Geburt

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Dieser Artikel erläutert die Geburt beim Menschen; für Aspekte der Lebendgeburt im Tier- und Pflanzenreich siehe Viviparie.
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Mutter mit Neugeborenem
Geburt per Kaiserschnitt
Tonaufnahme einer Geburt


Die Geburt (fachsprachlich: lateinisch partus und griechisch γονή, auch: Niederkunft der Mutter oder, aus Sicht der Hebammen und ärztlichen Geburtshelfer: Entbindung) ist der Prozess am Ende einer Schwangerschaft. Eine Schwangerschaft dauert durchschnittlich 266 Tage und endet, wenn der Fötus die Gebärmutter der Mutter verlässt. Die meisten Kinder werden innerhalb von jeweils zwei Wochen vor bzw. nach dem errechneten Termin geboren. Auf den Tag genau zum errechneten Termin kommen nur vier Prozent der Kinder zur Welt.

Die Geburt kann sich durch folgende Symptome ankündigen:

Bei Überschreitung des sogenannten errechneten Termins um 14 Tage oder wegen medizinischer Notwendigkeit kann durch eine Geburtseinleitung der Geburtsbeginn künstlich herbeigeführt werden.

Sprachliches[Bearbeiten]

Das Substantiv Geburt stammt vom Verb gebären ab, das auf die indogermanische Wurzel *bher „tragen“ zurückgeht und mit englisch to bear „(er-)tragen, hervorbringen“, lateinisch ferre, griechisch φέρειν (pherein) beide mit der Bedeutung „tragen, bringen“ verwandt ist, wörtlich also als „austragen, zu Ende tragen“ zu verstehen ist. Andere deutsche Wörter, die dieser Sprachfamilie angehören sind u. a. Bahre, entbehren (eigentlich „nicht tragen“), Bürde und semantisch abweichend gebaren, Gebärde. Auch das Suffix -bar, wie in fruchtbar „Frucht bringend, tragend“ geht auf diese Sprachwurzel zurück.

Im juristischen Sprachgebrauch ist oft von Niederkunft die Rede, dessen Gebrauch fast ebenso alt ist, wie das üblichere Geburt. Die verhüllende Ausdrucksweise von niederkommen, die schlicht das „ins Wochenbett legen“ meinte, lässt sich vielleicht an französisch accoucher (d'un enfant) anschließen.

Das historisch jüngste der drei Synonyme scheint Entbindung zu sein, das sich seit dem 14. Jahrhundert auf den Geburtsvorgang bezog und konkret das Losbinden von der Nabelschnur bezeichnet.[1][2]

Ablauf der Geburt[Bearbeiten]

Der Auslöser für den Geburtsvorgang war lange Zeit unbekannt. Forschungen im Tiermodell deuten darauf hin, dass das Surfactant-Protein Surfactant-Protein-A, welches für die Lungenreifung verantwortlich ist, über eine Reihe von Reaktionen die Wehen auslösen kann[3]. Dieses Eiweiß wird vom Kind produziert, welches also wesentlich am Beginn der Geburt mitwirkt.

Die Dauer der Geburt ist sehr unterschiedlich. Man rechnet durchschnittlich 13 Stunden für Erstgebärende, (lateinisch primiparae) und 8 Stunden für Frauen, die bereits ein Kind geboren haben. Die Zeiten, die für eine Geburt als normal angesehen werden, wurden innerhalb der letzten knapp 50 Jahre allerdings halbiert. Der Geburtsverlauf wird in einem Partogramm dokumentiert.

Subjektiv erzählen Frauen oft von einer längeren Geburtsdauer. Dies resultiert daraus, dass sie den Moment, in dem sie die ersten Wehen verspüren, oder den Moment, an dem sie ins Krankenhaus eintreten, als Geburtsbeginn definieren. Für den Geburtshelfer bzw. die Hebamme beginnt eine Geburt aber erst dann, wenn die Wehen zur Verkürzung des Gebärmutterhalses und der Eröffnung des Muttermundes beitragen (sogenannte portiowirksame Wehen). Die Chronobiologie beobachtet, dass die Verteilung der Geburten über den Tag um etwa drei Uhr morgens einen Hochpunkt erreicht.

Ablauf der zervikale Dilatation während des Geburtsverlaufs: (1) Cervix ungeweitet (2) Muttermund dilatiert 1 cm (3) Muttermund auf 5 cm dilatiert (4) vollständig gedehnt 10 cm.

Eröffnungsphase[Bearbeiten]

Die normale Geburt (auch Spontangeburt) des Menschen beginnt mit der Eröffnungsphase, dem ersten Stadium der Geburt. Sie beginnt meist mit unregelmäßigen Wehen mit einer Frequenz von 2–3 Wehen in 30 Minuten. Ziel der Eröffnungswehen ist die Verkürzung der Cervix uteri (Gebärmutterhals) und die Erweiterung des Muttermundes. Im Verlauf der Eröffnungsphase erhöht sich die Wehenfrequenz normalerweise langsam bis auf 2–3 Wehen in 10 Minuten. Auch der Rhythmus wird meist regelmäßiger. Die Dauer der Wehen in der Eröffnungsphase beträgt durchschnittlich 60 Sekunden. Eine Geburt ist allerdings ein sehr individueller Vorgang, weshalb Wehen in Abstand, Dauer und Intensität und damit auch die Geburtsdauer sehr unterschiedlich sein können. Das Eröffnen der Fruchtblase verstärkt manchmal die Wehen.

Während einer Wehe oder auch Kontraktion zieht sich die Gebärmutterwand über den vorangehenden kindlichen Teil, also meist den Kopf, nach oben zurück. Man bezeichnet diesen Vorgang als Retraktion. Als Folge der Retraktion wird der untere Bereich der Gebärmutter gedehnt. Das Kind wird von der Gebärmutter Richtung Beckenausgang gedrückt, gleichzeitig wird der untere Teil der Gebärmutter mit dem Gebärmutterhals über den führenden Kindsteil nach oben zurückgezogen. Dies bezeichnet man als Distraktion. Als Folge kommt es zur Öffnung des Muttermundes. Die Eröffnung des Muttermundes hängt aber auch von weiteren, vor allem von psychischen und hormonellen, Faktoren ab. Ist die Gebärende entspannt und fühlt sie sich wohl, wird die Eröffnung des Muttermundes erleichtert und geht in der Regel schneller vor sich, als wenn sie angespannt ist. Visualisierungen und bestimmte Atemtechniken können zur Entspannung und zur leichteren Eröffnung des Muttermundes beitragen.

Übergangsphase[Bearbeiten]

Das letzte Drittel der Eröffnungsphase wird auch Übergangsphase genannt. In ihr steigt die Wehenfrequenz häufig, die Kontraktionen werden meist stärker und die Schmerzen intensiver. Der Kopf des Kindes tritt durch das Becken der Mutter. Hierzu muss das Kind eine 90-Grad-Drehung machen: Zunächst „schaut“ das in Schädellage liegende Kind auf die rechte oder linke Hüfte der Mutter, um in den querovalen Beckeneingang eintreten zu können. Während der Übergangsphase dreht es sich, wenn die Geburt regelgerecht verläuft, mit dem Gesicht nach hinten, in Richtung Steißbein.

Austreibungsphase[Bearbeiten]

Siehe auch Geburtsmechanik

Wenn der Muttermund annähernd oder vollständig eröffnet ist (8–10 cm), beginnt die Austreibungsphase, das dritte Stadium der Geburt. In ihr ändert sich der Charakter der Wehen erneut. Es kommt zu einer durchschnittlichen Frequenz von 6–7 Wehen in 15 Minuten. Wenn der kindliche Kopf entsprechend tief ins Becken eintritt, drückt er auf den mütterlichen Darm. Dies hat zur Folge, dass bei der gebärenden Frau reflektorisch ein Pressdrang ausgelöst wird. Die Frau hat dann meist unweigerlich das Bedürfnis, mitdrücken zu müssen, und unterstützt somit die uterinen Kräfte mit jenen ihrer Bauchmuskulatur. Dieser Pressdrang kann allerdings bei einer Periduralanästhesie abgeschwächt oder sogar ganz unterdrückt werden.

Der kindliche Kopf wird bei normalem Geburtsverlauf gebeugt. Während der Kopf den Beckenboden überwindet und austritt, geht er in eine Überstreckung über. Ist der Kopf geboren, tritt normalerweise eine Wehenpause ein und mit der nächsten Wehe macht das Kind wieder eine Drehung um 90°, schaut also dann wieder nach rechts oder nach links, damit die Schultern aus dem längsovalen Beckenausgang austreten können. Sind die Schultern geboren, folgt der Rest des kindlichen Körpers unmittelbar.

Die das Kind umgebenden Eihäute werden Fruchtblase genannt. Diese kann entweder vor Wehenbeginn oder in jeder Geburtsphase springen. Sehr selten bleibt die Fruchtblase bei der Geburt des kindlichen Kopfes intakt. Man spricht dann von einer „Glückshaube“.

Nachgeburtsphase[Bearbeiten]

Mutter mit neugeborener Tochter

Das letzte Stadium der Geburt ist die Plazentaphase (Nachgeburtsphase). Die Dauer dieser Geburtsphase kann stark variieren, bei natürlicher Geburtsbegleitung beträgt sie wenige Minuten bis zu einer Stunde und länger, während sie bei der aktiven medikamentösen Geburtsbegleitung die Zeit von 30 Minuten nicht überschreiten sollte. Diese Geburtsphase endet mit der Geburt des Mutterkuchens und der Fruchtblase (Nachgeburt). Diese wird durch Hebamme oder Arzt auf Vollständigkeit überprüft. Löst sich die Plazenta nicht oder nur unvollständig bzw. bleiben Teile davon in der Gebärmutter zurück (Placenta accreta), ist eine manuelle Lösung der Plazenta oder eine Ausschabung zur Verhinderung von Infektionen und Gewebewucherungen notwendig.

Nach der Geburt kann das gesunde Neugeborene vom Geburtshelfer oder der Mutter selbst auf ihre Brust oder Bauch gelegt und warm zugedeckt werden, um das Bonding und erstes Stillen zu ermöglichen bzw. die Geburt der Plazenta zu erleichtern. Will die Mutter nicht stillen, kann das Kind in dieser Zeit auch zunächst dem Vater übergeben werden, um dessen Bindung an Mutter und Kind zu bestätigen oder zu festigen.

Die Nabelschnur wurde noch bis vor einigen Jahren sofort nach der Entbindung durchtrennt. Heutzutage warten die Geburtshelfer damit oft, bis die Nabelschnur aufgehört hat zu pulsieren. Manche Geburtshelfer durchtrennen die Nabelschnur aber erst, wenn die Plazenta geboren ist.

Im Anschluss an die Entbindung wird der Zustand des Neugeborenen nach einer, fünf und zehn Minuten klinisch beurteilt und der Apgar-Score bestimmt.

Medizinische Interventionen[Bearbeiten]

Während der Austreibungsphase kann ein Dammschnitt sinnvoll werden. Ein präventiver Dammschnitt (vorsorglicher Dammschnitt ohne zwingenden Grund) wird heute seltener durchgeführt als vor ein paar Jahren. Meist wurde ein solcher Dammschnitt damit begründet, den Beckenboden dadurch vor schlimmeren Verletzungen schützen zu können. Dies ist jedoch widerlegt. Allerdings wird ein Dammschnitt heute dann ausgeführt, wenn es dem Kind unter der Geburt schlecht geht, dann kann er die Austreibungsphase um wertvolle Minuten verkürzen.

Bei einer Wehenschwäche oder Erschöpfung der Mutter während der Austreibungsphase wird manchmal mit dem „Kristeller-Handgriff“ von außen während der Wehe kräftig auf die Gebärmutteroberkante gedrückt; Allerdings ist dieser Eingriff umstritten, da er ein gewisses Verletzungsrisiko der inneren Organe der Mutter sowie die Gefahr einer vorzeitigen Plazentalösung mit sich bringt, insbesondere durch falsche Anwendung. Auch kann es beim „Kristellern“ zu Uterusrupturen kommen.

Weitere Hilfsmittel zur schnelleren vaginalen Geburtsbeendigung sind Saugglocke und Geburtszange, ihre Anwendung wird vaginal-operative Entbindung genannt. Auch hierfür ist in erster Linie ein Besorgnis erregender kindlicher Zustand Indikation. Ferner sind Pressunvermögen der Gebärenden verschiedenen Ursprungs (Erschöpfung, Periduralanästhesie) Gründe, die Geburt mittels Kunsthilfe zu vollenden.

Medizinische Aspekte[Bearbeiten]

Die medizinische Disziplin, die sich mit der Geburt befasst, ist die Geburtshilfe. Eine Hebamme ist in besonderer Weise ausgebildet, um Geburtshilfe zu leisten. Nach deutschem und österreichischem Recht ist sie die einzige, die eine Geburt alleine leiten darf. Auch ein Arzt in Deutschland hat, außer in Notfällen, immer die Pflicht, eine Hebamme herbeizurufen.[4]

In der Vergangenheit starb eine große Anzahl Frauen während der Geburt meist auf Grund von zu hohem Blutverlust oder im Wochenbett, oft aufgrund von Wundinfektionen infolge mangelnder Hygiene (siehe Kindbettfieber) und schlechter Ernährung. Auch heute noch sterben in Entwicklungsländern eine halbe Million Frauen jährlich in der Schwangerschaft oder im Zusammenhang mit der Geburt.[5] Die größte Gruppe, ungefähr 25 Prozent, am Blutverlust nach der Geburt; Infektionen, Geburtskomplikationen, Gestosen sind weitere Ursachen. Die Müttersterblichkeit erreicht in Entwicklungsländern die 1-Prozent-Schwelle, die Kindersterblichkeit – um die Geburt – liegt oft höher als 5 Prozent. Zudem sind häufig die nächsten Krankenhäuser, die Hilfe wie zum Beispiel blutungsstillende Medikamente oder die Durchführung eines Kaiserschnitts anbieten, sehr weit entfernt oder für die Betroffenen ist der medizinische Eingriff unbezahlbar.

In Industrieländern ist die Mütter- und Säuglingssterblichkeit niedrig. Hauptursachen für die Müttersterblichkeit sind hier peripartale Blutungen durch Uterusatonie, HELLP-Syndrom und eine Fruchtwasserembolie.

In den ersten sechs Wochen nach der Geburt besteht bei der Mutter ein erhöhtes Risiko eines thrombotischen Ereignisses, besonders bei Vorliegen von weiteren Risikofaktoren wie eine vorhergehende Thrombose, eine primäre Hyperkoagulabilität oder Rauchen. In einer retrospektiven Crossover-Kohortenstudie in Kalifornien mit über 1,6 Millionen Erstgebärenden aller Ethnien traten in den ersten sechs Wochen im Vergleich zu den sechs Wochen im Jahr darauf 22,1 thrombotische Ereignisse pro 100.000 Frauen mehr auf, und in den Wochen 7-12 3,0 thrombotische Ereignisse mehr auf. Dabei zeigte sich in den ersten sechs Wochen eine Odds Ratio von 8,5 für einen Schlaganfall, von 13,0 für einen Herzinfarkt und von 12,1 für eine tiefe Beinvenenthrombose.[6]

Geburtsschmerzen[Bearbeiten]

Eine menschliche Geburt kann weit schmerzhafter sein als im Tierreich, auch im Vergleich zu den dem Menschen nahestehenden Affen. Die Gründe dafür sind zwei menschliche Besonderheiten: der große Kopfumfang, bedingt durch das relativ große Gehirn, und der aufrechte Gang. Das Becken, genauer der Beckenboden, der Frau muss deshalb zwei widersprüchliche Aufgaben erfüllen: Einerseits muss er straff genug sein, die Eingeweide vor dem Herausfallen zu bewahren (vgl. hierzu Gebärmuttervorfall), andererseits muss er so dehnbar sein, ein Kind mit einem Kopfdurchmesser von ca. 10 cm passieren lassen zu können.[7] Die Schmerzen vor und während der Geburt können mittels intravenös gespritzter Schmerzmittel, einer Periduralanästhesie (PDA) oder mittels diverser Entspannungstechniken reduziert werden. Verbreitet werden auch homöopathische Mittel und Akupunktur verwendet. Das Schmerzempfinden während der Geburt hängt größtenteils auch von der Ausschüttung bestimmter Hormone ab. Ist die Gebärende entspannt und fühlt sie sich wohl und geborgen, werden in ihrem Körper Hormone (u. a. Serotonin und Oxytocin) ausgeschüttet. Das Serotonin verringert das Schmerzempfinden, wobei das Oxytocin die Wehen verstärkt. Fühlt sich die Frau nicht wohl, hat sie Angst und verspannt sich, wird in der Folge vor allem Adrenalin ausgeschüttet, was die Wehentätigkeit hemmt und das Schmerzempfinden erhöht.

Natürliche Geburt[Bearbeiten]

Nach Dick-Reads Lehre sind Angst und Unwissenheit die schlimmsten Feinde der natürlichen Entbindung. Deswegen dürfe die Frau nicht als passives Opfer in ein ihr unbekanntes Geschehen hineinstolpern. Sie müsse in allen Phasen der Geburt zu aktiver Mitarbeit herangezogen werden. Nach seiner Auffassung ist die Geburt nicht Schmerz sondern Arbeit. Die Frauen sollten ihre Arbeit kennen. Sie haben gelernt, die Absichten der Natur zu verstehen und zu nutzen, statt Widerstand zu leisten. Bei einer normalen Geburt beeinflusst nicht der Wehenschmerz den Gemütszustand der Frau, sondern umgekehrt der Gemütszustand erst den Schmerz auslöse. Frauen sollten die Geburt als ihre persönliche Leistung verstehen. Seine Behauptung: Es gibt keinen Schmerz bei der Geburt oder vielmehr, es dürfte keinen geben. Den Begriff Wehenschmerz ersetzte er durch Muskelgefühl.[8]

Dick-Read entwickelte das später nach ihm Readsche Methode benannte System der pränatalen Psychoprophylaxe. Dabei wird durch seelische und körperliche Beeinflussung der werdenden Mutter der Geburtsschmerz herabgesetzt. Die Beeinflussung kann durch systematische gymnastische Entspannungs- und Lockerungsübungen, Aufklärung und Belehrung über das Geburtsgeschehen oder Ausschaltung der zu Verkrampfungen und Schmerzen führenden Geburtsangst erfolgen.

Nach der Theorie von Dick-Read entstehen ein großer Teil von Angst und Schmerzen durch Erwartungen vor der Geburt. Er nannte dieses Phänomen Angst-Verkrampfungs-Schmerz-Syndrom (Fear-Tension-Pain-Syndrom). Dick-Read lehnte Schmerzmittel nicht grundsätzlich ab, da sich auch Ängste nicht unbedingt immer abbauen lassen. Dick-Read hat auch zum ersten Mal die unterstützende Rolle des Vaters bei der Geburt berücksichtigt.[9]

Verschiedene Sichtweisen der Geburt[Bearbeiten]

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Für die Behauptungen in diesem Abschnitt fehlt es an Nachweisen, die zitierten Prozentangaben sind ebenfalls unbequellt
Hausgeburt

Die Geburt stellt für die Schwangere und gegebenenfalls weitere Beteiligte (meist den Vater) ein sehr emotionales Erlebnis dar. Sie ist teilweise mit großen Schmerzen, aber auch mit großen Freuden verbunden. In der Regel wird die Geburt um so positiver empfunden, je vertrauter der Gebärenden die Umgebung ist.

Geburten finden derzeit im europäischen Kulturkreis in der Regel im Kreißsaal eines Krankenhauses unter der Leitung einer Hebamme und eines Arztes statt, gelegentlich auch in einem nur von Hebammen geleiteten Kreißsaal.

Daneben gibt es von Hebammen geführte Geburtshäuser, und die Hausgeburt, die zurzeit in Österreich, Deutschland und der Schweiz ca. 2 Prozent ausmacht. In den Niederlanden liegt die Hausgeburtsrate bei über 30 Prozent. In den USA gibt es einzelne Fälle einer Hausgeburt völlig ohne medizinischen Beistand, eine sogenannte unassisted childbirth (deutsch etwa: Alleingeburt). Wassergeburten gelten als besonders schonend, weil sich die Mutter im warmen Wasser besser entspannen kann. Auch kommen bei Wassergeburten seltener Dammverletzungen vor und die Blutung nach der Geburt ist im Durchschnitt geringer.

Die generelle Herangehensweise und Atmosphäre bei einer Geburt ist je nach Ort, Umfeld und Anspruch sehr verschieden. Wichtigstes Ziel ist die Gesunderhaltung und das Erkennen von Abweichungen von der Normalität unter der Geburt. Wie das genau zu erreichen ist, ist aber umstritten. Dabei gibt es zwei grundlegende Sichtweisen, die es immer zu verbinden gilt:

  • Auf der einen Seite wird die Geburt als medizinisches Ereignis gesehen, das eine Reihe von Risiken mit sich bringt. Ein Ziel ist daher, Kind und Mutter durch Eingreifen in das Geburtsgeschehen vor möglichst vielen Risiken und vor allem vor bleibenden Schäden zu schützen.
  • Auf der anderen Seite wird die Geburt als normaler körperlicher Vorgang gesehen, der in den meisten Fällen ohne Komplikationen abläuft. Daher seien auch nur selten medizinische Eingriffe wie Betäubungsmittel oder Dammschnitt erforderlich.

Wie die Geburt gesehen wird und wie sie im Einzelfall abläuft, ist unterschiedlich. Deutliche Unterschiede sind abhängig vom jeweiligen Krankenhaus, den behandelnden Ärzten und den Hebammen zu beobachten. Verantwortungsbewusste Hebammen prüfen sorgfältig, ob eine Geburt zu Hause oder im Geburtshaus vertretbar erscheint. Anderenfalls raten sie zur Entbindung in Kliniken.

Vorteile einer vaginalen Geburt[Bearbeiten]

Ähnlich wie das natürliche Stillen, bietet auch eine natürliche Geburt zahlreiche Vorteile. Die Mikroflora beeinflusst auch den Körpergeruch des Kindes.[10]

Eine ausführliche Gegenüberstellung von Argumenten findet sich bei Wunschkaiserschnitt

„Die Geburt ist die weitaus gefährlichste Phase im menschlichen Leben. Wer sie hinter sich hat, der hat schon viel erreicht. Alles, was bis zu seinem natürlichen Tode folgt, ist ein Kinderspiel dagegen.“

Hans Naujoks auf dem Gynäkologenkongress 1954

Die soziokulturelle Geburt in der Soziologie[Bearbeiten]

In der Soziologie wird mit René König und Dieter Claessens von der „zweiten, soziokulturellen Geburt“ des Menschen gesprochen, auch als Übergang von der „Humanisation“ zur „Sozialisation“ bezeichnet.

Während der Humanisation ist das Neugeborene etwa ein Jahr lang auf die zugleich anthropologisch (auch: biosoziologisch) und sozial geprägte Dyade zwischen Säugling und „Dauerpflegeperson“ angewiesen, um das spezielle „Urvertrauen“ zu gewinnen, mit dem es später sozial lernen kann (der Sozialisation fähig wird). In der Zoologie wird die Humanisation als das „extra-uterine Frühjahr“ bezeichnet (Portmann; uterus (lat.) = die Gebärmutter).

Rechtliche Aspekte der Geburt[Bearbeiten]

In Deutschland[Bearbeiten]

Das Einsetzen der Eröffnungswehen gilt im Strafrecht als „Zäsur für den Beginn des menschlichen Lebens“.[11] Mit der Vollendung der Geburt ist der Beginn der Rechtsfähigkeit (§ 1 BGB) des Menschen verbunden. Als vollendet gilt die Geburt mit dem vollständigen Austritt des Kindes aus dem Mutterleib, ohne dass die Nabelschnur durchtrennt ist.[12] Ebenfalls beginnt die rechtliche Verantwortung der Eltern im Rahmen des Sorgerechtes. In der ersten Woche nach der Geburt werden dem örtlichen Standesamt die Daten für die Erstellung der Geburtsurkunde übermittelt.

In Österreich[Bearbeiten]

In Österreich setzt die Rechtsfähigkeit des Neugeborenen im Wesentlichen ebenfalls mit dem Beginn der Eröffnungswehen ein. Zu diesem Zeitpunkt ändern sich auch die rechtlichen Konsequenzen, die bei einer Tötung der Leibesfrucht gelten, vom Schwangerschaftsabbruch (§ 96 StGB) hin zum Mord (§ 75), Totschlag (§ 76), Tötung eines Kindes bei der Geburt (§ 79 StGB) oder etwa fahrlässiger Tötung (§ 80 StGB). Stirbt bereits nach der Zeugung, aber vor der Geburt des Kindes ein potentieller Erblasser, ist der „Nasciturus“ (zu Gebärender) als bereits geboren anzunehmen und ein entsprechender Erbteil zu reservieren. Handelt es sich in der Folge um eine Totgeburt, wird dieser Erbteil unter den lebenden Erben so aufgeteilt, als hätte es die Schwangerschaft nicht gegeben (Nichtigkeit ex tunc).

Spezielle Geburtsbegriffe[Bearbeiten]

  • Frühgeburt – Geburt eines Kindes vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche
  • eine verlängerte Schwangerschaft über die vollendete 42. Schwangerschaftswoche (42 Wochen + 0 Tage) hinaus wird als Übertragung bezeichnet.
  • überstürzte Geburt – eine ungewöhnlich schnell verlaufende Geburt.
  • Fehlgeburt ist die Bezeichnung für eine Geburt eines Feten von weniger als 500 g, wenn er vor oder während der Geburt stirbt; die Geburt eines abgestorbenen Feten mit einem Geburtsgewicht über 500 g heißt Totgeburt
  • Risikogeburt – Geburt mit erhöhter Gefährdung des Kindes oder der Mutter
  • vaginale Geburt: Geburt durch den weiblichen Geburtskanal
  • Schnittentbindung, umgangssprachlich Kaiserschnitt

Statistische Daten[Bearbeiten]

Entbindungen in deutschen Krankenhäusern
Jahr Entbundende
Frauen
davon durch
Kaiserschnitt
Anteil
1991 822.842 126.297 15,3 %
1992 797.784 128.991 16,2 %
1993 785.183 132.334 16,9 %
1994 757.693 131.351 17,3 %
1995 749.086 131.921 17,6 %
1996 778.900 140.184 18,0 %
1997 795.724 147.314 18,5 %
1998 766.508 149.723 19,5 %
1999 750.617 152.612 20,3 %
2000 746.625 160.183 21,5 %
2001 715.136 161.548 22,6 %
2002 698.410 170.249 24,4 %
2003 687.508 175.341 25,5 %
2004 682.767 183.122 26,8 %
2005 664.597 183.346 27,6 %
2006 652.642 186.889 28,6 %
2007 664.454 194.526 29,3 %
2008 662.783 200.452 30,2 %
2009 644.274 201.480 31,3 %
2010 656.390 209.441 31,9 %

Quelle: Statistisches Bundesamt

Im Jahr 2003 gab es in Deutschland 589 Krankenhäuser mit einer geburtshilflichen Fachabteilung, im Jahr 2013 insgesamt 430. Bei klinischen Geburten in Deutschland lag die durchschnittliche Verweildauer im Jahr 2003 bei 5,2 Tagen, im Jahr 2012 bei 4,1 Tagen. Eine ambulante Klinikgeburt (mit maximal einem Tag Verweildauer) wird von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland mit durchschnittlich 922 Euro vergütet.[13]

Literatur[Bearbeiten]

Leitlinien[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Eva Labouvie: Andere Umstände : eine Kulturgeschichte der Geburt, Köln [u. a.] : Böhlau, 1998
  • Manuela Raydt: Geburt: Wichtige Tipps zur Vorbereitung, Taschen-Hebamme (Taschenbuch), München: Irisiana 2007, ISBN 3-7205-5007-9
  • Das Imaginäre der Geburt: Praktiken, Narrationen und Bilder, hrg. von Christoph Wulf, Anja Hänsch und Micha Brumlik, München: Wilhelm Fink, 2008, ISBN 3-7705-4718-7

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geburt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Geburt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Geburt – Zitate
 Wikisource: Geburt – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DWDS, Stichwort entbinden, Etymologisches Wörterbuch (nach Pfeifer)
  2. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache
  3. J. C. Condon, P. Jeyasuria, J. M. Faust, C. R. Mendelson: Surfactant protein secreted by the maturing mouse fetal lung acts as a hormone that signals the initiation of parturition. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band 101, Nummer 14, April 2004, S. 4978–4983, ISSN 0027-8424. doi:10.1073/pnas.0401124101. PMID 15044702. PMC 387359 (freier Volltext).
  4. § 4 HebG
  5. Unicef: Müttersterblichkeit
  6. Hooman Kamel, Babak B. Navi, Nandita Sriram, Dominic A. Hovsepian, Richard B. Devereux, Mitchell S.V. Elkind: Risk of a Thrombotic Event after the 6-Week Postpartum Period. New England Journal of Medicine 2014, Band 370, Ausgabe 14 vom 3. April 2014, Seiten 1307-1315,DOI:10.1056/NEJMoa1311485
  7. Jürgen Brater: Lexikon der rätselhaften Körpervorgänge. 8. Aufl., Piper, 2008, ISBN 3-492-23940-4.
  8. Dick-Read, G.: Mutterwerden ohne Schmerzen. Die natürliche Geburt, Hoffmann und Campe, 12. Auflage, Hamburg 1963
  9. Stiefel, A.; Geist, C.; Harder, U.: Hebammenkunde. Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. 5. Auflage, Hippokrates Verlag, Stuttgart 2013; ISBN 978-3-8304-5493-9
  10. Science.ORF.at: Geburtsmethode prägt Bakterienflora. Abgerufen am 10. Juli 2010.
    Forschung aktuell – Deutschlandfunk: Der Duft der Geburt. Abgerufen am 10. Juli 2010.
  11. BGHSt 32, 194
  12. Palandt 64. Auflage § 1
  13.  Deutscher Bundestag (Hrsg.): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Cornelia Möhring, Birgit Wöllert, Sabine Zimmermann (Zwickau), weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 18/738 – Wirtschaftliche Lage der Hebammen und Entbindungspfleger. Nr. 18/900, Berlin 21. März 2014, ISSN 0722-8333, S. 3, 9 (PDF-Datei).