Stadtmuseum Dresden

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Das Landhaus Dresden, der Sitz des Stadtmuseums

Das Stadtmuseum Dresden ist das zentrale Stadt- und Heimatmuseum der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Thema seiner Sammlungen und Ausstellungen ist die über 800-jährige Geschichte der Stadt. Es ist das größte und wichtigste der städtischen Museen Dresdens.

Gemeinsam mit der Städtischen Galerie, die sich nach 2000 als kommunales Kunstmuseum von ihm abspaltete, befindet sich das Stadtmuseum im Landhaus.

Gebäude und Umgebung[Bearbeiten]

Das Domizil des Dresdner Stadtmuseums ist das Landhaus. Es wurde zwischen 1770 und 1776 nach Plänen von Friedrich August Krubsacius in einer Stilmischung aus Barock, Rokoko und Klassizismus errichtet. Seinen Namen verdankt es seiner Funktion als Sitz der Landstände und von 1832 bis 1907 des Sächsischen Landtages bis zu dessen Umzug ins Sächsische Ständehaus. Das Landhaus befindet sich am Ostrand der Inneren Altstadt zwischen Wilsdruffer und Landhausstraße. Dabei liegt es zwischen dem Neumarkt und dem Pirnaischen Platz. Das Polizeipräsidium mit dem Polizeimuseum Dresden ist direkt benachbart; in der näheren Umgebung stehen unter anderem die Frauenkirche und das Kurländer Palais. Andere Dresdner Museen in der Nähe sind das Museum Festung Dresden sowie die Museen im Albertinum.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Ölgemälde über den Dresdner Maiaufstand, ausgestellt im Stadtmuseum

Die Dauerausstellung des Stadtmuseums thematisiert verschiedene Aspekte der Dresdner Stadtgeschichte, darunter die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. In vier Sälen stellt das Museum mehr als 1000 Exponate zur Schau. Die Gesamtfläche der Ausstellungen beträgt über 1.800 Quadratmeter und erstreckt sich über mehrere Etagen, 20 Medienstationen informieren zusätzlich über den Werdegang Dresdens innerhalb der letzten acht Jahrhunderte und werden durch vielfältige museumspädagogische Angebote ergänzt.

Ausgestellt sind unter anderem drei historische Stadtmodelle, das älteste Dresdner Stadtsiegel von 1309, die Büsten aus der Busmannkapelle der Sophienkirche sowie Dokumente und Gegenstände von der Zerstörung der Stadt durch die anglo-amerikanischen Luftangriffe auf Dresden 1945. Die Besucher können außerdem einen ca. 10 Meter × 6 Meter großen begehbaren Luftbildfußboden der Stadt Dresden sowie ein 2 Meter × 1,50 Meter großes Reliefmodell des Dresdner Elbtales erleben.

Neben der Dauerausstellung zur Geschichte Dresdens werden Sonderausstellungen zur Schau gestellt. Themen waren unter anderem die Werke Willy Pritsches, Elfriede Lohse-Wächtlers und Horst Jockuschs. Seit 2005 wird im Stadtmuseum eine große Sonderausstellung zur Geschichte der Frauenkirche unter besonderer Beachtung von deren Wiederaufbau gezeigt. Gegen Jahresende präsentiert das Stadtmuseum regelmäßig seine Sonderausstellung „Weihnachten im Landhaus“. Der repräsentative Festsaal wird für Vorträge und andere Veranstaltungen genutzt.

Sammlungen[Bearbeiten]

Das Landhaus, davor die Wilsdruffer Straße

Nicht nur die Schausammlung des Museums ist für Dresden bedeutend, sondern auch die Studiensammlung, die die Grundlage für das Stadtmuseum als Forschungsstätte bildet. Die wissenschaftliche Sammlung ist recht vielfältig und umfasst Stücke aus den Bereichen Kultur, Alltag und Geschichte Dresdens. Sie lässt sich in mehrere Hauptbestandsgruppen untergliedern.

Die mit Abstand größte Gruppe stellen die Fotografien und Postkarten mit etwa 200.000 Objekten. Die Schwerpunkte der Sammlungstätigkeit in diesem Bereich liegen auf Stadtansichten, stadtgeschichtlichen Ereignissen, Porträts von Dresdner Persönlichkeiten und Arbeiten Dresdner Fotografen, unter anderem August Kotzschs. Die Sammlung enthält Daguerreotypien, Ferrotypien und andere Zeugnisse alter fotografischer Verfahren sowie mehrere Komplettnachlässe verstorbener Sammler. Hierbei ragen die mehrere 1.000 Objekte umfassenden Altbestände mit Aufnahmen des Dresdner Stadtbilds und Dresdner Persönlichkeiten von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis etwa 1930 heraus.

Die Gegenständlichen Sammlungen beinhalten etwa 30.000 Objekte in 29 Teilbestandsgruppen. Sie beinhalten Einrichtungs- und Haushaltsgegenstände, Kleidung, Militaria, Musikinstrumente, Spielwaren, Medaillen und Münzen, Maschinen und Gerätschaften sowie kunstgewerbliche Objekte. Bedeutende Bestandteile dieser Gruppe sind auch Spezialsammlungen wie beispielsweise die 1951 erworbene Schmiedeeisensammlung Kühnscherf mit ihren insgesamt 1.708 Kunstschmiedearbeiten. Ferner finden sich in der Sammlung Gedenktafeln und Grabmäler, zum Beispiel von Caspar Voigt von Wierandt, Melchior Trost und Giovanni Maria Nosseni, sowie der Kopf der Germania, deren von Robert Henze geschaffenes Denkmal sich bis zu seiner politisch motivierten Zerstörung 1949 auf dem nahen Dresdner Altmarkt befand.

Eine weitere große Bestandsgruppe macht die Kunstsammlung mit ihren etwa 25.000 Einzelobjekten aus, darunter Werke von Christian Gottlob Hammer, Friedrich Pappermann, Oskar von Alvensleben und Ludwig Richter, dem das Museum sogar ein eigenes Gedenkzimmer widmete. Die Kunstsammlung gehört jedoch faktisch zur Städtischen Galerie. Andere Hauptbestandsgruppen der Sammlung des Dresdner Stadtmuseums sind Plakate, Dokumente und Schriftgut sowie Landkarten und Stadtpläne.

Die Museumsbibliothek verfügt über 15.000 Bände, die ältesten unter ihnen sind aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist in zwei Hauptbestandsgruppen gegliedert, in denen Werke über Dresden im weitesten Sinne beziehungsweise andere Werke gesammelt werden. Einen großen Anteil an den Dresdner Werken haben die jährlichen Adressbücher der Stadt und ihrer Vororte ab 1809 bis 1844. Gesammelt werden vordergründig Werke über die Landes- und Stadtgeschichte, insbesondere Rechts-, Militär- und Polizeigeschichte, Vereinsleben, Schulwesen, theologische Literatur, Kulturgeschichte u. v. m. Sondersammlungen der Bibliothek sind die Bestände des ehemaligen Körner-Museums mit Literatur von Theodor Körner sowie aus dem Freundeskreis von dessen Vater Christian Gottfried Körner, darunter Friedrich Schiller und Ernst Moritz Arndt.

Im Jahr 2011 errichtete die Opernsängerin Clementine von Schuch, Enkelin des bedeutenden Dresdner Dirigenten Ernst von Schuch (1847–1914) und seiner Ehefrau, der Kammersängerin Clementine von Schuch-Proska (1850–1932), zusammen mit zwei Cousinen die Familienstiftung Ernst Edler von Schuch, die Erbstücke ihrer bedeutenden Großeltern aus deren Schaffenszeit dem Stadtmuseum Dresden überreichte. Den ersten 30 Exponaten, darunter der elfenbeinerne Taktstock des Dirigenten, der während der Ära Schuch von 1872 bis 1914 die musikalischen Geschicke der Semperoper bestimmte, sollen in den nächsten Jahren weitere Stücke folgen. Im Jahr 2014 soll damit zum 100. Todestag von Schuchs im Stadtmuseum eine Sonderschau gezeigt werden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Neue Rathaus war bis 1945 Sitz des Stadtmuseums.

Das Stadtmuseum Dresden wurde 1891 auf Initiative des Ratsarchivars Otto Richter gegründet. Es war Ausdruck einer bewussten bürgerlichen Abgrenzung von den Königlichen Kunstsammlungen. Den Grundstock seiner Sammlung bildeten ortsgeschichtliche Objekte aus den Beständen des Ratsarchivs, des 1869 gegründeten Vereins für Geschichte und Topographie Dresdens sowie der 1879 gegründeten Stadtbibliothek. Bis 1919 stand es mit dem Ratsarchiv und der Stadtbibliothek auch unter einer gemeinsamen Leitung und Verwaltung.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Stadtmuseum mit Körner- und Schilling-Museum zu den Städtischen Sammlungen zusammengefasst. In den 1920er Jahren begann der Aufbau einer Abteilung neuzeitlicher Kunst. Außerdem gehörte damals ein kleines Heimatmuseum in Leuben zum Stadtmuseum. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das Stadtmuseum im Neuen Rathaus untergebracht. Im Zuge der Luftangriffe auf Dresden 1945 wurde dieses Domizil und mit ihm das Museum zerstört, die Hälfte des Bestands des Stadtmuseums wurde zuvor durch Auslagerung gerettet, die andere Hälfte verbrannte oder ging durch anschließende Plünderungen verloren.

Nach Kriegsende diente die Bienertsche Villa in der Würzburger Straße 46 als Zwischenlösung, befand sich jedoch in schlechtem Zustand. Im Jahre 1950 bezogen die Städtischen Sammlungen einige Räume in der damaligen Stadthalle in der Albertstadt. Am 16. Januar 1951 wurde Franz Zapf zum Museumsdirektor und leitete den kontinuierlichen Wiederaufbau seines Bestands ein. Bereits ab dem 10. Mai 1951 konnte die Ausstellung „Das Stadtbild Dresdens“ gezeigt werden. Ende 1951 begründete die Ausstellung „Weihnachtsstimmung in den Städtischen Sammlungen“ die bis heute weitergeführte traditionelle Sonderausstellung „Weihnachten im Landhaus“. Weitere Ausstellungen in dieser Zeit waren 1952 die „Dresdner Dokumente zur Arbeiterbewegung“ im Lichthof des Rathauses, 1953 „Vom Dorf zur Stadt“ in der damaligen Stadthalle sowie Ausstellungen im Gedenken an Ludwig Richter ebenfalls 1953 und Martin Andersen Nexö 1955.

Im Landhaus ist das Stadtmuseum seit 1966 untergebracht.

Das neugegründete „Museum der Dresdner Arbeiterbewegung“ wurde 1957 zu einer Abteilung der Städtischen Sammlungen, wodurch in deren Bestände verstärkt politik- und wirtschaftsgeschichtliche Objekte Eingang fanden. Die Wiedergründung des Stadtmuseums erfolgte im Januar 1966 unter dem Namen „Institut und Museum für Geschichte der Stadt Dresden“. Im August 1966 bezog es mit seiner ersten Ausstellung sein heutiges Domizil, das Landhaus. Aus einer Sonderausstellung entwickelte sich ab 1968 die Sondersammlung zur Geschichte der Feuerwehr.[2] Die Dauerausstellung mit über 400 Objekten wechselte im Rahmen des Umbaus und der Sanierung des Landhauses in die Technischen Sammlungen. Im Jahre 1977 wurde der sogenannte Sophienschatz aus dem Museum gestohlen, was eine der größten Fahndungsaktionen der DDR zur Folge hatte. Im Jahr 1986 fand man einen ersten Teil einer Kette, weitere 38 Objekte tauchten 1999 in Oslo auf [3] und konnten 2005 zurückerworben werden. Ein weiterer Anhänger einer Kette wurde 2002 in Hannover identifiziert und 2006 an das Museum zurückgegeben. 17 Objekte sind weiterhin verschollen.[4]

Seit 1990 heißt das Museum wieder „Stadtmuseum Dresden“. Nach der Wende wurde Matthias Griebel am 1. September 1990 zum Direktor des Dresdner Stadtmuseums berufen. Diese Stelle hatte er bis zum 5. März 2002 inne. In den 12 Jahren seiner Amtszeit konnte Griebel den Bestand des Stadtmuseums erheblich ausbauen. Ebenfalls 2002 wurde die Städtische Galerie Dresden gegründet und übernahm den Kunstbestand des Stadtmuseums mit etwa 1.700 Gemälden, 800 plastischen Arbeiten und mehr als 20.000 Grafiken, die aus der Zeit vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart stammen.

Anschließend war das Stadtmuseum mehrere Monate geschlossen, da das Landhaus modernisiert wurde. Seit dem 2006 begangenen 800-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung Dresdens ist es wieder geöffnet und zeigt seither seine große Dauerausstellung zur Geschichte Dresdens.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Das Stadtmuseum Dresden im Landhaus. Dresden 1996. (Museumsführer)
  • Museum für Geschichte der Stadt Dresden. In: Manfred Bachmann und Hans Prescher (Hrsg.): Museen in Dresden. Leipzig 1991, S. 174–180.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stadtmuseum Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Ein Taktstock aus Elfenbein fürs Stadtmuseum. Mit dem Nachlass des Hofkapellmeisters Ernst Edel von Schuch schreibt das Stadtmuseum ein neues Kapitel Musikgeschichte., abgerufen am 11. Juli 2012.
  2. Bibliothek des Stadtmuseums. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa (Fabian-Handbuch)
  3. ZDF
  4. Angaben lt. Informationen auf Schautafeln im Stadtmuseum Dresden.

51.05013333333313.742991666667Koordinaten: 51° 3′ 0″ N, 13° 44′ 35″ O