Langstock

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Dieser Artikel als Sprachausgabe.
Dieser Artikel behandelt den Langstock als Blindenhilfsmittel. Für den in der Kampfkunst verwendeten Langstock, siehe .
Einteiliger Langstock

Der Weiße Langstock, einfach auch Blindenstock genannt, befähigt Menschen, die blind oder stark sehbehindert sind, sicher, selbständig und effektiv mobil und orientiert zu sein. Voraussetzung für einen sicheren und erfolgreichen Umgang mit dem Weißen Langstock ist der Erwerb dieser Fertigkeiten in einem so genannten Orientierungs- und Mobilitätstraining (O&M) . Überdies ist der Weiße Langstock ein optisches Erkennungsmerkmal, das Sehenden signalisiert, Rücksicht zu nehmen.

Arbeitsweise[Bearbeiten]

Mit Hilfe des Langstockes können Bodenbeschaffenheit, Bordsteine, Treppen, Hindernisse oder Unebenheiten am Boden oder ein Blindenleitsystem erkannt werden. Das schützt den Benutzer vor Stürzen, Unfällen und Kollision mit Hindernissen. Der Benutzer findet so außerdem ihm bereits bekannte Orientierungspunkte und findet sich so in seiner Umwelt zurecht. Der Benutzer kann sich ein dreidimensionales Bild von der unmittelbaren Umwelt machen, indem er Objekte abtastet. So lässt sich die lichte Weite und die Höhe von Durchgängen, die Position von Fahrzeugen, die Höhe von Bordsteinen und Absätzen, Informationen über Steigungen und Gefälle und über die Materialien gewinnen. Ein Kunststoffmantel an der Spitze soll Beschädigungen des Stocks und der berührten Objekte minimieren und harten Aufprall auf Metall mildern. Es gibt verschiedene Benutzertechniken:

  • Mit der Pendeltechnik wird der Gehweg in einem bestimmten Rhythmus fächerartig auf Hindernisse und Schlaglöcher abgetastet, gleichzeitig der Abstand vom Bordstein und von Gebäuden festgestellt. Jede Pendelbewegung korreliert mit einem Schritt, wobei jeder Schritt an eine Stelle kommt, die zuvor vom Stock überstrichen wurde. Die Pendelbewegung signalisiert außerdem anderen Fußgängern einen drohenden Zusammenstoß, so dass sie rechtzeitig aus dem Weg gehen oder sich akustisch mit dem Benutzer verständigen können.
  • Die Schleiftechnik ist eine Abwandlung der Pendeltechnik als Suchtechnik, wobei der Benutzer kleinere Schritte macht. Mit der Schleiftechnik bleibt der Stock auf dem Boden und schleift ihn fächerförmig ab. Die Schrittlänge bestimmt dabei die Größe des Suchrasters. Diese Technik verwendet der Benutzer, wenn er einen ganz bestimmten kleinen oder schwer erkennbaren Orientierungspunkt am Boden finden will, einen feinen Übergang zwischen zwei Bodenbelägen oder ein Blindenleitsystem.
  • Mit der Doppelpunkttechnik führt der Benutzer zum normalen Pendelschlag noch einen zusätzlichen Pendelschlag zu einer Seite aus. Diese Technik ist eine Suchtechnik vor allem zum Finden von Orientierungspunkten. So kann er ein bestimmtes Objekt finden, das sich nicht direkt auf dem Laufweg befindet, sondern etwas seitlich davon, wie etwa einen Laternenpfahl, der etwas abseits vom Gehweg steht.
  • Mit der Diagonaltechnik hält der Benutzer den Stock diagonal und streift im Vorbeilaufen an einer Wand entlang, bis ein Treppenabsatz oder ein Türeingang kommt. Diese Technik ist eine Suchtechnik, um Türen und Durchgänge in Gebäuden zu finden. Diese Technik wird auch kombiniert mit der Trailingtechnik, bei der der Benutzer mit der Hand an der Wand entlangfährt und mit einer bestimmten Fingerhaltung die Fingerkuppen vor Überbeanspruchung und Verletzungen schützt.
  • Der Nutzer kann Hindernisse in Kopfhöhe noch vor Kontakt bemerken, indem er den Stock in der Mitte hält und bei vorgestrecktem Arm in schräger Haltung vor sich her trägt.
  • Es gibt Treppentechniken für die Benutzung von Treppen, indem der Benutzer den Stock locker hält und bei jeder Stufe anschlagen lässt. So erkennt er Abstand und Höhe der nächsten Stufe und das Treppenende.

Varianten[Bearbeiten]

Langstöcke lassen sich oft falten, um Platz zu sparen

Der Langstock ist größtenteils weiß und zusätzlich mit Reflektorfolie beklebt, damit er im Dunkeln von anderen Verkehrsteilnehmern besser wahrgenommen werden kann. Die Stöcke werden in ihrer Länge individuell an den Benutzer angepasst, abhängig von der Körpergröße und der Schrittlänge. Meistens entspricht die Stocklänge ungefähr der Höhe des Brustbeins des Benutzers. Neuerdings empfehlen blinde Mobilitätstrainer aber Stöcke, die bis zum Kinn reichen, speziell bei Jugendlichen und Erwachsenen.[1] Es gibt verschiedene Varianten der Griffe und der Griffmaterialien. Außerdem kann man zwischen verschiedenen Stockspitzen wählen: So gibt es zum Beispiel rollende Kugelspitzen, Marshmallow-Spitzen, Spitzen mit eingearbeiteten Stahlkugeln oder Glasmurmeln und vieles mehr. Die Spitzen unterliegen dem Verschleiß und sind daher austauschbar. Die Wahl richtet sich nach persönlichen Vorlieben und nach der Beschaffenheit der Laufwege.

Auch in der Bauweise gibt es Unterschiede. Es gibt einteilige Stöcke, die aus Aluminiumrohr oder aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff bestehen. Der einteilige Stock ist die einfachste und leichteste Variante, die zudem das beste Tastgefühl vermittelt. Dann gibt es mehrteilige Teleskop- und Faltstöcke (meist aus Aluminiumlegierungen oder anderen Leichtmetallen), die sich zusammenschieben oder einklappen lassen. Es gibt auch Stöcke, die man zusammenfalten kann und deren Griff ausziehbar ist. Teleskop- und Faltstöcke werden anstelle des sperrigen einteiligen Stocks bevorzugt eingesetzt, wenn Fahrzeuge oder der öffentliche Personenverkehr benutzt werden. In Entwicklungsländern wird als leicht verfügbare und billige Alternative auch auf Holz- oder Bambusstöcke zurückgegriffen, die aber in ihrer Funktion den steiferen Metallstöcken unterlegen sind.

Kinderlangstock: Oft werden für Kinder bis zu 6 Jahren einteilige, besonders leichte Stöcke in voller Körpergröße mit langen dünnen Griffen empfohlen, ab etwa 7 Jahren dann Stöcke, die ungefähr bis zur Nase reichen. Nach der Pubertät bzw. für Erwachsene werden üblicherweise Stöcke eingesetzt, die bis zum Kinn oder Brustbein reichen. Ein Ziel kann sein, Kindern, die blind oder sehbehindert sind, schon früh an den Stock als Tastwerkzeug zu gewöhnen, auch schon vor dem Laufenlernen, um den Langstock später selbstverständlicher einsetzen zu können.[2] In Europa sind mehrere Kinderlangstöcke auf dem Markt, wobei ein Produkt hartnäckig propagiert wird.[3] Kinderlangstöcke sollten, wegen der taktilen Übertragungsleistung einteilig, für die Gelenkschonung besonders leicht (z.B. 90g bei 90cm) und, wegen der kleinen Hände, einen sehr leichten und dünnen Griff haben. Im Weiteren sollten dieselben ein auswechselbare Spitze und, wegen der Verletzungsgefahr, keine Handschlaufe haben, zudem sollten sie splittersicher und robust sein. Kinderlangstöcke werden häufig selber gebaut, eine Vorgangsweise, die ein weiteres individuelles Anpassen ermöglicht.[4]

Der Laser-Langstock[5] ist eine Variante mit einem im Griff eingebauten Entfernungsmesser. Dieser arbeitet mit einem infraroten Laser-Fächer, der den Brust- und Kopfbereich des Nutzers überwacht und Hindernisse durch das Vibrieren des Handgriffs anzeigt.[6]

Beschaffung und Training[Bearbeiten]

Die Kosten für einen Langstock und für ein Orientierungs- und Mobilitätstraining (kurz O&M), bei dem man die richtige Benutzung des Hilfsmittels erlernt, trägt in Deutschland in der Regel die gesetzliche Krankenkasse nach vorheriger Genehmigung.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] By Daniel Kish, M.A., M.A., COMS, NOMC, World Access for the Blind: A Perception Basis for Cane Length Considerations
  2. Ein Blindenstock für jedes Kind Einsatz von Langstöcken für Kinder
  3. Kinderlangstock Kinderlangstock
  4. Bauanleitung für Kindervolllangstock Anderes Sehen e.V.: Bauanleitung für Kinder-Langstock
  5. Stiftung Warentest: Laser-Langstock test.de 21. Oktober 2004
  6. Beschreibung des Laser-Langstocks
  7. Kostenträger bei rehalehrer.de, abgerufen am 2. Januar 2013

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Langstock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien