Kloster Paulinzella

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Das Kloster Paulinzella ist ein ehemaliges Benediktiner(innen)kloster in Paulinzella im Rottenbachtal in Thüringen. Die Ruine der Klosterkirche gehört zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Der Ursprung Paulinzellas liegt in einer Einsiedelei, welche zwischen 1102 und 1105 von der sächsischen Adligen Paulina gegründet wurde. Paulina soll Tochter des Truchsessen Moricho vom Hofe des Königs Heinrich IV. gewesen sein. Die Gründung des ursprünglich Marienzelle genannten Klosters in der frühen fränkischen Siedlungszeit geht einer Legende nach auf einen Reiseunfall Paulinas in dem zuvor angelegenen Waldtal zurück. 1106 begannen die Arbeiten am Klosterkomplex. 1107 trat das Kloster der Hirsauer Kongregation bei. 1124 wurde die Klosterkirche, die nach dem Vorbild der Klosterkirche in Hirsau errichtet worden war, geweiht. Das Kloster erreichte rasch reichen Besitz. 19 Dörfer befanden sich im Eigentum des Klosters, an 52 anderen Orten besaß das Kloster weitere Güter, Rechte besaß das Kloster insgesamt an über 100 Orten. Schon der dritte amtierende Abt erhielt 1195 vom Mainzer Erzbischof die Inful verliehen. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts war Paulinzella ein Doppel-, dann nur noch Mönchskloster. Während der Bauernkriege wurde das Kloster geplündert und im Verlauf der Reformation 1542 aufgehoben. Der frühere Klosterbesitz kam 1547 an die Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Diese errichteten das aus sieben Orten bestehende Amt Paulinzella, das 1803 um das Amt Ehrenstein vergrößert, aber 1851 dem Amt Stadtilm eingegliedert wurde.

Nach der Aufhebung des Klosters begann ein allmählicher Verfall der gesamten Klosteranlage, die man auch zur Gewinnung von Sandsteinen für Bauzwecke als Steinbruch benutzte. Nach 1600 brannte die gesamte Anlage aus und verkam völlig zur Ruine. 1680 fand eine Erneuerung von Teilen der Klosteranlage statt. Im 18. Jahrhundert entstand dort auch ein Jagdschloss der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Ab dem späten 18. Jahrhundert begann man mit behutsamen Sicherungsmaßnahmen an der inzwischen von Vertretern der Romantik geschätzten Klosterruine. Die um die Ruine liegende Ansiedlung wurde im 19. Jahrhundert zur Gemeinde Paulinzella erhoben.

[Bearbeiten] Bedeutung für Romanik und Romantik

Kloster Paulinzella nimmt sowohl für die Romanik als auch die Romantik eine bedeutende Stellung ein.

Als romanisches Kirchenbauwerk zählte die Klosterkirchenruine aus dem 12. Jahrhundert schon zu den bedeutendsten Baudenkmälern der einstigen DDR und wurde auf der Zentralen Denkmalliste geführt. Da die Kirche nach dem Vorbild der Hirsauer Kirche erbaut worden war, hat sie seit der völligen Zerstörung der Hirsauer Kirche 1692 große Bedeutung als Beispiel der Hirsauer Reformbewegung im Kirchenbau erlangt.

Um 1800 erlangte die Ruine eine besondere Bedeutung durch eine romantische Hinwendung zur Vergangenheit, die eng mit dem erwachenden deutschen Nationalgefühl verbunden war. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren tief beeindruckt von den malerischen Resten der verfallenen Klosteranlage.

Das lange Zeit Friedrich Schiller zugeschriebene Gedicht wurde am 26. August 1810 von A. E. Hermann verfasst :

Einsam stehn des öden Tempels Säulen,
Efeu rankt am unverschlossnem Tor.
Sang und Klang verstummt, des Uhus Heulen
schallet nun im eingestürztem Chor.
Weg sind Prunk und alle Herrlichkeiten,
schon enteilt im langen Strom der Zeiten
Bischofsring und Siegel, Ring und Stab,
in der Vorwelt ewig offnes Grab.
Nichts ist bleibend, alles eilt von hinnen,
Jammer und erhörter Liebe Glück;
unser Streben, unser Hoffen, Sinnen,
wichtig nur für einen Augenblick.
Was im Lenz wir liebevoll umfassen,
sehen wir im Herbste schon verblassen,
und der Schöpfung altes Meisterstück
sinkt veraltet in den Staub zurück.

[Bearbeiten] Museum

Im Jagdschloss der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt gibt es das Museum zur Kloster-, Forst- und Jagdgeschichte. Die Klosterruine selbst ist das ganze Jahr jederzeit kostenlos zu besichtigen

[Bearbeiten] Literatur

  • Horst H. Müller: Thüringer Wald und Randgebiete, Tourist Verlag, Berlin 1977, S. 527–530
  • Dennis Buchert: Das Kloster Paulinzella. Grin Verlag, München/Ravensburg 2008, ISBN 3640233247

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Paulinzella – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

50.702511.104444444444Koordinaten: 50° 42′ 9″ N, 11° 6′ 16″ O

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