Kriegshammer

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Kriegshammer
Indo-Persian war hammer.jpg
Angaben
Waffenart: Streithammer
Bezeichnungen: Schlachthammer, Kriegshammer, Marteau d'armes
Verwendung: Kriegswaffe, Fußtruppen, Reitertruppen
Entstehungszeit: ca. 11. Jahrhundert
Einsatzzeit: bis aktuell
Ursprungsregion/
Urheber:
Deutschland
Verbreitung: Europa, Nordafrika, Naher Osten
Gewicht: ca. 3 kg - 14 kg
Griffstück: Holz, Metall, ca. 150 cm,
Besonderheiten: heute nur noch als Deko- bzw. als Paradewaffe
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Ein Kriegshammer (oder auch Streithammer) ist ein im Kampf verwendeter langstieliger Hammer. Er wurde bis ins 15. und 16. Jahrhundert in ganz Europa und auch im Nahen Osten verwendet und ist dazu gedacht, Rüstungen zu deformieren oder zu zerbrechen. Einige Versionen dieser Schlagwaffe sind mit Hammerköpfen ausgestattet, die den Körper penetrieren können.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Streithammer diente dazu, einen Gegner trotz Rüstung zu verwunden. Dabei bot der Hammer grundsätzlich zwei Möglichkeiten: entweder konnte mit dem flachen Hammerkopf durch die Übertragung enormer Wucht die Rüstung eingedellt (bzw. einem ungerüsteten Menschen schlicht die Knochen gebrochen) werden, oder sie wurde mit dem Schlagdorn durchstoßen. Im ersten Fall konnte ein schwer gepanzerter Gegner zwar mit Ausnahme von Kopftreffern[1] nicht unbedingt gleich getötet werden, aber die stark eingedellte Rüstung nahm ihm Atem oder schränkte seine Beweglichkeit massiv ein. Zudem wurden oft Knochen und Rippen gebrochen, selbst wenn die Rüstung nicht durchdrungen wurde. Beim Durchstoßen mit dem Schlagdorn drang dieser je nach Größe der Waffe mehrere Zentimeter tief in den Körper ein und führte zu massiven Verletzungen. Zahlreiche Versuche aus neuerer Zeit haben belegt, dass auch ein dicker Plattenpanzer hier nur wenig Schutz bot. Der Schlagdorn war meist nach unten gebogen und bot so die zusätzliche Möglichkeit, den Gegner umzureißen, nachdem man den Schlagdorn in ihm „verhakt“ hatte. Diese Variante des Einsatzes setzte sich durch, da hier kein so hoher Kraftaufwand vonnöten war. Schlagdorne waren so auch bei anderen Waffen wie Hellebarden zu finden.

Streithämmer für Reiter hatten einen ca. 50 cm langen Schaft, an dem gegenüber der Hammerfläche noch ein nach unten gekrümmter Haken befestigt war. Für den Kampf zu Fuß gab es neben dieser einhändigen auch eine zweihändig zu führende Variante. Diese Waffen hatten eine Schaftlänge zwischen 150 und 200 cm und waren zusätzlich mit einer langen Eisenspitze ausgestattet. Im 16. Jahrhundert wurde der zweite Streithammer-Typ fast nur noch bei Turnieren oder von den Leibgarden bestimmter Herrscher verwendet. Der Streithammer für Reiter hielt sich bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts, wurde dann aber nur noch als Statussymbol von den Offizieren von Husareneinheiten benutzt.

Der effektive Einsatz eines Streit- bzw. Kriegshammers setzte große körperliche Kraft voraus. Entwickelt wurde die Waffe aus dem gewöhnlichen Hammer. So wurden diese Waffen ursprünglich auch von Bauern verwendet, z. B. bei den Bauernaufständen Anfang des 15. Jahrhunderts.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schädel eines Gefallenen aus der Schlacht von Towton (1461), der von einem Kriegshammer/Mordaxt eingeschlagen wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • André Schulze (Hrsg.): Mittelalterliche Kampfesweisen. Band 2: Der Kriegshammer, Schild und Kolben. Talhoffers Fechtbuch anno domini 1467. von Zabern, Mainz 2007, ISBN 978-3-8053-3736-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kriegshammer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien