Krakau (Sachsen)

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Krakau (obersorbisch Krakow) war ein Markt in der Amtshauptmannschaft Kamenz (heute Landkreis Bautzen) in Sachsen. Es befand sich an der Pulsnitz in der Krakauischen Heide nordwestlich von Königsbrück.

1938 wurde der Ort wegen der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Königsbrück geräumt und nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1248. Das ursprüngliche Straßendorf mit einem Rittergut wurde zwischen Königsbrück und Ortrand an einer Furt durch die Pulsnitz, die die Grenze zwischen der Oberlausitz und der Markgrafschaft Meißen darstellte, errichtet und befand sich überwiegend auf der Meißner Seite.

Jedoch bestand auch eine kleinere Ansiedlung auf Oberlausitzer Seite, die früher Krakau im Königreiche oder auch das Königreich (nach dem Königreich Böhmen) genannt wurde.

1510 wurde der Ort als Marktflecken und seit 1547 als Städtlein bezeichnet. Am 16. August 1651 gestattete Kurfürst Johann Georg I. die Errichtung einer örtlichen Handwerksinnung. 1732 ließ der Kurfürst eine Distanzsäule in Krakau errichten, deren beschädigtes Originalwappenstück im Stadtmuseum Dresden erhalten blieb.

Im Dreißigjährigen Krieg brannte 1637 das Pfarrhaus ab. 1742 brannte das Königreich fast vollständig nieder. 1746 brannte das Herrenhaus auf der Oberlausitzer Seite nieder, wobei das Feuer auf die Meißner Seite übergriff und zahlreiche Gebäude, das Pfarrhaus mit seiner Bibliothek und den Kirchenbüchern vernichtete und mehrere Menschenleben forderte. Im 19. Jahrhundert wurde Krakau wieder zum Marktflecken.

In die seit 1539 bestehende Pfarrkirche waren auch die kursächsischen Nachbarorte Bohra, Zochau, Röhrsdorf und Sella, sowie nach 1635 auch die Oberlausitzer Dörfer Steinborn, Zietsch, Otterschütz und Quosdorf eingepfarrt. Der Altar stammte von 1441 und wurde von Bischof Augustin von Meißen geweiht. Erst 1798 erhielt die Kirche ihren Turm.

Das Rittergut Krakau hatte folgende Besitzer:

Am 1. April 1938 wurde der Ort im Zuge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Königsbrück geräumt. Einige Einwohner wurden in die Dörfer Tauscha, Sacka und Dallwitz umgesiedelt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer kurzen Wiederbesiedlung des Ortes durch Umsiedler. Jedoch veranlassten die sowjetischen Truppen eine sofortige Räumung, um den Übungsplatz weiter zu nutzen. Der Ort wurde zerstört.

Krakau hatte 1834 380 Einwohner, 1890 waren es 430 und 1938 478 Einwohner.

In den 1990er Jahren entstand im Ort Röhrsdorf ein kleiner Fachwerkbau mit den Krakauer Glocken. Eine angebrachte Gedenktafel erinnert an acht Dörfer des Kirchenspiels Krakau, die 1907 und 1938 dem Truppenübungsplatz weichen mussten.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Krakau. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 5. Band, Zwickau 1818, S. 119–123.
  • Cornelius Gurlitt: Krakau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 35. Heft: Amtshauptmannschaft Kamenz (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1912, S. 121.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Röhrsdorf. In: Großenhainer Pflege (= Werte der deutschen Heimat. Band 70). 1. Auflage. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2008, ISBN 978-3-412-09706-6, S. 195., Kirchenspiel Krakau im Text.

51.31301666666713.855433333333Koordinaten: 51° 19′ N, 13° 51′ O