Leopold von Auenbrugger

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Joseph Leopold Edler von Auenbrugger

Joseph Leopold von Auenbrugger (* 19. November 1722 in Graz; † 18. Mai 1809 in Wien) war ein österreichischer Mediziner und nebenbei auch Librettist. Er gilt als der Erfinder der medizinischen Untersuchungtechnik der Perkussion.

Biographie[Bearbeiten]

Leopold Auenbrugger wurde am 19. November 1722 in Graz als Sohn eines Gastwirts geboren. Es heißt, dass er bereits als Kind seinem Vater im Wirtshaus "Zum Schwarzen Mohren" half und so lernte, die Füllung von Weinfässern durch Beklopfen der Fasswand abzuschätzen.

Er studierte zunächst in Graz, dann in Wien Medizin, wo er nach Abschluss des Studiums ab 1751 im Spanischen Hospital als Arzt tätig war. In dieser Zeit fielen ihm die Schallunterschiede auf, die entstehen, wenn man an verschiedenen Stellen der Brustwand auf deren Oberfläche klopft. Dieses Phänomen untersuchte er weiter und publizierte 1761 eine Arbeit mit dem Titel Inventum novum ex percussione thoracis humani ut signo abstrusos interni pectoris morbos detegendi (Neue Erfindung mittels Anschlagens an den menschlichen Brustkorb, als ein Zeichen, um verborgene Brust-Krankheiten zu entdecken). Er gilt somit als Erfinder der Perkussion.

Er beschrieb darin unter anderem das Phänomen der Dämpfung und erklärte es mit dem verminderten Luftgehalt des Gewebes. Er listete auch diverse Krankheitsbilder auf, bei denen er eine verstärkte Dämpfung des Klopfschalls fand.

Auenbrugger gilt mit seiner Entdeckung neben René Théophile Hyacinthe Laënnec (1781–1826), dem Erfinder des Stethoskopes, als Wegbereiter der physikalischen Diagnostik. Perkussion und Auskultation sind klinische Basisuntersuchungen der Medizin, die auch im Zeitalter der “Apparatemedizin” ihre Bedeutung behalten haben.

Seine Arbeit fand anfänglich keine große Beachtung und geriet beinahe in Vergessenheit. 1762 verließ er das Spanische Hospital und wurde Hofarzt von Maria Theresia. Erst eine andere seiner Schriften über die Behandlung verschiedener Krankheiten mit Campher (1783) brachte ihm weit größeres Ansehen. 1784 wurde ihm der Adelstitel Edler von Auenbrugger verliehen. Die Schrift über die Perkussion geriet fast vierzig Jahre in Vergessenheit und wurde erst durch den Leibarzt Napoleons Jean-Nicolas Corvisart wiederentdeckt, ins Französische übersetzt und 1808 in Paris veröffentlicht. Die erste Fassung in deutscher Sprache erschien 1843 in Wien.

Er schrieb auch das Libretto zu einem Singspiel von Antonio Salieri – dessen Trauzeuge er 1774 war – mit dem Titel Der Rauchfangkehrer, welches 1781 in Wien Premiere feierte.

Ehrungen[Bearbeiten]

Im Jahr 1891 wurde in Wien Landstraße (3. Bezirk) die Auenbruggergasse nach ihm benannt.

An seinem Sterbehaus (Neuer Markt 9, neben der Kapuzinerkirche) wurde kurz vor seinem hundertsten Todestag eine Gedenktafel angebracht.

Die 2004 aus der ehemaligen Medizinischen Fakultät gegründete Medizinische Universität Graz führt das Portrait Auenbruggers in ihrem Siegel, das Areal des LKH-Universitätsklinikums Graz heißt Auenbruggerplatz.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]