Kirkpatrick Macmillan

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Kirkpatrick Macmillan (* 2. September 1812 in Keir, Dumfries and Galloway, Schottland; † 23. Januar 1878 ebenda) war ein schottischer Schmied und „Velozipedist“, dem lange die Erfindung des Hinterradantriebs beim Fahrrad zugeschrieben wurde.

Sein Neffe James Johnston, ein reicher Getreidehändler und „Tricyclist“, initiierte Ende der 1880er Jahre zusammen mit patriotischen Redakteuren eine große Kampagne mit dem Ziel, „dass meinem Heimatland von Dumfries die Ehre des Geburtsorts der Erfindung des Fahrrads gebührt“ – worunter er ein Zweirad mit Hinterrad-Antrieb verstand, denn das Gompertz-Veloziped mit Vorderradantrieb gab es schon seit 1821, vierspurige Fahrzeuge mit Hinterradantrieb hatte Karl Drais bereits 1814 entwickelt, drei Jahre vor Erfindung seiner berühmten „Laufmaschine“. Aufgrund der Kampagne glaubten viele, das „erste richtige“ Fahrrad sei in Schottland erfunden worden. In der Folge fand Macmillan fand auch Eingang in Enzyklopädien.

McCalls erstes (oben) und verbessertes Veloziped aus dem English Mechanic 1869 – später auf Macmillan vordatiert

Einziger zeitgenössischer Beleg war jedoch eine Zeitungsnotiz im Glasgow Argus vom 9. Juni 1842, die sowohl den Namen des Betroffenen offenließ als auch, ob es überhaupt um ein Zweirad ging: „Gestern wurde ein Gentleman aus Dumfriesshire zur Gendarmerie von Gorbals gebracht, der wegen Reitens mit einem Veloziped, Verstopfung des Weges und Überfahren eines Kindes angeklagt war.“ Zur fraglichen Zeit um 1842 war Macmillan jedoch nicht in der Familienschmiede Courthill tätig, sondern Gießereiarbeiter in Glasgow. Alastair Dodds vom National Museum of Scotland stellte 150 Jahre später fest, dass aufgrund früheren Standesdenkens ein Arbeiter nicht als Gentleman bezeichnet worden wäre. Zum Begriff „Veloziped“ bemerkte David Herlihy 2004, dass zur Zeit der Dreiräder („Tricycles“) und Vierräder („Quadricycles“) ein Zweirad sicher aufgefallen und besonders erwähnt worden wäre. Darüber hinaus unterschlug Johnston den Rest der Meldung: „Es bewegte sich auf Rädern, die mittels einer Kurbel mit der Hand(!) gedreht wurden“. Stangen, die auf das Hinterrad wirken, wurden also nicht erwähnt.

Gesichert durch Abbildungen im English Mechanic von 1869 sind hingegen die Stangenvelozipede von Thomas McCall, die wie alle anderen eine Reaktion auf das Michaux-Kurbelveloziped waren. McCall fertigte später auf Geheiß Johnstons Nachbauten, die als Macmillans Geisteskinder ausgestellt wurden. Wahrscheinlich brauchte McCall das Geld und unterdrückte daher seinen Stolz.

Literatur[Bearbeiten]

  • David Gordon Wilson: Bicycling Science. 3rd ed., 2004, S. 12 f.
  • David V. Herlihy: Bicycle – The History. 2004, S. 65 ff.
  • Alastair Dodds: Tagungsbericht 3. ICHC. Neckarsulm 1992
  • Nicholas Oddy: Proceedings 1st. ICHC, Glasgow 1990, S. 24 ff.