Kühlwagen (Lkw)

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Kühlwagen sind Lastkraftwagen mit einem Kühlaufbau und werden für temperaturgeführte Transporte verwendet.

Im Güterverkehr und besonders im Güterfernverkehr werden überwiegend nur Sattelzüge und Lastzüge eingesetzt. Im Nahverkehr und in den engen Städten dagegen oft Motorwagen (Lkw ohne Anhänger) oder Kleintransporter.

Fahrzeugaufbau[Bearbeiten]

älterer Kühlwagen +
Kühlaggregat über dem Fahrerhaus
18,35 m verkleideter Tiefkühlzug

Durch den aufwendigen, isolierten Aufbau und das Kühlaggregat (fast immer mit Heiz- und Tiefkühlfunktion) sind diese verglichen mit anderen geschlossenen Aufbauten technisch wesentlich aufwendiger. Besonders bei den Unterhaltskosten können durch im Transportalltag häufig auftretende kleine Rangierschäden große Reparaturkosten entstehen.

Aufgrund des festen Aufbaus entstehen bei Transporten aber viele Nachteile, die nur mit technisch ausgeklügelten und damit auch noch teureren und Nutzlast verringernden Aufbauten zum Teil gelöst, oder deren Nachteile minimiert oder verschoben werden können.

Im Transportgewerbe ist Flexibilität eines der wichtigsten Kriterien. Daher werden die Fahrzeuge häufig individuell nach Wunsch gefertigt, wie es der Transportunternehmer und der eventuelle Stammkunde benötigt und es setzt sich im Gegensatz zum Automobil-Sektor auch keine standardisierte Massenfertigung in Billiglohnländern durch, zumal die Anschaffungskosten gerechnet auf die Laufzeit auch einen niedrigen Stellenwert einnehmen.

Über 90 % aller in Deutschland verkauften Kühlauflieger stammen von den beiden deutschen Fahrzeugherstellern Schmitz Cargobull oder Krone. Die restlichen 10 % fallen hauptsächlich auf die fusionierten Hersteller Kögel und Chereau (Frankreich) (Stand 2004).

Ein isolierter Kofferaufbau ist durch die üblicherweise doppelwandige GFK-Beplankung mit dazwischen liegendem Isolierkern aus Polyurethanschaum und Holz- oder Aluminiumverstrebungen wesentlich schwerer als ein vergleichbarer geschlossener Planenaufbau. Dadurch sinkt die übliche maximale Nutzlast von 25 auf 24 Tonnen.

Damit auch weiterhin die für genormte Transporteinrichtungen wie Europaletten und Gitterbox sinnvolle Innenbreite von 2,40 m erhalten bleibt, dürfen temperaturgeführte Aufbauten über eine Gesamtbreite von 2,60 m verfügen und somit die sonst maximal erlaubte Gesamtbreite von 2,55 m ohne Ausnahmegenehmigung überschreiten. Da die maximale Fahrzeuglänge aber nicht wachsen darf, können übliche Kühlauflieger nur 33 statt 34 Europaletten transportieren.

Im Lieferverkehr von Stückgut der Kleintransporter werden kaum aufwändig isolierte Fahrzeuge eingesetzt.

Die Temperatursteuerung[Bearbeiten]

Auflieger Kühlmaschine

Das Kühlaggregat wird immer bei Fernverkehrszügen und häufig auch ab dem mittelschweren Nahverkehrseinsatz während der Fahrt über einen unterhalb des Sattelaufliegers montierten, oder bei einem Gliederzug durch den Dieseltank des Fahrzeugs betrieben.

Um während Standzeiten die Lärm- und Abgasbelastungen zu verringern, verfügen viele Kühlaggregate zusätzlich über einen Drehstromanschluss, der einen verhältnismäßig leisen, elektrischen Kühlbetrieb ermöglicht. Zusätzliche Kapselungen und Dämmungen im Kühlaggregat minimieren bei beiden Einsatzarten die Geräuschentwicklung, im Dieselbetrieb werden die Abgase über Schalldämpfer-Abgasreinigungsanlage abgeführt.

Einige wenige, hauptsächlich alte Fahrzeuge ab dem mittelschweren Nahverkehr werden über rein strombetriebene Kühlaggregate vorgekühlt und können nicht autark (vom Stromnetz unabhängig) betrieben werden. Daher eignet sich diese Kühlart auch nur für kurze Transportwege und -zeiten.

Die Kühlung der Kleintransporter erfolgt aufgrund des geringen Transportvolumens mit kleinen, über das Fahrzeugstromnetz oder Diesel betriebene Aggregate.

Weitere technische Besonderheiten im temperaturgeführten Transport sind je nach Einsatzzweck z.B. Temperaturschreiber. Die Temperaturen werden erfasst, gespeichert und der Verlauf kann jederzeit an einem Display angezeigt oder auch ausgedruckt werden. Es ist auch eine digitale Temperatur- Überwachung über Satellit (GPS) und entsprechende Flottensteuerungslösungen möglich. Dies dient der Qualitätssicherung, um unzulässige Temperaturschwankungen auch später noch feststellen und nachhaltig vermeiden zu können. Nach den EU-Verordnungen 178/2002/EG und 37/2005/EG besteht die Nachweispflicht zur Rückverfolgung der Qualitätssicherung bei Lebensmitteln.[1]

Kühlauflieger mit Dolly
+ komplett mit seitlichen Türen

Ausstattungen[Bearbeiten]

Den Anforderungen entsprechend können auch die Aufbauten mit Doppelstockeinrichtungen oder komplett mit seitlichen Türen gebaut werden. Dieses kann zum Nachteil des Nutzlastgewichts führen.

Aufbauten für Transporte von Frischfleisch sind unterhalb vom Dach mit Schiebebahnen und Fleischhaken ausgestattet. Diese Fleischhaken können jeweils in kurzen Abständen gesperrt werden, sodass zum Beispiel Schweine- oder Rinderhälften während der Fahrt nicht über die ganze Aufbaulänge hin und her rutschen können.

Weblinks und Quellen[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Rl.37/2005/EG Nachweispflicht bei Kühlfahrzeugtransporte.