Mütterpflege

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Mütterpflege, auch häusliche Wöchnerinnen- und Säuglingspflege oder Wochenpflege, im Niederländischen kraamzorg, bezeichnet eine professionelle Pflege von Mutter und Kind, einschließlich der Versorgung der weiteren Familienmitglieder, während der unmittelbar auf die Geburt folgenden Zeit, dem Wochenbett. Auch der Begriff Wochenbetthilfe wird für ambulante Pflege rund um die Geburt verwendet. Der Begriff Mütterpflegerin ist eine Berufsbezeichnung für eine entsprechende freiberufliche Tätigkeit in Deutschland.

Das Berufsbild der kraamverzorgster (Berufsbezeichnung der Person, welche die kraamzorg durchführt) gilt dem Ursprung nach als typisch Niederländisch.[1] Dort sind Hausgeburten weit verbreitet und die dort weithin übliche Säuglings- und Wöchnerinnenpflege geht deutlich über eine Haushaltshilfe hinaus. So ist vorgesehen, dass eine Mütterpflegerin (kraamverzorgster) im Anschluss an eine ambulante Geburt für mehrere Tage die Pflege von Mutter, Kind und Familie (kraamhulp) übernimmt. Dort ist üblich, dass die kraamverzorgster neben der Pflege der Wöchnerin und des Säuglings der Versorgung der Familie übernimmt. Auch ist sie behilflich bei der Bewirtung der Gäste, die traditionell während der Wochenzeit ("kraamtijd") zur Besuch kommen.

Eine Mütterpflegerin bietet Wöchnerinnen praktische Hilfe nach der Geburt eines Babys an, damit sich Mutter und Baby zuhause aneinander gewöhnen und von der Geburt erholen können. Bei besonderer Indikation (z. B. Frühgeburtsbestrebungen) können die Leistungen auch schon in der Schwangerschaft in Anspruch genommen werden.

Früher bei Großfamilien und vielen Hausgeburten waren oft kompetente Familienmitglieder zur Stelle, wenn Mutter und Kind nach einer Geburt umsorgt werden mussten. Heutzutage leben Großmutter und Schwestern meist nicht in derselben Stadt, Väter sind beruflich oft stark eingespannt und viele Frauen werden so oft bei der Bewältigung der schwierigen Zeit nach einer Geburt alleine gelassen. Eine professionelle Wöchnerinnen- und Säuglingspflege ist eine Dienstleistung, die diese Versorgungslücke schließt.

Aufgaben einer Mütterpflegerin[Bearbeiten]

Die Hauptaufgabe einer Mütterpflegerin liegt darin, die Mutter bei der Pflege ihres Babys zu unterstützen, in Gesundheitsfragen zu beraten und ihr bei der Organisation des Haushalts zur Seite zu stehen. Dabei

Anrecht auf Wöchnerinnen- und Säuglingspflege nach der Geburt[Bearbeiten]

Bis April 2007 wurde, laut § 197 RVO, aus Gründen der Gleichbehandlung von Müttern, die zu Hause entbinden, mit denjenigen, die stationäre Entbindung in Anspruch nehmen, für den Entbindungstag und zumindest für die ersten 6 Tage nach der Entbindung Haushaltshilfe nach § 199 RVO gewährt. Seit April 2007 ist jedoch diese "6-Tage-Regelung" aus § 197 RVO gestrichen. 2012 wurden mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz die Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft als § 24c-24i in das SGB V überführt.

Die Mütterpflege bzw. der Einsatz einer Mütterpflegerin ist demnach in §24c 4. häusliche Pflege / 5. Haushaltshilfe geregelt. Dabei wird in der Regel der Großteil der Kosten von der Krankenkasse übernommen. Hierbei kann man sich auf § 24c, § 24g, § 24h und § 38 SGB V beziehen (siehe auch: Haushaltshilfe bei Schwangerschaft und Entbindung). Bei medizinischer Indikation (z. B. Kaiserschnitt, Brustentzündung, Wochenbettdepression), bescheinigt durch Arzt oder Hebamme, kann die Einsatzdauer noch verlängert werden.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Unterschied zu einer Doula[Bearbeiten]

Die Tätigkeit einer Doula ist stärker auf den Zeitpunkt vor und unmittelbar nach der Geburt konzentriert und mehr mit emotionalen Geschehnissen rund um die Geburt befasst. Wochen- oder Mütterpflege umfasst eher die praktische Unterstützung der Mutter und des Neugeborenen. Sie kümmert sich intensiver um das Kind und um die Betreuung von Haushalt und ggf. Geschwisterkindern.

Unterschied zu einer Haushaltshilfe[Bearbeiten]

Eine Haushaltshilfe kümmert sich meistens nur um den Haushalt, ist aber nicht spezialisiert auf Wochenbett- und Säuglingspflege. Wochenpflege ist laut Hebammengesetz der Hebamme vorbehaltene Tätigkeit. Wer Wochenpflege ausübt, muss von einer Lehrerin für Hebammewesen ausgebildet sein. Eine Mütterpflegerin ist eine Stütze bei allen gesundheitlichen und seelischen Problemen, die nach der Geburt eines Kindes noch zusätzlich zu den Alltagsproblemen auftauchen können.

Unterschied zu einer Hebamme[Bearbeiten]

Eine Hebamme kommt nach der Geburt auch ins Haus, um das Wohlbefinden von Mutter und Kind zu kontrollieren. Sie hat in der Regel nur begrenzte Zeit und kann sich nicht noch zusätzlich um alle möglichen praktischen Dinge wie Hausarbeit, Ernährung und ältere Kinder kümmern.

Ausbildung[Bearbeiten]

In der EUREGIO (Grafschaft Bentheim) wurde ein Pilotprojekt gestartet, in dem eine Ausbildung nach dem niederländischen Vorbild der kraamverzorgster angeboten wird.[2] Grund für das Projekt ist einerseits ein Personalengpass in diesem Beruf in den Niederlanden, andererseits aber auch ein wachsender Bedarf an häuslicher Unterstützung in Deutschland, verursacht durch einen zunehmend kürzeren Krankenhausaufenthalt nach der Geburt sowie den Zuzug niederländischer Familien, unter denen die Hälfte der Geburten als Hausgeburten stattfinden.[1]

In Deutschland findet insbesondere eine Ausbildung zur „hebammengeschulten Mütterpflegerin“ in Deutschlands erster und bisher einzigen privaten Mütterpflegerinnen-Schule in Gießen-Rödgen in Hessen statt. Die Schule wurde 1996 durch die Gründerin des ersten deutschen Geburtshauses, Dorothea Heidorn, ins Leben gerufen und seitdem geleitet. Ihre Arbeit wird seit 1998 durch den an die Schule angeschlossenen Verein für Mütter- und Familienpflege e.V. unterstützt, der deutschlandweit Mütterpflegerinnen vermittelt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKraamverzorgster-model vindt navolging in Duitsland. Abgerufen am 12. Oktober 2009 (niederländisch).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWillkommen auf der Website von Euregio Babycare. Abgerufen am 12. Oktober 2009.