISBN 1-888001-38-0
- Lou Rosenfeld und Peter Morville; Information Architecture for the World Wide Web. O’Reilly Verlag, Sebastapol (CA) 1998, ISBN 1-56592-282-4
- Christina Wodtke: Information Architecture: Blueprints for the Web., IN: New Riders, Indianapolis 2003, ISBN 0-7357-1250-6
- Jesse James Garrett: The Elements of User Experience. User-Centered Design for the Web., IN: New Riders, Indianapolis 2004, ISBN 978-0-7357-1202-7
Weblinks [Bearbeiten]
- Institut für Informationsarchitektur
- IA Konferenz
- Explain IA, eine Sammlung von visuellen Erklärungsversuchen
- Das lautlose Geheimnis guter Websites: Was ist eigentlich Informationsarchitektur?, Interview
- boxes and arrows, ein Blog von Christina Wodtke (engl.)