Löffel (Musikinstrument)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Löffel sind ein paarweise verwendetes Perkussionsinstrument aus der Gruppe der Gegenschlagidiophone, die überwiegend in der Volksmusik und zur Tanzbegleitung verwendet werden. Ihr Klang ist dem von Kastagnetten ähnlich.

Spieltechnik[Bearbeiten]

Zum Spielen benutzt man entweder zwei Löffel, die zwischen den Fingern der einen Hand eingeklemmt werden. Mit Hilfe der anderen Hand werden die Löffel gegeneinander geschlagen. Es existieren jedoch auch andere Spieltechniken. Andere Löffelspieler benutzen zwei Löffelpaare gleichzeitig, indem sie das eine Paar in der rechten und das andere Paar in der linken Hand halten und die Löffel gegen die Oberschenkel oder andere Körperteile schlagen. Bei der traditionellen russischen Musik werden meistens drei Löffel benutzt, wobei ein Löffel gegen zwei andere geschlagen wird.

Klang[Bearbeiten]

Der Klang der Löffel hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen bestimmt das Material, aus dem die Löffel hergestellt sind, die klanglichen Eigenschaften. Die Metalllöffel klingen härter und heller als die Holzlöffel. Bei den Holzlöffeln ist die Holzart für den Klang mitentscheidend. Zum anderen hängt der Klang von der Technik des Spielers ab. So kann man vor allem bei den Holzlöffeln einen hellen und offenen oder einen dunklen und gedämpften Klang erzeugen. Auch die Löffelgröße bestimmt den klanglichen Charakter.

Verbreitung[Bearbeiten]

Löffel als Musikinstrument sind in der russischen Volksmusik unter dem Namen Loschki (Russisch: Ло́жки) verbreitet. Dort wurden sie bereits im 18. Jahrhundert von den Bauern zur Begleitung von Gesang benutzt. Dabei wurden die Löffel meist bei den Festmählern zweckentfremdet und aus der Laune heraus als Perkussion benutzt. Ab dem 19. Jahrhundert fertigte man extra fürs Musizieren vorgesehene Löffel an. Diese fanden Verwendung in den folkloristischen Gesangs- und Instrumentalensembles Russlands.

In der ländlichen türkischen Volksmusik werden Löffel (kaşık) aus Holz meist paarweise in jeder Hand zur Tanzbegleitung gespielt, teilweise als einziges Rhythmusinstrument oder in Verbindung mit der Rahmentrommel davul. Holzlöffel kommen schwerpunktmäßig im westlichen Zentralanatolien zum Einsatz und gelegentlich bei den an der Ägäisküste verbreiteten Zeybek-Tänzen. Aus der städtischen türkischen Unterhaltungsmusik sind Löffel heute verschwunden. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert waren Löffel verbreitet, deren türkischer Name çarpara vom persischen chahār para („vier Teile“) abstammte. In persischen Quellen sind chahār para seit dem 12. Jahrhundert abgebildet, deren Form und Funktion etwa den indischen karatāla (abgeleitet von den antiken crotales), den türkischen Derwisch-Klappern chalpara oder den qarāqib im Maghreb entsprechen.[1]

Löffel findet man außerdem in der amerikanischen Volksmusik. Im indonesischen Gamelan wird ein kemanak genanntes löffelähnliches Schlagidiophon aus Bronze verwendet. Manche kemanaks haben eine stark nach innen gebogene Form und werden daher zu den Schlitztrommeln gezählt.

In der alpenländischen Volksmusik (Alpenländisches Löffelschlagen) oder etwa bei der Löffelpolka werden Löffel verwendet. Es gibt spezielle Musiklöffel aus Holz, die am Griffende miteinander verbunden sind und entweder selbst hergestellt oder im Musikalienhandel gekauft werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dorit Klebe: Löffeltänze aus Silifke. Silifke Kaşik Oyunlari. Beiheft zum Film (Reihe Arbeitspapiere). Pädagogisches Zentrum, Berlin 1985

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Laurence Picken: Folk Musical Instruments of Turkey. Oxford University Press, London 1975, S. 7–10, 15f