Kriechöl

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Kriech­öl mit fes­tem Schmier­mit­tel­zu­satz (MoS2) in Sprüh­fla­sche

Als Kriechöl, entsprechend den jeweiligen Marktführern im deutschsprachigen Raum umgangssprachlich auch als Caramba und in den USA als WD-40 bezeichnet, wird ein dünnflüssiges Öl mit geringer Oberflächenspannung und wasserverdrängenden Eigenschaften bezeichnet. Es besteht in der Regel hauptsächlich aus Petroleum.

Häufig wird dem Kriechöl für eine längerfristige Wirkung, v. a. bei den höheren Temperaturen in Verbrennungsmotoren, noch ein festes Schmiermittel wie MoS2 oder Graphit zugesetzt. Zur dauerhaften Schmierung bewegter Teile sind Kriechöle aufgrund ihrer niedrigen Viskosität und relativ schneller Verdrängung ungeeignet.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Kriechöle haben ihren Namen von ihrer Eigenschaft, durch die Kapillarwirkung auch entgegen der Schwerkraft in feinste Ritzen einzudringen und dabei Verschmutzungen, Oxide und Feuchtigkeit zu unterwandern. Durch die schnelle Verteilung sowie die schmierende und wasserverdrängende Wirkung ist Kriechöl in der Lage z. B. anscheinend festgerostete Schrauben kurzfristig wieder gangbar zu machen. Zusätzlich bewirkt es einen einfachen Korrosionsschutz.

Kontaktspray[Bearbeiten]

Kontaktsprays gehören zu den Kriechölen und werden zur Verdrängung von Feuchtigkeit auf Teilen einer Zündanlage verwendet, wodurch der Strom des Zündfunkens erhöht wird.[1] Weiterhin dienen Kontaktsprays der Schmierung, dem Korrosionsschutz, dem Lösen festsitzender Verbindungen und der Geräuschminderung von quietschenden Verbindungen.[1] Kontaktsprays bestehen aus dünnflüssigen Mineralölen mit korrosionshemmenden und oberflächenaktiven Zusätzen.[1]

Rostlöser[Bearbeiten]

Rostlöser sind meistens Kriechöle, welche vorwiegend bei Reparaturen als Hilfsstoff verwendet werden, um festsitzende Schrauben und korrodierte Metallverbindungen zu lösen. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass jedes Kontaktspray auch als Rostlöser einsetzbar ist, jedoch nicht umgekehrt. Hierbei erfolgt jedoch keine Lösung, sondern die Rostpartikel werden im Kriechöl suspendiert. Zur Lösung von Rost werden teilweise verdünnte Säuren wie verdünnte Phosphorsäure oder Chelatoren über einen kurzen Zeitraum angewendet und anschließend wieder unter fließendem Wasser abgespült, da sonst langfristig eine verstärkte Korrosion auftritt. Anschließend erfolgt meistens eine erneute Beschichtung mit einem Mineralöl, um dadurch die Oxidation zu mindern.

Schmierstoffeigenschaften[Bearbeiten]

Die Schmierstoffeigenschaften von Kriechölen sind gegenüber Substanzen, die für Schmierungen optimiert sind, eher gering. Dies ist vorrangig in der geringen Oberflächenspannung und der für andere Zwecke erwünschten Kriechfähigkeit begründet. Die Kriechfähigkeit führt regelmäßig zu einem Abwandern des Öles von der Schmierstelle, auch mit der Folge, dass das Kriechöl "überall" wieder zu finden ist und dann für eine optimale Schmierung in nicht ausreichender Menge an einer Schmierstelle vorhanden ist. Ein zu schmierendes Lager wird dadurch innerhalb kurzer Zeit trocken laufen, auch da evtl. vorhandene Reste der ursprünglichen Schmierung durch den Einsatz des Kriechöls ausgewaschen wurden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Wilfried J. Bartz, Hans-Jürgen Blanke: Expert Praxislexikon Tribologie Plus: 2010 Begriffe für Studium und Beruf. Expert verlag, 2000. ISBN 9783816906919. S. 416.