Narthex

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Narthex im Kirchenbau. Zu weiteren Bedeutungen siehe Narthex (Begriffsklärung).
Die Vorzeichen (Architektur) und Narthex überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Chris2001 11:50, 11. Jan. 2010 (CET)
Grundriss der Chora-Kirche, mit innerem und äußerem Narthex.
Altchristliche Basilika mit Narthex und vorgelagertem Atrium
Exonarthex der Klosterkirche des Rilaklosters in Bulgarien

Der Narthex ist eine Vorhalle am Haupteingang einer Kirche. Bei altchristlichen und mittelalterlichen Basiliken kann auch der von Säulenhallen umgebene Vorhof als Narthex bezeichnet werden.[1]

Etymologie[Bearbeiten]

Dem Wort Narthex liegt das altgriechische Wort νάρθηξ (narthēx) zugrunde. Es bedeutet eigentlich Rute. Weshalb sich der Begriff auf eine Bauform übertrug, ist nicht ganz klar. Eventuell stammt er ursprünglich von einer mit Ruten umzäunten Rennbahn.[2]

Begriff[Bearbeiten]

Mit Narthex bezeichnet man einen in altchristlichen und byzantinischen Basiliken über die ganze Breitseite reichenden schmalen Vorraum in Form einer eingeschossigen Vorhalle, die mit dem Kirchenschiff durch Bogenstellungen verbunden ist. Der Narthex führt in den Naos, den Gemeinderaum. Befindet sich der Raum innerhalb des Kirchenbaues, spricht man vom Esonarthex, ist er außerhalb der Fassade angelegt, wird er als Exonarthex bezeichnet.

Diese Bauform kommt in einzelnen Fällen auch im Westen vor,[3] wo sie teilweise auch mit den Begriffen Vorhalle, Atrium, Paradies oder Galiläa bezeichnet wird. Eigentlich ist das Atrium der viereckige Vorhof (vergleichbar dem Kreuzgang des mittelalterlichen Klosters), der Narthex jedoch nur die schmale Querhalle vor der Fassade der Kirche. Er ist meist an der Westseite der Kirche angelegt und dient u. a. für Taufzeremonien (wenn kein Baptisterium vorhanden ist), für Beichten und bei schlechtem Wetter früher auch für Trauungen.

In der typischen romanischen Basilika[4], wie auch in der gotischen Kathedrale[5] wird die Vorhalle jedoch nicht als Narthex bezeichnet.

In der armenischen Kloster-Architektur entwickelte sich mit dem Gawit (Schamatun) eine eigenständige Variante des Narthex. Im Osmanischen Reich wurden die Kirchengebäude aus byzantinischer Zeit überwiegend zu Moscheen umgewidmet. Dadurch änderte sich die Gebetsrichtung von Osten nach Süden. In architektonischer Entsprechung zu einem Narthex erhielten osmanische Moscheen vor der Nordwand einen erweiterten offenen Betsaal, der türkisch son cemaat yeri genannt wird.

Herkunft[Bearbeiten]

Der Narthex taucht im frühen Christentum zum ersten Mal in der römischen Lateranbasilika als quergestellte Vorhalle auf. Dieser Typ geht auf Konstantin zurück, der in den Jahren 313–319 in Rom die erste große christliche Versammlungshalle, die Basilika am Lateranspalast, erbauen ließ.

Ein solcher Prostylos ist in seiner Form der Überrest eines einstmaligen großen Vorhofes, einer Empfangshalle, in der oft ein Cantharus stand für die rituellen Waschungen, die man vor dem Eintritt in die Kirche vollziehen musste. Solche rituellen Waschungen gibt es heute noch im Islam. Später wurde aus dem großen Vorhof diese verkürzte Form der Vorhalle.

Verwendungszweck[Bearbeiten]

Mit Sicherheit hatte der Narthex eine liturgische Aufgabe, wenn auch andere Verwendungsmöglichkeiten nicht auszuschließen sind: zum Beispiel nächtliches Refugium zu Zeiten großer Pilgerströme zu sein, eine „Kirche der Katechumenen“, der Taufbewerber, oder eine „Kirche der Büßer“, die zeitweilig von der Feier der Sakramente ausgeschlossen waren.[6] Gewiss feierte man in diesem Vorraum Exorzismen, Wiederversöhnung der Büßer und Zeremonien, die der Taufe vorausgingen.

Galiläa[Bearbeiten]

Die Dokumente des 12. Jahrhunderts nennen den Narthex, der an die eigentliche Mönchskirche angrenzt, Galiläa. Die Bezeichnung leitet sich von der Liturgie der damaligen Zeit her, bei der eine große Prozession den damaligen Gottesdiensten vorausging. Sie vollzog den Weg der Apostel, die sich nach Galiläa begaben, wo sie den Auferstandenen sehen sollten, symbolisch nach. Die Station vor dem eigentlichen Gottesdienst umfasste auch einen Reinigungsritus; er wurde in der Galiläa gefeiert. „Ich werde euch nach Galiläa vorausgehen“, dieses Wort Jesu an Petrus (Mt 26,32 EU) wird so gedeutet, dass Galiläa eine Stätte des Durchgangs ist; denn der Erlöser hat den Durchgang vom Leiden zur Auferstehung, vom Tod zum Leben vollzogen.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilfried Koch: Baustilkunde. Das Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. Gütersloh 2009, S. 470.
  2. Koepf/Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Kröner, Stuttgart 2005. ISBN 3-520-19404-X, S. 339.
  3. Koepf/Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Kröner, Stuttgart 2005. ISBN 3-520-19404-X, S. 340.
  4. Koepf/Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Kröner, Stuttgart 2005. ISBN 3-520-19404-X, S. 536.
  5. Koepf/Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Kröner, Stuttgart 2005. ISBN 3-520-19404-X, S. 540.
  6. Vergleiche die Offenbarung des Johannes 11,2 LUT: „Den Hof, der außerhalb des Tempels liegt, lass aus und miss ihn nicht; denn er ist den Heiden überlassen. Sie werden die heilige Stadt zertreten, zweiundvierzig Monate lang.“
  7. Hugues Delautre, Jacqueline Gréal: La Madeleine de Vezelay. Führer und Pläne; Lyon 1985, S. 9.