Cristobalit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Cristobalit
Cristobalite-Fayalite-40048.jpg
Offene und geschlossene Cristobalit-Kugel (weiß) in Obsidian (schwarz)
Größe: 5,9 cm × 3,8 cm × 3,8 cm
Chemische Formel

SiO2

Mineralklasse Oxide
4.DA.15 (8. Auflage: IV/D.01) nach Strunz
75.01.01.01 nach Dana
Kristallsystem tetragonal (α-Cristobalit)
kubisch (β-Cristobalit)
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin tetragonal-trapezoedrisch; 422
kubisch-hexakisoktaedrisch; 4/m32/m
Farbe farblos, weiß, zum Teil gelblich; farblos im Dünnschliff
Strichfarbe weiß
Mohshärte 6,5
Dichte (g/cm3) 2,33
Glanz Glasglanz
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Spaltbarkeit keine
Bruch muschelig
Habitus häufig kugelförmige Aggregate aus kleinen Kristallen;
zum Teil oktaedrische Einkristalle
Häufige Kristallflächen {111}
Zwillingsbildung häufig, Durchdringungszwillinge nach dem Spinell-Gesetz; Verwachsungsebene (111)
Kristalloptik
Brechungsindex n = 1,485 - 1,487
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
Δn = 0,003; negativ (α-Cristobalit)
Optischer Achsenwinkel 2V = k. A.
Pleochroismus nicht bekannt
Weitere Eigenschaften
Phasenumwandlungen Stabil oberhalb 1470 °C, α-Cristobalit metastabil bei Standardbedingungen bis 275 °C, danach Übergang in β-Cristobalit;
Unterhalb 1470 °C Übergang in Tridymit oder Hochquarz (druckabhängig)
Schmelzpunkt 1713 °C
Chemisches Verhalten Unlöslich in Wasser und Säuren,
Ausnahme: Flusssäure (HF)
Gut löslich in Natriumcarbonat-Schmelzen (Na2CO3)
Ähnliche Minerale Quarz, Tridymit, Coesit
Besondere Kennzeichen keine

Cristobalit ist ein eher selten vorkommendes Mineral und eine natürlich auftretende Hochtemperatur-Modifikation des Siliciumdioxids (SiO2). Chemisch betrachtet ist es damit eine kristalline Form des Anhydrids der Kieselsäure. Cristobalit selbst existiert in zwei Modifikationen, tetragonaler α-Cristobalit (Tiefcristobalit) und kubischer β-Cristobalit (Hochcristobalit), die strukturell sehr eng miteinander verwandt sind. Letztere kristallisiert in einer vom Diamant abgeleiteten Struktur und ist damit auch vergleichbar mit der Kristallstruktur der Zinkblende (ZnS).

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Die Erstbeschreibung von Cristobalit geht auf Gerhard vom Rath aus dem Jahr 1884 zurück. Der Name leitet sich von der Typlokalität, in der Nähe von San Cristóbal (Chiapas, Mexiko), ab.[1] Die erste Strukturaufklärung von Cristobalit mit Hilfe der Röntgenbeugung erfolgte 1925.[2]

Klassifikation[Bearbeiten]

Nach der Strunz’schen Systematik, die die Minerale nach ihrer chemischen Zusammensetzung ordnet, wird Cristobalit in der Mineralklasse der Oxide mit einem Stoffmengenverhältnis Metall:Sauerstoff=1:2 eingeordnet und ist dort zusammen mit Coesit, Melanophlogit, Mogánit, Opal, Quarz, Stishovit und Tridymit Mitglied der Quarzgruppe.

Die Systematik von Dana ordnet die Minerale nach ihrer Kristallstruktur und da beide Cristolbalit-Modifikationen aus über alle vier Ecken verknüpften [SiO4]-Tetraedern aufgebaut sind, bei der sich für Silicium eine Koordinationszahl von 4 und für Sauerstoff von 2 ergibt, werden diese nach der Systematik von Dana den Gerüstsilikaten zugeordnet.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Cristobalit existiert in zwei Modifikationen, dem tetragonalen α-Cristobalit (Tiefcristobalit) und dem kubischen β-Cristobalit (Hochcristobalit). Beide Strukturen bestehen aus eckenverknüpften [SiO4]-Tetraedern, die sich nur darin unterscheiden, dass die Tetraeder leicht unterschiedlich zueinander verdreht sind. Die kristallographischen Daten beider Modifikationen sind in der Tabelle angegeben.

Kristallographische Daten für Cristobalit
Modifikation α-Cristobalit[3] β-Cristobalit[4]
Alternativname Tiefcristobalit Hochcristobalit
Kristallsystem tetragonal kubisch
Kristallklasse 422 4/m32/m
Raumgruppe P41212 F41/d32/m
Gitterparameter a = 4,98 Å
c = 6,95 Å
a = 7,17 Å
Zahl der Formeleinheiten (Z) 4 8

Als einzige bisher bekannte Varietät wird der knollig-traubig bis faserig entwickelte Lussatit genannt. [5] [6]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Cristobalit bildet sich bei Temperaturen oberhalb von 1470 °C und liegt bei Standardbedingungen als metastabiler α-Cristobalit vor. Die Tieftemperaturform α-Cristobalit (Tiefcristobalit) wandelt sich bei Temperaturen von ca. 240–275 °C (abhängig von der Reinheit) in die Hochtemperaturform β-Cristobalit (Hochcristobalit) um. Die höhere Symmetrie des β-Cristobalit kommt dabei durch eine gekoppelte Drehschwingung der [SiO4]-Tetraeder zustande, wodurch sich der Bindungswinkel der Si-O-Si-Bindungen von 147° im tetragonalen α-Cristobalit in 180° ändert. Streng genommen ist die höhere Symmetrie nur eine Momentaufnahme der fortdauernden Schwingungen der Tetraeder, die gemittelt die kubische Symmetrie ergibt. Unterhalb von ca. 240 °C frieren die Schwingungen ein und die niedrigere tetragonale Symmetrie ist beobachtbar.

Synthetische Herstellung[Bearbeiten]

Cristobalit wird technisch aus reinem Quarzsand bei hohen Temperaturen hergestellt.

Verwendung[Bearbeiten]

Verwendung als Schmuckstein: Schneeflockenobsidian

Cristobalit zeichnet sich durch seine hohe Weiße aus. Durch die starke Reflexion hat es als Pigment eine sehr hohe Farbsättigung. Es ist nicht so reinweiß wie Titandioxid (Titanweiß), jedoch weitaus leuchtkräftiger.

Es wird vor allem in verschiedener Korngrößen als Pigment und Füllstoff verwendet, Feinmehle < 0,1 mm und Feinstmehle 8–12 µm in Farbmitteln, Grobmehle und Körnung für Wandputz. Cristobalitmehle finden weiterhin in Dentalkeramiken und Dichtstoffen Verwendung.

Obsidiane (vulkanisches Glas) mit eingeschlossenen Cristobalit-Kristallen finden häufig unter dem Handelsnamen Schneeflockenobsidian als Schmucksteine oder in Form kleiner Skulpturen Verwendung.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Füllstoffe, Kremer Pigmente
  2. R. W. G.Wyckoff: The crystal structure of the high temperature form of cristobalite. In: American Journal of Science. Serie 5, Nr. 9, 1925, S. 448–459.
  3. W. A. Dollase: Reinvestigation of the structure of low Cristobalite. In: Zeitschrift fuer Kristallographie, Kristallgeometrie, Kristallphysik, Kristallchemie. Nr. 121, 1965, S. 369–377.
  4. D. R. Peacor: High-temperature single-crystal study of the cristobalite inversion. In: Zeitschrift fuer Kristallographie, Kristallgeometrie, Kristallphysik, Kristallchemie. Nr. 138, 1973, S. 127–220.
  5. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2002, ISBN 3-921656-17-6.
  6. Edition Dörfler: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag, ISBN 3-89555-076-0.

Literatur[Bearbeiten]

  • W. A. Deer, R. A. Howie, J. Zussman: An Introduction to the Rock Forming Minerals. Prentice Hall, Harlow 1992, ISBN 0582300940, S. 457 f. (englisch)
  • U. Müller: Anorganische Strukturchemie. 5. Aufl., Teubner, Stuttgart 2006, ISBN 3-8351-0107-2, S. 184 f.
  • M. Okrusch, S. Matthes: Mineralogie. Springer, Berlin 2005, ISBN 3540238123

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cristobalite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien