Kinn

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Als Kinn (lat. Mentum) bezeichnet man die untere Vorderseite des Gesichts im Bereich des Unterkiefers, die von der Protuberantia mentalis und den beiderseitigen lateralen Höckerchen (Tubercula mentalia) des Unterkiefers gestützt wird. Darüber liegen der Kinnmuskel (Musculus mentalis), seitlich davon der Niederzieher der Unterlippe (Musculus depressor labii inferioris) und oberhalb die untere Portion des Mundschließmuskels (Musculus orbicularis oris). Diese Muskeln gehören zur mimischen Muskulatur und werden vom Nervus facialis innerviert. Die sensible Innervation erfolgt durch den Nervus mentalis, einen Ast des Nervus alveolaris inferior. Die Blutversorgung gewährleistet der Ramus mentalis der Arteria und Vena alveolaris inferior. Unterhalb des Kinns liegen zwischen den vorderen Bäuchen der Mm. digastrici die Kinnlymphknoten (Lymphonodi submentales). Die sichtbaren Bereiche lateral des Kinns werden auch als Kinnbacken bezeichnet.[1]

Das vorspringende Kinn ist ein Erwerb des rezenten Menschen und dient wahrscheinlich als Verstärkung des Unterkiefers an der Nahtstelle der beiden Kieferhälften. Diese Verstärkung ist aber im Gegensatz zu Frühmenschen und jenen Tieren, die aufgrund eines frei beweglichen Kiefers ebenfalls eine solche festere Verbindung benötigen, beim modernen Menschen nach außen statt nach innen hin ausgebildet, um der Zunge mehr Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Die Einzigartigkeit des Kinns steht so wohl in direktem Zusammenhang mit der Einzigartigkeit der Sprachfähigkeit des modernen Menschen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden: Kinnbacken, der
  2. Wilhelm Wallisch: Das Kinn und sein Zweck. In: Anatomy and Embryology, Band 74, Nr. 1–3, 1924, S. 285–296, doi:10.1007/BF02307401.