Kloster Manasija

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Kloster Manasija

Manastir Manasija

Manastir Resava
Außenansicht des Klosters Manasija

Außenansicht des Klosters Manasija

Daten
Ort Nahe Jagodina und Despotovac
Baujahr 1407–1418
Höhe 25 m
Koordinaten 44° 6′ 3″ N, 21° 28′ 11″ O44.10083333333321.469722222222Koordinaten: 44° 6′ 3″ N, 21° 28′ 11″ O
Außenansicht der Wehrmauern

Das zumeist Kloster Manasija (jedoch ist der eigentliche Name des Klosters Resava) genannte Wehrkloster der Serbisch-Orthodoxen Kirche liegt in den Homolje-Bergen nahe der zentralserbischen Städte Jagodina und Despotovac in einem kleinen Seitental der Morava. Es war als Grablege des serbischen Despoten Stefan Lazarević vorgesehen. Nachdem lange Zeit angenommen wurde, dass dieser hier nie begraben wurde, konnte die sterblichen Überreste des Despoten während archäologischer Ausgrabungen 2006 in der Klosterkirche ausfindig gemacht werden.[1]

Manasija bildet als Ensemble das Hauptwerk der spätmittelalterlichen serbischen Kunst. Es ist in seiner Konzeption als „ideale Stadt“ in einer Interpretation biblischer Vorstellungen geplant worden.[2] Diese symbolische Rolle als Abbild des „Himmlischen Jerusalems“ bestimmte allgemein das vom religiösen Denken geprägte Idealbild in der Gründung spätmittelalterlicher serbischer Kloster- und Stadtgründungen, dessen ausgereifteste Variante in Manasija verwirklicht wurde.[3]

Grundaufbau[Bearbeiten]

Das Kloster ist von einer starken Doppelmauer mit 12 Türmen umgeben. Diese Wehranlage gilt als die vollendetste in Serbien im Mittelalter. Als eingzige serbische Festung wurden die Wehrtürme mit kleinen Balkonen, sogenannten Maschikuli, ausgestattet. Insgesamt 139 Maschikuli waren für die Verteidigung eingerichtet. Der Hauptverteidigungsturm der Anlage, der große Donjon, gilt als größter Einzelturm der mittelalterlichen serbischen Wehrarchitektur und ist einer der größten Wehrtürme der Balkanhalbinsel.

Innerhalb der so umwehrten Anlage, in der sich neben der monumentalen Marmorkirche, noch das bis heute größte bekannte öffentliche mittelalterliche Gebäude auf dem Territorium Serbiens, die Speiseräume des Klosters, finden,[4] stand Resava insbesondere mit der Etablierung der vom Humanismus geprägten sogenannten Resava-Schreibschule unter Konstantin Kostenecki als wichtigstem Exponat serbischer literarischer Tätigkeit in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts im den anderen serbischen Klöstern und Kulturzentren vor.

Das Katholikon ist im Inneren mit künstlerisch herausragenden Fresken ausgemalt, die stilistisch zu den Höchstleistungen der spätbyzantinischen Kunst zählen.[5]

Der Kloster steht zurzeit auf der vorläufigen UNESCO-Liste des Weltkulturerbes und man bemüht sich, das Kloster in die Liste des Welterbes der Menschheit aufzunehmen.[6]

Baugeschichte und Chronik[Bearbeiten]

Stifterporträt von Stefan Lazarević mit Darstellung des Klosters Manasija 1407–1418

Die größte und in vielfältiger Weise beeindruckendste Kirche, die in Serbien vor der osmanischen Eroberung gebaut wurde, ist die Dreifaltigkeitskirche von Manasija. Das Kloster mit der Kirche wurde von Despot Stefan Lazarević, Herrscher Serbiens zwischen 1389 und 1427, gegründet. Die Kirche selbst wurde von 1407 bis 1418 fertiggestellt. Sie bildete das Modell der Hauptstiftung seines Vaters nach, jedoch übertraf Stefan Lazarevićs Gründung diese in vielen unterschiedlichen Aspekten. Manasija, wie auch das Ravanica, sollte das Mausoleum seines Erbauers werden. Der gleich Bauplan kam zur Anwendung, doch wurde Manasija deutlich größer und erreicht 14,5 m Breite (18,5 m mit den Apsiden) und 34,5 m Länge.

Nach Aussagen von Konstantin Kostenecki hatte der Despot vor, ein großartiges Gebäude zu errichten:

„Er rekrutierte dafür die bedeutendsten Bauherren und talentiertesten Freskenmaler, und suchte Sie dafür auch auf den Inseln“

Konstantin Kostenecki: Vita des Despoten (Житије деспота Стефана Лазаревића)[7]

Der große, viereckige Narthex wurde wie derjenige im Kloster Ravanica bei osmanischen Brandschatzungen, von denen sich die erste 1439 ereignete, zerstört. Die Kirche besaß große Glocken, die ebenso bei einer weiteren Brandschatzung 1476 verloren gingen. Der heutige Narthex zeigt zwar den gleichen Grundriss wie der ursprüngliche, jedoch stammt der Aufbau aus einer Restaurierung im 19. Jahrhundert. Ob der Narthex ursprünglich einen Glockenturm besaß, ist nicht geklärt. Nur der mit geometrischen Marmoreinlagen verzierte Boden im Narthex ist heute noch in seiner ursprünglichen Form erhalten. Der Hauptteil des Kirchengebäudes ist substanziell aber bis heute in seiner Originalausführung überliefert.

Nachdem Manasija 1444 an Đurađ Branković zurückgefallen war, eroberte Sultan Mehmed II. Fatih die Stadt im Gefolge der Belgrader Kampagne 1456. Nachdem die Osmanen vor Belgrad zurückgeschlagen wurden, verließen sie auch das strategisch wichtige Manasija. Am 10. Mai 1458 wurde Manasija schließlich an Mehmed-Pascha Anđelković übergeben. Während der osmanischen Herrschaft war im Kloster eine kleinere türkische Militäreinheit stationiert. 1689 erobern die Österreicher die Klosteranlage. Zu dieser Zeit hatte Manasija jedoch schon jegliche strategische Bedeutung verloren. Von 1718 bis 1739 unterhielten die Österreicher eine Militäreinheit in der Festung. Außerhalb der eigentlichen Klosteranlage errichteten sie dafür eine Kaserne.

Von 1806 bis 1810 wurde das verlassene und teilverfallene Kloster unter einer Apanage von Karađorđe erstmals erneuert. 1832 verweilte Knez Miloš Obrenović im Kloster. 1844–1845 wurde die baufällige Dachkonstruktion repariert. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts begann durch die Erneuerung der Mönchszellen auch wieder ein reges monastisches Leben. 1857 spendet die russische Zarin Marija Alexandrowna dteser Mönchsgemeinschaft ein vergoldetes Evangelium.

Anlage[Bearbeiten]

Plan der Klosteranlage

In der fast ovalen Ausführung der Anlage war als generelles Baukonzept serbischer Klöster seit dem Ende des 12. Jahrhunderts gebräuchlich. Dieser wurde hier auch als einem Abbild des „himmlischen Jerusalem“ eine symbolische Bedeutung beigemessen. Diese etablierte Form der monastischen Anlagen wurde in der Ausführung bei der Errichtung des Klosters Manasija in ein mächtiges christliches Bollwerk transformiert, mit einem System hoher Mauern und dem Herausragen von elf massiven Türmen. Ein niederer Wall umfriest die Hauptmauer und ein breiter Graben liegt vor den Verteidigungswällen.

Zwei der Wehrtürme sind oktogonal, der Rest rechteckig ausgeführt. Alle bis auf einen sind nach Innen hin offen gebaut, einer Praxis, die für serbische mittelalterliche Wehrbauten typisch ist. Der Komplex wird durch ein einziges Tor auf der Westseite, das von zwei Türmen flankiert wird, betreten. Ein solcherart doppeltürmiges Tor war in der späten byzantinischen Kultur unbekannt, während dies im Westen häufige Anwendung fand.[8] Die Möglichkeit, das dies einem Konzept westlicher Militärarchitektur geschuldet ist, ist ebenso wie eine mögliche symbolischen Rolle als Stadttor zum „Himmlischen Jerusalem“ Gegenstand der Forschung zur Baugeschichte Manasijas.[9]

Der niedrigere äußere Wall umgibt den ganzen Komplex und erhöht die Effektivität der Verteidigungsanlagen. Dominiert wird die Festung von einem einzelnen massiven Turm, dem Donjon, einem Meisterwerk der Militärarchitektur. Mit einer Grundfläche von 14,6 m × 14,6 m (20 m × 20 m am Grund der geböschten Basis) besitzt dieser sieben Stockwerke und ist 35 m hoch. Als solcher stellt er einen der größten befestigten Türme der Balkanhalbinsel dar. Das vorletzte Stockwerk ist mit einem System von auskragenden Maschikuli ausgestattet, einem weiteren aus dem Westen importierten Verteidigungskonzept, dass in der serbischen Militär-Architektur wohl erstmals hier zum Einsatz kam.

Katholikon[Bearbeiten]

Dreifaltigkeitskirche im Kloster Manasija

Die aufwendige Fünfkuppelkirche ist als Dreikonchenanlage ein Typus der Morava-Schule. Die Marmorverkleidung lässt Anklänge an frühere Königsgräber der Nemanjiden erkennen (Kloster Visoki Dečani, Kloster Studenica). Als direkte Vorbilder der fünfkuppeligen Kreuzkirche haben das Kloster Ravanica bei Ćuprija und das Erzengelkloster bei Prizren gedient.

Der Plan der Kirche wiederholt das Schema von Ravanica in einer etwas größeren Variante. Der zentrale, überkuppelte Raum ist, wie in Ravanica, durch vier große zylindrische Säulen definiert, von denen jede vier diagonale schmale Kolonetten trägt. Die Kuppel misst 4,5 m im Durchmesser und erhebt sich auf 21 m. Sie unterstreicht den vorherrschenden Wunsch eine vertikale Akzentuierung. Dies wird in den vier Eckkuppeln nochmals verstärkt, deren schmale, hohe Silhouette die äußere Wirkung im vertikalen Höhendrang unterstreicht.

Die größte Überraschung der architektonischen Wirkung der Kirche beruht auf der hellen Marmorfassade. Sie ist aus feingeschnittenen Steinblöcken beschaffen, denen praktisch jede skulpturale Dekoration fehlt. Die generelle stilistische Impression gleicht daher mehr einer romanischen Kirche als der einer byzantinischen.[10]

Fresken[Bearbeiten]

Wie allgemein alle byzantinischen Kirchen wurden die Innenwände des Katholikons mit bildlichen Szenen aus dem Neuen und Alten Testament ausgemalt. Nach Vojislav Đurić sind die Fresken stilistisch mit kontemporären Arbeiten in Thessaloniki verbunden und eine Ausbildung der Maler Manasijas in diesem wichtigen byzantinischen Kunstzentrum am wahrscheinlichsten. Nachdem Thessaloniki Ende des 14. Jahrhunderts das erste Mal unter osmanische Herrschaft gefallen war, emigrierten viele Künstler und deren Malerwerkstätten in das serbische Despotat. Hier entfalteten sich in der neuen Umgebung neue Impulse in der Ikonographie, die im Volumen und Dekor der dargestellten Figuren, der Harmonie der farblichen Gestaltung der Flächen, dem Typus der dargestellten Heiligen und einer allgemeinen Wiederbelebung des künstlerischen Erbes durch Perfektionierung und Komplettierung der Malkunst der Freskenmalerei Manasijas einen stärker poetischen Charakter gaben.

Das Malprogram Manasijas ist insbesondere in den aristokratischen und ritterlichen Szenen durch kühle Harmonie und weihevolle Darstellung gekennzeichnet. Die Heiligen Krieger sowie das Stifterporträt sind dabei die bekanntesten Darstellungen. Die Qualität der Malerei Manasijas gehört zu den Höhepunkten der spätbyzantinischen Kunst und ist mit den zeitgleichen Malprogrammen in Russland (Andrei Rubljow), Griechenland (Mystras) sowie in Serbien (Kalenić) ein Hauptwerk des 15. Jahrhunderts.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Manasija – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Republički zavod za zaštitu spomenika kulture - Beograd, Radovi u toku - Manastir Resava (Manasija)
  2. Svetozar Radojčić, 1971: Ideja savršenog gradu u u državi kneza Lazara i despota Stefana Lazareviča (pdf, 906 kB)
  3. Slobodan Ćurčić, 2010: Architectur in the Balkans - from Diocletian to Süleyman the Magnificent. S. 634, Yale University Press, New Haven and London. ISBN 978-0-300-11570-3
  4. Vecernje Novosti, 22. Juni 2012 Manasija otkrivena najveca manastirska pec
  5. Vojislav Djurić, 1972: La peinture murale de Resava - ses origines et sa place dans la peinture Byzantine. In: Vojislav Djurić (edt.): Морвска школа и нјено доба. 277-291, Filosofski Fakultet, Belgrad 1972.
  6. Vecernje Novosti, 27. Mai 2012 Unesko ceka Manasiju
  7. Vojislav Djurić, ibid. S. 278
  8. Slobodan Ćurčić, S. 634
  9. ibid. Slobodan Ćurčić
  10. Slobodan Ćurčić, S. 680.
  11. Vojislav Djurić, ibid. S. 290.