Mainauer Kundgebung

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Die Mainauer Kundgebung vom 15. Juli 1955, von Otto Hahn initiiert, war ein Friedens-Appell von zunächst 18 internationalen Nobelpreisträgern, der den Staaten und Regierungen der Welt die Gefahren der militärischen Nutzung der Kernenergie deutlich machen sollte.

Ein Jahr später auf der Tagung der Nobelpreisträger in Lindau (Bodensee) hatten sich dann auf Bitte Otto Hahns insgesamt 51 Nobel-Laureaten der Warnung vor einem nuklearen Krieg angeschlossen:


"Wir, die Unterzeichneten, sind Naturforscher aus verschiedenen Ländern, verschiedener Rasse, verschiedenen Glaubens, verschiedener politischer Überzeugung. Äusserlich verbindet uns nur der Nobelpreis, den wir haben entgegennehmen dürfen.
Mit Freuden haben wir unser Leben in den Dienst der Wissenschaft gestellt. Sie ist, so glauben wir, ein Weg zu einem glücklicheren Leben der Menschen. Wir sehen aber heute mit Entsetzen, dass ebendiese Wissenschaft der Menschheit Mittel in die Hand gibt, sich selbst zu zerstören.
Voller kriegerischer Einsatz der heute möglichen Waffen kann die Erde so stark radioaktiv verseuchen, dass ganze Länder und Völker vernichtet werden. Dieser Tod kann die Neutralen ebenso treffen wie die Kriegführenden.
Wenn ein Krieg zwischen den Grossmächten entstünde, wer könnte garantieren, dass er sich nicht zu einem solchen tödlichen Kampf entwickelte? So ruft eine Nation, die sich auf einen totalen Krieg einlässt, ihren eigenen Untergang herbei und gefährdet die ganze Welt.
Wir leugnen nicht, dass vielleicht heute der Friede gerade durch die Furcht vor diesen tödlichen Waffen aufrechterhalten wird. Trotzdem halten wir es für eine Selbsttäuschung, wenn Regierungen glauben sollten, sie könnten auf lange Zeit gerade durch die Angst vor diesen Waffen einen Krieg vermeiden. Angst und Spannung haben so oft Krieg erzeugt. Ebenso scheint es uns eine Selbsttäuschung zu glauben, kleinere Konflikte könnten weiterhin stets durch die traditionellen Waffen entschieden werden. In äusserster Gefahr wird keine Nation sich den Gebrauch irgendeiner Waffe versagen, die die wissenschaftliche Technik erzeugen kann.
Alle Nationen müssen zu der Entscheidung kommen, freiwillig auf die Gewalt als letztes Mittel der Politik zu verzichten. Sind sie dazu nicht bereit, so werden sie aufhören zu existieren."


In der weiteren politischen Entwicklung kam es im April 1957 zu einem ähnlichen, noch deutlicheren Appell einer als Göttinger Achtzehn bekannten Gruppe deutscher Atomforscher gegen die nukleare Bewaffnung der Bundeswehr, die wiederum von Otto Hahn, dem damaligen Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, angeführt wurde.

Unterzeichner[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]