Kettfaden

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Kettfaden (1) und Schussfaden (2)

Die Kettfäden (auch Kette, Zettel, Aufzug, altertümlich Werft[1] genannt) sind die Fäden, die in der Weberei in einem Webstuhl in Längsrichtung aufgespannt werden. Im fertigen Gewebe liegen sie parallel zur Webkante, während die Schussfäden quer dazu verlaufen.

Kettfäden werden in der Vorbereitung des eigentlichen Webvorgangs entweder

  • geschert und dann aufgebäumt, d.h. auf den sogenannten Kettbaum, eine Walze im Webstuhl, aufgewickelt
  • oder gezettelt, geschlichtet und anschließend mehrere Zettelpartien auf einen Kettbaum zusammengefasst.

Jeder einzelne Kettfaden muss durch eine Litze und durch das Webblatt (Riet) geführt werden, bevor er auf dem sogenannten Warenbaum des Webstuhls angebunden werden kann. Beim Weben wächst durch den Eintrag von Schussfäden im rechten Winkel zu den Kettfäden das Gewebe, das auf den walzenförmigen Warenbaum aufgewickelt wird.

Die Art und Weise, wie die Kettfäden durch die Litzen auf verschiedenen Schäften angeordnet werden, bestimmt die Bindung des Gewebes. Sie werden auf unterschiedliche Art angehoben oder abgesenkt, um das Webfach zu bilden. Man spricht von einer Ketthebung, wenn der Kettfaden auf der rechten (oberen) Warenseite über dem Schussfaden, bzw. von Kettsenkung, wenn er darunter liegt.

Kettfäden sind durch die Fachbildung höheren mechanischen Belastungen ausgesetzt als Schussfäden, deshalb werden sie zusätzlich mit Schlichte behandelt, um Fadenbrüchen und starkem Abrieb vorzubeugen. In der Regel ist der Kettfaden dünner als der Schussfaden.

Die Verwendung gefärbter Kett- und/oder Schussfäden ermöglichen farbige Muster, man spricht dann von Buntgewebe.

Bei der Konfektion textiler Waren werden in der Regel Einzelteile so aus dem Gewebe geschnitten, dass ihre längere Seite dem Verlauf der Kette folgt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft. Band 235. Berlin 1856. Stichwort „Weberei“ (Online-Version)