Ludvík Vaculík

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Ludvík Vaculík 2006

Ludvík Vaculík (* 23. Juli 1926 in Brumov) ist ein tschechischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Vaculík wurde von 1942-43 bei Baťa in Zlin zum Schuster ausgebildet, wo er dann bis 1946 auch weiterarbeitete. Von 1946 bis 1951 studierte er an der Prager Hochschule für Politik und Sozialwissenschaften.

Er arbeitete als Erzieher in Lehrlingsheimen, dann als Redakteur beim Tschechoslowakischen Rundfunk. Schließlich fing er 1965 bei der Zeitschrift Literární noviny an. Der literarische Durchbruch gelang ihm mit der Novelle Das Beil (1966), die neben Kunderas "Der Scherz" zu den meistdiskutierten tschechischen Publikationen der zweiten Hälfte der 1960er Jahre gehörte. Wegen seiner gesellschaftlich-kritischen Äußerungen auf dem IV. Kongress des tschechischen Schriftstellerverbandes im Juni 1967 [1] wurde er aus der Kommunistische Partei der Tschechoslowakei (KPČ) ausgeschlossen.

Im Prager Frühling trat er durch das Manifest der 2000 Worte hervor, einer sich an breite Öffentlichkeit wendenden Analyse der totalitärer Machtausübung. Später war er einer der Mitbegründer der im Anschluss an die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) gebildeten tschechischen Menschenrechtsgruppierung "Charta 77". Vaculík wurde als Dissident bis zur Wende dauerhaft seitens der staatlichen Sicherheitsbehörden beschattet.

In den 70er Jahren gründete er den Samizdat-Verlag Edice Petlice (Verlag hinter Schloss und Riegel), in dem er in Eigenregie Werke verbotener Autoren vertrieb. Darin erschien auch Tagträume. Alle Tage eines Jahres (Petlice 1981, Toronto, 1983, Brno 1990), das zu seinen bedeutendsten Werken zählt.

Vaculík verfasst nach der Wende hauptsächlich Feuilletons zu Tagesproblemen.

Werk[Bearbeiten]

Romane u.a.:

  • Das Beil (Sekyra, 1966)
  • Die Meerschweinchen (Morčata, 1970) übersetzt von Alexandra und Gerhard Baumrucker (1970 Atlantis).
  • Tagträume - Alle Tage eines Jahres (Český snář, 1980, dt. 1981)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite 33. Zitat: Bei den im Saal versammelten Schriftstellern rief Vaculíks Rede einen Schock hervor, obwohl sie seine Ansichten mehrheitlich teilten. Er hatte alle Tabus gebrochen, die er und seine Kollegen bislang beachtet hatten, um die wenigen Freiräume ihres Verbandes und ihrer Presse nicht zu gefährden. Seit dem Februar 1948 war die KPČ in der Öffentlichkeit nicht mehr so deutlich kritisiert worden. (Reinhard Veser, 2008; PDF; 351 kB)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rudolf Urban: Der Verwegene Geist. Der IV. Tschechoslowakische Schriftstellerkongress und seine Folgen, in: Osteuropa, 3 (1968), S. 180.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludvík Vaculík – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien