Kindernachrichten

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Kindernachrichten sind eine Hörfunk- oder Fernsehsendung für Kinder und Jugendliche, die dem Format der Nachrichtensendung entspricht, aber speziell auf die Bedürfnisse junger Menschen zugeschnitten ist.

Bedarf[Bearbeiten]

„Zugang zu Informationen“ ist nach Art. 17Vorlage:§§/Wartung/alt-URL der UN-Konvention für die Rechte der Kinder ein Grundrecht (Recht auf Information). Umfragen an Kindern zeigen, dass Informationen über tägliche Ereignisse, die sie freiwillig oder unfreiwillig mitbekommen, und deren Hintergründe, einen hohen Stellenwert besitzen. Auch das Bedürfnis, diese zu erklärt zu bekommen und zu verstehen, besteht – und auch die ihren Rechten folgende Forderung an Erwachsene, es ihnen zu erklären. Nach Spannung und Spaß ist Wissenserwerb die Hauptmotivation junger Menschen, fernzusehen.[1] Nach einer Studie von ARD und ZDF 2003[2] erwarten 80 % (acht von zehn) der 6 bis 13-jährigen, „vom Fernsehen auch mal Dinge erklärt zu bekommen, die sie noch nicht wissen“[3], und zwei Drittel möchten durch das Fernsehen auch erfahren, „was sonst so in der Welt passiert“[3].

Eine Sonderanalyse der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus dem Jahr 1987[4] zeigte, dass bei den nachmittäglichen Nachrichtensendungen (ARD, ZDF) an Werktagen die Zuseherbeteiligung der 8 bis 13-jährigen zwischen 3 % und 4 % lag, bei den 19:00 Uhr-Nachrichten bei 7 % (durchschnittlich jeder fünfzehnte Zuseher war unter 13). Dieses für Erwachsene konzipierte Medium der Aufbereitung an Informationen dürfte Grundschul- wie auch ältere Kindern aber ohne ein- und weiterführende, ihrem Wissenstand angepasste Erläuterungen mehr verwirren als aufklären, und zunehmend dazu bringen, Nachrichtensendungen gar nicht mehr wahrzunehmen.[5] Auch vorrangig markt- und unterhaltungsorientierte Sendeformate wie Infotainments bis hin zum Reality-TV gehen mutmaßlich am Informationsbedürfnis vom Kindern vorbei.[6]

Konzept und Format[Bearbeiten]

Die Nachrichtenproduktion für Kinder hat sich vor allem den folgenden Problemen zu stellen:[7]

  • „der Übertragbarkeit oder Nichtübertragbarkeit von Kriterien, die für Erwachsenen-Nachrichtenprogramme verbindlich sind (Objektivität, Vollständigkeit, Aktualität) auf Nachrichtenprogramme für Kinder;
  • dem Verhältnis von Faktenlieferung und anleitend-orientierender Bewusstseinsbildung;
  • dem möglichen Spektrum von Themen und Inhalten, die Kindern angeboten werden können (und müssen);
  • den formalen Merkmalen des Programms, die über das Format, die Bild- und Wortsprache und die Präsentationsart des Angebots entscheiden;
  • der Möglichkeit, die Kinder nicht nur den Status der Konsumenten, sondern auch den der Produzenten einnehmen zu lassen, indem sie in die Programmgestaltung und -realisation integriert werden;
  • der finanziellen und personalen Ausstattung sowie der Einbindung in den (nachrichten-) organisatorischen Zusammenhang der jeweiligen Anstalt.“

Neugier und Interesse für – natürliche und technische – Umwelt und Mitmenschen sind in der Adoleszenzphase selbstverständlich.[8] Heute herrscht in Medienforschung und darauf bezogener Kinderpsychologie die Meinung vor, dass „schwierige, nicht kindgerechte“ Themen nicht nur nicht vermieden werden sollen, sondern zentrale Inhalte einer Wissenssendung für Kinder sein müssen. Kinder beschäftigen Themen wie Katastrophen, Kriege und Verbrechen, und kommende Probleme in Gesellschaft und Umwelt nicht nur,[1] sie bekommen auch mit, dass diese Themen ihre älteren und erwachsenen Bezugspersonen betroffen machen. Als vorrangig wird betrachtet, diese aber in Sprache und Präsentation weder zu verniedlichen, noch übermäßig distanziert darzustellen.[9] Noch mehr als Erwachsene haben Kinder das Bedürfnis, ihre Erlebniswelt mit sich selbst in enge Beziehung zu setzen, und ihr eigenes Rollenbild an ihrem Wissen zu formen und zu messen.[1]

Nach Susanne Müller, der ehemaligen leitenden Redakteurin der ZDF-Kindernachrichtensendung logo!, ist dabei Angemessenheit und gegenseitiger Respekt die Basis der redaktionellen Arbeit:[10]

„Dieses Anbiedernde, eine Erscheinungsform der Kindertümelei, ist etwas vom Schlimmsten für eine Sendung wie logo. Kindertümeln heißt nämlich, Kinder nicht ernst nehmen - und weil die Kinder das merken, nehmen sie umgekehrt eine solche Sendung nicht ernst.“

Beispiele[Bearbeiten]

Beispiele für eine Kindernachrichtensendung in Deutschland sind neben logo! des ZDF die Sendungen neuneinhalb im Ersten und Minitz (SWR).

Literatur[Bearbeiten]

  •  Uwe Mattusch: Nachrichten im Kinderprogramm. In: Hans Dieter Erlinger u.a. (Hrsg.): Handbuch des Kinderfernsehens. 2. Auflage. UVK Medien, Konstanz 1998, ISBN 9783896692467, S. 307–320 (PDF-Dokument, mediaculture-online.de, abgerufen am 8. September 2014).
  •  Heike vom Orde: Kinder, Jugendliche und Fernsehnachrichten. Eine Zusammenfassung zentraler Forschungsergebnisse. In: Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen, IZI (Hrsg.): TelevIZIon. 24, Nr. 2, 2011, S. 25–28 (pdf, www.izi.de, abgerufen am 16. Dezember 2013).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Gerlinde Schumacher: Fernsehsendungen mit Wissenswertem für Kinder. Ein Überblick über Angebot und Nutzung von Wissenssendungen für Kinder. In: Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen, IZI (Hrsg.): TelevIZIon. 17, Nr. 1, 2004, S. 10–15 (pdf, 2 MB, abgerufen am 16. Dezember 2008).
  2.  Gerlinde v. Frey-Vor, Gerlinde Schumacher (Hrsg.): Kinder und Medien 2003/2004. Nomos, 2006, ISBN 978-3-8329-1927-6 (Schriftenreihe Media Perspektiven 18; Studie der ARD/ZDF-Medienkommission). Zit. n.  Schumacher: Fernsehsendungen. 2004, Einführung, S. 1.
  3. a b Zitat  Schumacher: Fernsehsendungen. 2004, S. 1.
  4. Zit. nach Lit.  Mattusch: Nachrichten im Kinderprogramm. 1998, Kindernachrichten heute.
  5.  Bernd Peter Arnold: Overnewsed but underinformed. In: Medien-Concret. Januar 1994, S. 20–23. Zit. n. Lit.  Mattusch: Nachrichten im Kinderprogramm. 1998, Kindernachrichten heute.
  6.  Mattusch: Nachrichten im Kinderprogramm. 1998, Kindernachrichten heute.
  7. Zit. und Anm. Lit.  Mattusch: Nachrichten im Kinderprogramm. 1998, Forderungen für Kindernachrichten.
  8.  Helga Theunert, Susanne Eggert: Was wollen Kinder wissen? Angebot und Nachfrage auf dem Markt der Informationsprogramme. In: Markus Schächter (Hrsg.): Reiche Kindheit aus zweiter Hand? Medienkinder zwischen Fernsehen und Internet. Medienpädagogische Tagung des ZDF 2000, KoPaed, München 2001, S. 47–62.
  9.  Begleitforschung zur ZDF-Nachrichtensendung für Kinder "logo". Konzeption und erste Ergebnisse. In: Media-Perspektiven. Nr. 7, 1989, S. 436–442.
  10.  Susanne Müller: logo - Kinder wollen ernst genommen werden. In: ZDF Jahrbuch. Nr. 7, 1989, S. 144–147 (Zitat S. 146f., zit. n. Lit.  Mattusch: Nachrichten im Kinderprogramm. 1998, Formale Aspekte von Kindernachrichten.).