Kiddusch Lewana

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Wacław Koniuszko: Von der Synagoge (Kiddusch Lewana) (polnisch: Powrót z synagogi) (1880), Nationalmuseum Warschau

Kiddusch Lewana (hebräisch ‏קִדּוּשׁ לְבָנָה‎ dt. Mondheiligung, Mondweihe) oder Birkat haLewana (hebräisch ‏בִּרְכַּת הַלְּבָנָה‎; dt. Mondsegen) ist die jüdische Segnung des Neuen Mondes. Sie findet nach dem Monatsanfang des jüdischen Kalenders (Rosch Chodesch) statt, der sich am Zeitpunkt des Neulichts (Moled) orientiert.

Der Zeitpunkt des Kiddusch Lewana wird nach dem Mondkalender bestimmt. Er liegt zwischen dem des vierten Tages nach Neumond, da der neue Mond erst zu diesem Zeitpunkt am Himmel zu erkennen ist, und dem 14. beziehungsweise 15. Tag Monatsmitte, also dem Zeitpunkt, an dem der Mond nicht mehr zunehmend ist.[1] Der gebräuchlichste Termin ist der Motza'ei Shabbat, also der Samstagabend nach Schabbat, wenn der Mond sichtbar ist.[2] Da der Mond sichtbar sein muss und nicht vollständig von Wolken verdeckt sein darf, wird der Neumondsegen an Orten, an denen das Wetter regnerisch ist oder der Himmel oft bewölkt ist, zum ersten möglichen Zeitpunkt, also gegebenenfalls auch vor Motza'ei Shabbat gesprochen.

Im babylonischen Talmud[3] vergleicht Jochanan ben Sakkai den Beter, der den Mondsegen vollzieht, mit jenem, der die Schechina begrüßt. Der Mondsegen wird dort auf Ex 12,2 ELB („Dieser Monat soll für euch der Anfangsmonat sein, er sei euch der erste von den Monaten des Jahres!“) zurückgeführt. Der Mondsegen wird auch nach Ps 89,38 ELB symbolisch auf die Erneuerung des jüdischen Volkes bezogen.

Die Zeremonie wird in der Regel im Freien nach Aufgang des Mondes abgehalten. Aus diesem Grund ist der Segen in den Gebetsbüchern oft in besonders großen Buchstaben[4] abgedruckt oder an der Außenseite der Synagoge[5] zu lesen.

In den Chassidischen Gemeinden ist das Kiddusch Lewana eine Zeremonie für die ganze Gemeinde: „Unter freiem Himmel versammelt sich die Gemeinde - besonders bei den Chassidim wird auf die Gemeinschaft zur Birkat lewana hoher Wert gelegt (...)“[6] oder wenigstens den Minjan. Der Mondsegen kann aber auch an einem Werktag und allein vorgetragen werden: „Nachdem der neue Monat nun begonnen hat, erwartet man in den ersten Tagen das Sichtbarwerden der zunehmenden Mondsichel. Man geht nach Einbruch der Dunkelheit ans Fenster oder hinaus und spricht, wenn man den neuen Mond erblickt, einen Segen über ihn, Birkath haLevanah. (...)“[7]

Im Monat Tischri wird das Kiddusch Lewana je nach Tradition wegen Jom Kippur unterschiedlich gehandhabt: Eigentlich ist der Mondsegen eine freudige Sache, da aber im Tischri zwischen dem Monatsanfang und Jom Kippur die Tage der Umkehr liegen, verschieben einige Gemeinden den Segen bis nach Jom Kippur, während in der Tradition des Gaon von Wilna der Mondsegen als Gebot (Mitzwa) zum frühestmöglichen Zeitpunkt - also vor Jom Kippur - gesprochen werden soll.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. den Kommentar zum Schulchan Aruch (Siman 426) von Israel Meir Kagan: Mischna Berura.
  2. Vgl. z.B. The Koren Siddur, Koren Publishers, Jerusalem 2009, 1232.
  3. Talmud Bavli, Sanhedrin 42a, hebr. e-Text; engl. Übers. von Jacob Shachter (London 1935 / hg. I. Ipstein, Soncino, New York 1959 u.ö.).
  4. Leo Hirsch: Jüdische Glaubenswelt. Bertelsmann, Gütersloh 1966, 109-11. Alois Payer: Judentum als Lebensform, 15. Andere Feste und Fasttage, Fassung vom 26. Februar 1999, Materialien zur Religionswissenschaft, Stichworte: Rosch Chodesch, Neumondstag (Monatsanfang).
  5. Otiyot kiddush levana, Haaretz
  6. Leo Hirsch: Jüdische Glaubenswelt. Bertelsmann, Gütersloh, 1966, 109-111. Alois Payer: Judentum als Lebensform, 15. Andere Feste und Fasttage, Fassung vom 26. Februar 1999, Materialien zur Religionswissenschaft, Stichworte: Rosch Chodesch, Neumondstag (Monatsanfang).
  7. Michael Rosenkranz: Rosch Chodesch – Neumond und Monatsbeginn, talmud.de (abgerufen am 23. März 2014).
  8. Eliyahu Ki Ṭov, Dovid Landesman und Nachman Bulman: The book of our heritage. The Jewish year and its days of significance. Feldheim Publishers, New York 1999, ISBN 0-87306-768-1, S. 240.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald L. Eisenberg: Jewish Traditions. A JPS Guide. Jewish Publication Society, Philadelphia 2004, 168-170.
  • Ron H. Feldman: "On Your New Moons": The Feminist Transformation of the Jewish New Moon Festival, in: Journal of Women & Religion 19 (2001), 26-51. (questia)
  • Abraham Zebi Idelsohn: Jewish Liturgy and Its Development, Henry Holt and Company, New York 1932, 160f.
  • Eliezer Levi: Yesodot ha-Tefillah, Bitan ha-Sefer, Tel Aviv 1947, 2. Aufl. 1952, 302-305.
  • Elie Munk: The World of Prayer. Commentary and Translation of the Siddur, Bd. 2 (Sabbath and Festival Prayers), Feldheim, New York 1963, 94-101.
  • Geela-Rayzel Raphael: Kiddush HaLevana: Santifying the New Moon. In: Susan Berrin (Hg.): Celebrating the New Moon: A Rosh Chodesh Anthology. Rowman & Littlefield, Oxford 1996, 144-150.
  • David M. Rosen, Victoria P. Rosen: New myths and meaning in jewish new moon rituals, in: Ethnology 39/3 (2000), 263ff
  • Rabbi Nosson Scherman (Hg.): The ArtScroll Siddur. Mesorah, Brooklyn 1969.
  • Meir Ydit: Artikel MOON, BLESSING OF THE, in: Encyclopaedia Judaica, 2. Aufl., Bd. 14, 468.