Luftzug

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Luftzug ist eine Luftbewegung infolge einer Luftdruckdifferenz. Während mit "Wind" eine gerichtete, stärkere Luftbewegung in der freien Atmosphäre bezeichnet wird, wird mit "Luftzug" bzw. "Zug" oder "Zugluft" eine meist schwächere Luftbewegung und vor allem innerhalb von geschlossenen Räumen oder innerhalb von technischen Anlagen (Kamin, Feuerungsanlage) bezeichnet.

Definition[Bearbeiten]

Nach der Beaufortskala spricht man von einem „leisen Zug“, wenn die Windgeschwindigkeit 1 Beaufort beträgt. Dies entspricht 0,5 bis 2,1 Meter pro Sekunde bzw. 1,9 bis 7,4 Kilometer pro Stunde. Ein noch schwächerer Wind wird als „windstill“, ein stärkerer Wind als „leichte Brise“ klassifiziert.

Zugluft in Räumen[Bearbeiten]

„Zugluft“ kann verbrauchte Luft austauschen.

Zugluft kann unter anderem auftreten

  • in undichten Räumen
  • durch Öffnen von Fenstern und Türen
  • durch Klimaanlagen und/oder
  • durch hohe (vertikale oder horizontale) Temperaturunterschiede im Gebäude

Durch Zugluft in schlecht abgedichteten Gebäuden (so genannte Fugenlüftung) kommt es zu Wärmeverlust und Energieverschwendung. Die Luftdichtheit in Gebäuden kann durch Differenzdruck-Messverfahren („Blower-Door-Test“) gemessen werden. Passivhäuser haben eine besonders dichte Gebäudehülle.

Auswirkungen auf die Gesundheit[Bearbeiten]

Es ist ein in deutschsprachigen Ländern weitverbreiteter Irrglaube, dass Zugluft in Gebäuden und Verkehrsmitteln zu Erkrankungen führen kann.[1] Es stimmt zwar, dass Zugluft Verspannungen hervorrufen kann, falls sie stark genug ist oder lang genug anhält, zumindest wenn der Körper stark schwitzt und nicht bedeckt ist.[2][3]

Im deutschsprachigen Raum ist jedoch die irrige Vorstellung verbreitet, dass Zugluft je nach Temperaturunterschied, Dauer und Intensität Erkältungen verursachen, auslösen bzw. begünstigen könnte. Eine entsprechende Vorstellung ist in den meisten nichtdeutschsprachigen Kulturräumen heutzutage unbekannt.[4][5] Es handelt sich um eine früher in der ganzen Welt verbreitete uralte Angst vor Dämonen und Wind.[6] In den meisten Ländern wurden früher Straßen in Städten möglichst schmal gebaut, weil man glaubte, dass sonst der Wind Krankheiten zwischen und in die Häuser leichter bringen könnte. (Erst in der Neuzeit verstand man, dass enge Bauweise mitverantwortlich für Seuchenverbreitung war.)

Tatsächlich kann eine sogenannte Erkältung (die trotz dieser irreführenden Bezeichnung eigentlich eine Infektionskrankheit ist) ohne Krankheitserreger und ein geschwächtes Immunsystem nicht auftreten. Einem gesunden Menschen kann Zugluft alleine in der Regel nichts anhaben. In der Tat wurde seit langem und bis vor kurzem von der Medizin jeglicher Zusammenhang zwischen Erkältungen und Kälte bestritten.

Neuere, in Studien gewonnene Erkenntnisse bestätigen zwar den Zusammenhang zwischen Kälte und Erkältung insofern, als auch eine übermäßig lange oder intensive Kälteeinwirkung auf einen nicht ausreichend geschützten Körper zu einer Schwächung des Immunsystems und dadurch zu einer schlechteren Abwehr der Krankheitserreger führen kann.[7][8] (Siehe auch: Mögliche Zusammenhänge zwischen Kälte und Erkältungen.) Solche Bedingungen (übermäßig lange oder intensive Kälteeinwirkung auf einen nicht ausreichend geschützten Körper) existieren jedoch nicht in Verkehrsmitteln, u.a. da Passagiere Kleider tragen.

Schutz vor Zugluft[Bearbeiten]

Durch bauliche Maßnahmen, insbesondere den Einbau von Türen in offenen mehrgeschossigen Einfamilienhäusern, kann der Luftzug reduziert werden. Zugluft an Eingangstüren lässt sich durch Drehtüren oder doppelte Eingangstüren (in Form von Eingangsschleusen) reduzieren.

Zuglufttier in Form einer Katze

Auch passgenaue Türen und Fenster bzw. Fensterrahmen verhindern Zugluft. Lücken schließen evtl. Gummidichtungen und/oder längliche Filzstreifen, die, an die Unterkante von Türen geklebt, den Boden berühren, sowie Leisten, die nach unten Borsten bzw. Haare haben oder Gardinen aus dichtem Stoff. Dies sind Materialien, die sich auch gut an Unebenheiten des Bodens anpassen, wenn man die Tür bewegt. Eine weitere Möglichkeit, sich vor Zugluft zu schützen, ist das umgangssprachlich so genannte Zuglufttier: eine meist runde, längliche, einem Tier nachempfundene Stoffrolle mit einem Durchmesser von einigen Zentimetern, die vor Tür- oder Fensterspalten gelegt wird.

Durchzug[Bearbeiten]

Durchzug ist in der Alltagssprache ein starker Luftzug in Innenräumen. Er wird häufig als störend empfunden und wird gelegentlich zum Zwecke schnelleren Luftaustauschs (Lüften) absichtlich herbeigeführt.

Typischerweise handelt es sich dabei um relativ gleichförmige Luftströmungen, die durch ein Druckgefälle zwischen mindestens zwei Öffnungen (z. B. Fenster, Türen, Undichtigkeiten) eines Gebäudes nach außen hervorgerufen werden. Ein solches Druckgefälle besteht bereits bei schwachem Wind, wenn Fenster auf gegenüberliegenden Seiten eines Bauwerks geöffnet werden (Querlüften).

Dass eine anhaltende Luftströmung die Auskühlung angeströmter Körperteile zur Folge haben kann, erklärt womöglich negative Empfindungen des Phänomens „Durchzug“.

Eine durch Konvektion verursachte vertikale Variante des Durchzugs ist der ebenso nützlich wie schädlich auftretende Kamineffekt, der auch z. B. in verglasten Treppenhäusern bei Sonneneinstrahlung als Durchzug wahrgenommen werden kann.

In Heizungen mit Feuerungsanlagen ist der Durchzug von Luft eine unerlässliche Voraussetzung für den Betrieb, da sie in der Regel den Sauerstoff für die Verbrennung herbeiführt. Zur Erhöhung der Effektivität wird teilweise zusätzlich zum Kamineffekt ein forcierter Durchzug geschaffen, so etwa mit dem Blasrohr im Rauchabzug von Dampflokomotiven.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DER SPIEGEL 20/1968 - Dämonen am Fenster Kein Widerwort hilft, wenn der Schlachtruf: "Es zieht!" in Büro oder Betrieb, bei Bahn- oder Busfahrten die Frischluftbedürftigen niederstimmt. Kaum eine medizinische Volksweisheit hält sich so hartnäckig wie die, daß Zugluft Krankheiten heraufbeschwöre.
  2. Zug gekriegt? Was helfen kann. Apotheken Umschau
  3. DER SPIEGEL 20/1968 - Dämonen am Fenster Die Erfahrung, daß ein geöffnetes Fenster im schnellfahrenden Auto oder anhaltender Durchzug in einem Zimmer bei winterkaltem Wetter bei manchen Menschen einen "steifen Hals" machen kann, scheint indes unwiderleglich. Doch sind solche Erscheinungen dann wohl eher auf partielle Unterkühlung unbedeckter Körperzonen zurückzuführen.
  4. Stimmt's?: Machen Klimaanlagen krank? | ZEIT ONLINE ...Deutschen, die ja auch panische Angst vor der anderswo gar nicht bekannten "Zugluft" haben.
  5. Draftophobia: Blown Away by the Fear of Air
  6. DER SPIEGEL 20/1968 - Dämonen am Fenster
  7. R. Eccles: Acute cooling of the body surface and the common cold. In: Rhinology. Band 40, Nummer 3, September 2002, S. 109–114, ISSN 0300-0729. PMID 12357708. (Review).
  8. R. Eccles: An explanation for the seasonality of acute upper respiratory tract viral infections. In: Acta oto-laryngologica. Band 122, Nummer 2, März 2002, S. 183–191, ISSN 0001-6489. PMID 11936911. (Review).