Kieselerde
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Kieselerde ist historisch bedingt ein unscharfer Begriff für Mineralien und Sedimente mit hohem Siliciumgehalt. Ursprünglich bezeichnete man so Mineralien, die sich wegen ihres Quarzgehalts zur Herstellung von Glas eignen [1]. Jedoch werden auch biogen gebildete Sedimente wie Kieselgur [1] [2] als Kieselerde bezeichnet. Es handelt sich hier um Kieselsäureanhydride, also Siliciumdioxide und nicht um Kieselsäuren. Gelegentlich werden auch Alumosilikate wie Kaoline als Kieselerde bezeichnet [1]. Eine Besonderheit ist die Neuburger Kieselerde, die aus Kieselsäure und Kaolinit besteht und als Sediment verwitterten Granitgesteins ausschließlich bei Neuburg an der Donau in Deutschland vorkommt.[3] Der Name Kieselerde leitet sich vom Begriff der Kieselalgen ab, diese besitzen eine siliciumhaltige Zellhülle welche nach ihrem Absterben erhalten bleibt und so die Kieselerde bildet.
[Bearbeiten] Nahrungsergänzungsmittel
Kieselerde wird als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Einige Konsumenten sind der Überzeugung, dass Kieselerde hilfreich für die Bildung von Haut, Haaren, Nägeln, Zähnen, Knochen und (Binde-) Gewebe sei und somit eine kosmetische (Langzeit-)wirkung besitze. Einen wissenschaftlichen Nachweis dazu gibt es jedoch bisher nicht [4]. Die vom Körper benötigte Menge Siliciumdioxid sollte über die normale Ernährung gedeckt sein, sofern diese ausgewogen genug ist. Silicium ist beispielsweise in Kartoffeln oder Vollkornprodukten enthalten.
Untersuchungen des Instituts für Mineralogie der Universität Hamburg und der Bundesanstalt für Materialforschung im Jahr 2007 ergaben, dass von zehn untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln neun kristalline Siliziumdioxide enthielten: Sieben bestanden im Wesentlichen aus Quarz und zwei aus Cristobalit in fein gemahlener Form. [5] Eine Gesundheitsgefährdung bei oraler Aufnahme analog zur Silikose wird derzeit nicht ausgeschlossen.[6] Des Weiteren steht Kieselerde im Verdacht, bei langer Anwendung Nierenschäden zu verursachen.[5] Die Betreiber der Produkte raten in ihrer Artikelbeschreibung von einer dauerhaften Einnahme und einer Überdosierung ab, die Gefahr der Bildung von siliciumhaltigen Nierensteinen hierdurch wird genannt.
Mehrere Landesbehörden, darunter die Verbraucherschutzministerien Baden-Württembergs und Nordrhein-Westfalens prüfen derzeit die Rechtmäßigkeit des Vertriebs der angebotenen Produkte, u. a. wegen des Verdachts der Verbrauchertäuschung.[6]
Als homöopathisches Mittel ist Kieselerde auch unter dem Namen Silicea terra bekannt, Kieselsäure dagegen als Acidum silicium.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ a b c Römpp Lexikon Chemie
- ↑ Meyers Konversationslexikon Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892
- ↑ Microscopy and Analysis 22(5):23-24(EU),2008
- ↑ LIFELINE, Medizin im Internet: Kieselerde: Wirkung nicht belegt
- ↑ a b SWR-Infomarkt vom 29.11.2007
- ↑ a b Plusminus: Schönheitsmittel Kieselerde unter Verdacht vom 06.11.2007

