Lucius Iunius Brutus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lucius Iunius Brutus in einer Darstellung auf einer späteren Münze. Aus Eckhel: Kurzgefasste Anfangsgründe zur alten Numismatik, Wien 1787
Büste eines Unbekannten aus der mittleren Republik (so genannter „Brutus“); Rom, Kapitolinische Museen

Lucius Iunius Brutus († angeblich 509 v. Chr.) war der Sage nach der erste Konsul bzw. praetor maximus der römischen Republik nach dem Sturz des letzten etruskischen Königs von Rom, Tarquinius Superbus.[1]

Der heutigen Forschung zufolge hat es Brutus allerdings nicht gegeben. Es gibt praktisch keine authentischen Quellen, die bis in die Zeit der frühen Republik zurückreichen. Spätere Autoren haben die spärliche Überlieferung immer freier ausgestaltet, teilweise aus Eigeninteresse. So erfand vermutlich das plebejische (und damit erst während der mittleren Republik, ab Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr., politisch wirksame) Geschlecht der Iunii Bruti einen mythischen Vorvater, der angeblich Patrizier gewesen sein soll, so wie alle Konsuln der frühen Republik.[2]

Brutus soll maßgeblich an der Vertreibung des letzten etruskischen Königs Tarquinius Superbus im Jahr 509 v. Chr. beteiligt gewesen sein. Die Königsherrschaft wurde dabei durch die römische Republik (libera res publica) abgelöst.

Sage[Bearbeiten]

Gemäß der Überlieferung war Brutus der Sohn Tarquinias, der Schwester des Königs Tarquinius Superbus. Nachdem der König den Bruder des Brutus und andere vornehme Bürger hatte ermorden lassen, stellte Brutus sich blödsinnig, um dem König keinen Anlass zu geben, ihn zu fürchten und deshalb töten zu lassen.[3] Das brachte ihm den Spitznamen „Brutus“ (lat. Dummkopf) ein, den er in Übereinstimmung mit seiner Verstellung klaglos hinnahm.[4]

Als König Tarquinius über ein ungünstiges Omen erschrocken war und zwei seiner Söhne zum Orakel von Delphi geschickt hatte, um dieses darüber zu befragen, begleitete Brutus sie.[3] In Delphi angekommen, baten die Söhne des Tarquinius das Orakel, ihnen zu offenbaren, wer von ihnen in Rom herrschen werde. Als sie die Antwort erhalten hatten, dies werde derjenige sein, der als Erster seine Mutter geküsst haben werde, glaubten die Tarquinier, dies beziehe sich auf ihre biologische Mutter. Brutus aber erkannte, dass das Orakel von der gemeinsamen Mutter aller Menschen, der Erde, sprach, gab vor zu stürzen und küsste sie.[5]

Sextus, der jüngste Sohn des Königs[6] hat der Überlieferung nach Lucretia vergewaltigt, die Gattin von Lucius Tarquinius Collatinus. Lucretia ließ unter anderem ihren Mann und Brutus schwören, sie zu rächen, und erstach sich. Brutus sah die Gelegenheit, den König zu stürzen.[7]

Lucretias Leiche wurde aus dem Haus aufs Forum ihres Wohnortes Collatia getragen; Brutus, der seinen vorgeblichen Blödsinn ablegte, brachte das Volk zunächst dort und dann auch in Rom mit flammenden Reden über den Hochmut und die Verbrechen des Königs und seiner Sippe gegen diesen auf. Er erwirkte einen Beschluss, mit dem der König die Herrschaft verlor und mit seiner Familie verbannt wurde.[8]

Danach wurde Brutus der Sage nach zusammen mit Collatinus der erste römische Konsul (509 v. Chr.).

Brutus, dem die Leichen seiner Söhne ins Haus gebracht werden, Gemälde von Jacques-Louis David, 1789

Die Tarquinier allerdings konnten Brutus Söhne dazu gewinnen, sich mit ihnen zu verschwören und zu versuchen, die Königsherrschaft wiederherzustellen: das Komplott wurde entdeckt und Brutus ließ seine Söhne hinrichten.[9]. Brutus selbst soll später im Zweikampf gegen Arruns, einen Sohn des vertriebenen Königs, gefallen sein.[10]

Die heutige Forschung hingegen geht davon aus, dass das Konsulat erst viel später eingeführt wurde; nach der Königsherrschaft war das höchste Amt vermutlich der praetor maximus.

Wirkung[Bearbeiten]

Die Mörder von Caesar (44 v. Chr.) nahmen die Sage als Vorbild für ihre Tat, insbesondere Marcus Iunius Brutus, der als direkter Nachfahre des Republikgründers angesehen wurde. Aber auch unter Caesars Erben Augustus wurde Brutus als Verkörperung römischer Tugenden hervorgehoben, vor allem von Livius und Vergil.

Büste[Bearbeiten]

Seit dem 16. Jahrhundert befindet sich im Konservatorenpalast in Rom eine Büste, die von Kardinal Rodolfo Pio da Carpi der Stadt Rom aus seiner Sammlung vermacht wurde. Diese Kapitolinischer Brutus genannte Büste wurde unter Napoleon in den Louvre nach Paris entführt und kehrte 1815 nach Rom zurück.

Im Jahre 2010 war die Büste Mittelpunkt einer Kabinettsausstellung in der Rotunde des Alten Museums in Berlin.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lucius Junius Brutus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Livius: Ab urbe condita, 1.60.2-3.
  2. T. Robert S. Broughton: The Magistrates Of The Roman Republic. Vol. 1: 509 B.C. – 100 B.C.. Cleveland / Ohio: Case Western Reserve University Press, 1951. Unveränderter Nachdruck 1968. (Philological Monographs. Hrsg. von der American Philological Association. Band 15, Teil 1), S. 1–5; zur Historizität von Brutus besonders S. 4
  3. a b Livius, 1.56.7.
  4. Livius, 1.56.8.
  5. Livius, 1.56.10-12.
  6. Livius, 1.53.5
  7. Livius, 1.58.1-59.1.
  8. Livius, 1.59.2-11.
  9. Livius, 2.5
  10. Livius, 2.6.8-9