Kirchspiel Langhennersdorf

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Das Kirchspiel Langhennersdorf bzw. die Kirchgemeinde Langhennersdorf des Kirchenbezirkes Freiberg in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, mit ca. 900 Gemeindemitgliedern, umfasst die Dörfer Bräunsdorf, Langhennersdorf, Reichenbach und Seifersdorf. Gebäude der Gemeinde sind die Kapelle in Reichenbach und die Kirche St. Nikolai zu Langhennersdorf. Darüber hinaus werden, seit 1996, Gottesdienste im Huthaus der Neuen Hoffnung Gottes Fundgrube zu Bräunsdorf abgehalten. Die Kapelle in Bräunsdorf wird hingegen nicht mehr genutzt. Pfarrer ist seit September 2005 Marko Mitzscherling (* 1962).

Kirche St. Nikolai[Bearbeiten]

Wendelinkapelle zu Langhennersdorf

Die Nikolaikirche Langhennersdorf setzt sich aus mehreren, zu verschiedenen Zeiten entstandenen, Gebäuden zusammen. Ursprünglich existierte seit dem 14. Jahrhundert die gotische Wendelinkapelle, welche heute eines der ältesten, erhaltenen Gebäude im ehemaligen Landkreis Freiberg ist. Diese ist nach der heiligen Walpurgis, auch als Wendilpurgis bezeichnet, benannt. Bis zur Reformation befand sich auch eine Reliquie der Heiligen in Langhennersdorf, welche als das Wunder von Langhennersdorf bekannt wurde. Der Sage nach zweifelte der damalige Geistliche von Langhennersdorf an der Echtheit der Reliquie. Danach verwuchs bei einer Berührung seine Hand mit dem Kästchen. Erst nach vielen Bußgebeten ließ es wieder von der Hand ab.

Neben der Wendelinkapelle stand separat der spätromanische Kirch- bzw. Wehrturm, während die Kapelle einen eigenen Dachreiter mit Glocke besaß. 1530 wurde die Hauptkirche errichtet, doch erst im 18. Jahrhundert wurde die Kapelle vollständig mit der Kirche verbunden. Die Kirche selbst zeichnet sich besonders durch ihren Taufstein aus dem Jahre 1560, den Säulenaltar von 1722, mit einer Kopie des Bildes Christus beim Abendmahl nach Carlo Dolci, 1842 geschaffen von August Lincke, und die Orgel, ebenfalls aus dem Jahr 1722, aus. Die Orgel wurde von Zacharias Hildebrandt, einem Schüler Gottfried Silbermanns erschaffen. Zur Kirche gehört darüber hinaus auch ein recht großer Pfarrhof von 1781, bestehend aus Pfarrhaus, Kantorat, Substitutenhaus, zahlreichen Wirtschaftsgebäuden und ca. 20 ha Land.

Kapelle Bräunsdorf[Bearbeiten]

Die Kapelle Bräunsdorf ließ Romanus Teller im Jahre 1722, als Dank für den reichen Bergsegen der Bräunsdorfer Gruben, im barocken Stil errichten. Der Bau kostete damals 200 Thaler und in das als Bethaus bezeichnete Gebäude wurde auch eine öffentliche Schule integriert. Hauptkirchgebäude blieb jedoch stets die Kirche Langhennersdorf, so fanden in Bräunsdorf Gottesdienste nur viermal jährlich sonntags und an den Bußtagen statt. Jeden Sonntag wurde jedoch eine Nachmittagsbetstunde gegeben.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verfiel die Kapelle zusehends, 1809 entstand darüber hinaus Schaden durch Blitzschlag. Der damalige Gutsbesitzer v. Kleefeld plante daraufhin einen Umbau zu einem Fabrikgebäude, konnte seine Pläne jedoch wegen Geldmangel nicht verwirklichen. Mit der Übernahme des Rittergutes durch das Königreich Sachsen und der Einrichtung der Landeswaisenanstalt 1824, wurde das Kirchgebäude dann zur Anstaltskirche, betreut durch zwei Geistliche, und der Verantwortung der Landeskirche entzogen. Gottesdienste für die Einwohner Bräunsdorfes, durch den Pfarrer aus Langhennersdorf, fanden nur noch vereinzelt statt, doch blieb die öffentliche Schule bis 1910 im Gebäude und auch die Nachmittagsgebetsstunden wurden weiterhin gehalten. Die Kapelle wurde 1824 durch den Staat Sachsen umfassend saniert und umgebaut, erhielt 1826 eine Orgel und konnte 1905 um einen Turm im historistischen Stil erweitert werden, welcher im Jahre 2004 auf Grund von Baufälligkeit wieder abgetragen wurde.

Heute zeigt sich die unter Denkmalschutz stehende Kapelle in einem sehr desolaten Zustand, sie wurde jedoch im Mai 2007 unter großer regionalmedialer Aufmerksamkeit versteigert. Als Besonderheit ist der Aufbau des Gebäudes einzuschätzen, befinden sich doch die Lehr- und Wohnräume im Erdgeschoß und der Kirchenraum im ersten Stockwerk. Zusätzlich sind die hohen Rundbogenfenster und der Kanzelaltar mit einer Abendmahlsdarstellung von Lucas Cranach d. J. aus dem 16. Jhr. von Bedeutung.

Kapelle Reichenbach[Bearbeiten]

Kapelle Reichenbach

Die Kapelle Reichenbach, oft auch als Kirche Reichenbach bezeichnet, wurde 1728 als Bethaus erbaut und in den Jahren 1929 und 2003 umfassend saniert. In ihrer Form stellt sie eine schlichte protestantische Saalkirche mit Krüppelwalmdach und Dachreiter dar. Die Orgel stammt aus dem Jahre 1929. Auch in der Kapelle Reichenbach fanden Gottesdienste, durch den Pfarrer aus Langhennersdorf, viermal jährlich und an Bußtagen statt und es wurden regelmäßig sonntägliche Nachmittagsbetstunden gehalten. Heute finden regelmäßig, fast jeden Sonntag, Gottesdienste statt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Freiberger Land (= Werte unserer Heimat. Band 47). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1988.
  • G. Dehio (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bd. Sachsen II Regierungsbezirk Leipzig und Chemnitz; 2. Auflage; Deutscher Kunstbuchverlag; Berlin 1998; 1188 S.
  • Augustus Hermannus Königsdörffer: Verwüstung der Kirchfahrt Langhennersdorf bei Freiberg im dreißigjährigen Kriege und ihre Wiederherstellung, Freiberg 1879 (Digitalisat)
  • Augustus Hermannus Königsdörffer: Memorabilia der Kirchfahrt Langhennersdorf bei Freiberg aus dem 16. und 17. Jahrhundert, in Franz Dibelius und Gotthard Lechler (Hrsg.): Beiträge zur Sächsischen Kirchengeschichte, Zweites Heft, S. 54 - 85, Leipzig 1883
  • P. Müller: Die Parochie Bräunsdorf. in: G. Buchwald (Hrsg.): Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Freiberg. Strauch Verlag, Leipzig 1901, Sp. 485–488 (Digitalisat)
  • J. G. Preußer, M. Kaupisch: Langhennersdorf mit Bräunsdorf, Reichenbach und Seifersdorf. In: Sachsens Kirchengalerie 1 Bd. Schmidt Verlag, Dresden 1838, S. 197–202
  • O. Voigt: Die Parochie Langhennersdorf. In: G. Buchwald (Hrsg.): Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Freiberg. Strauch Verlag, Leipzig 1901, Sp. 299–324 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]