Kardioversion

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Kardioversion nennt man die Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) beim Vorliegen von Herzrhythmusstörungen, meist Vorhofflimmern, seltener supraventrikulären oder ventrikulären Tachykardien oder Vorhofflattern. Man unterscheidet die elektrische Kardioversion mit einem Defibrillator von der medikamentösen Kardioversion.

Indikation[Bearbeiten]

Bei tachykarden (schnellen) Herzrhythmusstörungen, die die Auswurfleistung des Herzens beeinträchtigen, ist eine Kardioversion indiziert. Bei guter Auswurfleistung ist die Anwendung abhängig von der Art der Herzrhythmusstörung und der Symptomatik zu diskutieren.[1] Bei Patienten mit Vorhofflimmern mit geringer oder keiner Symptomatik bringt die Kardioversion keine eindeutige prognostische Verbesserung.[2][3]

Elektrische Kardioversion[Bearbeiten]

Das Prinzip der elektrischen Kardioversion gleicht dem der Defibrillation. Durch die Abgabe eines Stromstoßes soll die Aktivität der Herzmuskelzellen synchronisiert werden. Dies verhindert unkontrollierte Erregungsbildung außerhalb des eigentlichen Reizbildungssystems und ermöglicht eine geordnete Aktivität des Sinusknotens.

Bei der elektrischen Kardioversion wird der Schock im Gegensatz zur Defibrillation mit einer geringeren Initialdosis (meist 50-100 Joule) abgegeben.[1] Außerdem wird der Stromstoß EKG-getriggert ausgelöst - das bedeutet, dass das Gerät die R-Zacke im EKG, also den Zeitpunkt der Kontraktion der noch synchron arbeitenden Herzmuskelzellen, registriert und den Schock gleichzeitig dazu abgibt. Dies reduziert das Risiko für das Auftreten von Kammerflimmern.

Wache Patienten werden für die Stromabgabe in eine kurze Narkose versetzt.

Medikamentöse Kardioversion[Bearbeiten]

Neben der elektrischen Kardioversion kann auch eine medikamentöse Behandlung angewandt werden. Diese hat den Vorteil, dass keine Kurznarkose notwendig ist und der Patient die Therapie unter Umständen selbst durchführen kann ("pill in the pocket"). Häufig verwendete Arzneistoffe sind Amiodaron, Flecainid und Ajmalin.[1] Insgesamt ist die Erfolgsrate bei der pharmakologischen Kardioversion etwas geringer als bei der elektrischen Kardioversion (siehe Tabelle).[3]

Risiken[Bearbeiten]

Sowohl die elektrische als auch die medikamentöse Kardioversion gehen mit einem erhöhten Embolierisiko z.B. eines Schlaganfalls, einher. Darüber hinaus können beide Verfahren ihrerseits Herzrhythmusstörungen auslösen.[2]

Vorgehen bei Vorhofflimmern[Bearbeiten]

Die häufigste Indikation für eine Kardioversion ist symptomatisches Vorhofflimmern. Die Entscheidung zwischen elektrischer und medikamentöser Kardioversion wird dabei individuell getroffen. Wenn der Beginn des Vorhofflimmerns nicht mehr als 48 Stunden zurückliegt, kann ohne Antikoagulation kardiovertiert werden. Besteht das Vorhofflimmern länger als 48 Stunden, besteht ein erhöhtes Risiko für thrombembolische Ereignisse. Daher muss mittels TEE (Transösophageale Echokardiografie, „Schluckecho“) ein Vorhofthrombus vor Kardioversion ausgeschlossen werden. Alternativ kann mindestens für drei Wochen vor und vier Wochen nach der Kardioversion eine Antikoagulation durchgeführt werden.[3][4]

Verfahren Erfolgsrate (Sinusrhythmus über 6 Stunden nach Kardioversion)
Elektrische Kardioversion 94-99 %[2]
Flecainid 67-92 %[3]
Propafenon 41-91 %[3]
Ibutilid 50 %[3]
Amiodaron 80-90 %[3]

Die Erfolgsrate der elektrischen Kardioversion kann durch begleitende Gabe von Antiarrhythmika verbessert werden.[3] Um den Langzeiterfolg der Kardioversion zu verbessern, wird häufig zusätzlich eine medikamentöse Langzeittherapie verordnet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c T. Lewalter, L. Lickfett, J.O. Schwab, A. Yang, B. Lüderitz (2007) Notfall Herzrhythmusstörungen. Dtsch. Arztebl. 104(17): A-1172 / B-1045 / C-997 PDF
  2. a b c J. Reisinger, P. Siostrzonek (2005) Kardioversion von Vorhofflimmern und -flattern. J. Kardiol. 12:3-11.
  3. a b c d e f g h A.J. Camm et al. Guidelines for the management of atrial fibrillation. European Heart Journal (2010) 31, 2369–2429. PDF
  4. J.R. Ehrlich, S. H. Hohnloser (2005) Medikamentöse Kardioversion von Vorhofflimmern. Z. Kardiol. 94:14–22.
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