Tagung der Nobelpreisträger in Lindau

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Die Tagungen der Nobelpreisträger (Lindau Nobel Laureate Meetings) finden jährlich in Lindau am Bodensee statt. Kern der Tagung sind die Begegnung und der wissenschaftliche Austausch der Nobelpreisträger mit Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Nobelpreisträger-Treffen fand vom 10. bis 14. Juni 1951 statt, damals mit dem Namen Europa-Tagungen der Nobelpreisträger. Die Tagungen wurden von Gustav Parade, Internist am Lindauer Kreiskrankenhaus, und Franz Karl Hein, frei praktizierender Gynäkologe und Lindauer Stadtrat, initiiert. Graf Lennart Bernadotte, der Besitzer der Insel Mainau im Bodensee, wirkte als „Ehrenprotektor“ der Tagungen von Beginn an mit. Von besonderer Bedeutung für den Erfolg der Tagungen waren die guten Verbindungen zum Nobelpreis-Komitee in Stockholm, die der dem schwedischen Königshaus entstammende Graf Lennart Bernadotte besaß. Durch diese Tagungen wurde versucht, die durch den Nationalsozialismus entstandene Isolation der deutschen Wissenschaft zu überwinden.

Am 15. Juli 1955 wurde von 18 Nobelpreisträgern als Erstunterzeichner in der Mainau Declaration[1] davor gewarnt, Kernwaffen einzusetzen. Weitere 34 Wissenschaftler schlossen sich der Erklärung mit ihrer Unterschrift an.[2]

Organisation[Bearbeiten]

Kuratorium[Bearbeiten]

Bis 1954 organisierten ein Arbeitsausschuss, der Lindauer Verkehrsverein und der Stadtrat als beschließendes Gremium die jährlichen Nobelpreisträgertreffen. 1954 wurde dann das Kuratorium für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau (e. V.) gegründet, auch um die finanzielle Sicherheit der Treffen zu gewährleisten und die Kontakte zu akademischen Einrichtungen auszubauen. Graf Lennart Bernadotte wurde der erste Präsident des Kuratoriums und übergab dieses Amt 1987 an seine Frau, Gräfin Sonja Bernadotte. Als diese im Oktober 2008 verstarb, übernahm die gemeinsame Tochter, Gräfin Bettina Bernadotte, das Amt (seit November 2008). Heute sind ausgewiesene Wissenschaftler der entsprechenden Disziplinen (Chemie, Physik, Physiologie oder Medizin, Wirtschaftswissenschaften), zu denen Tagungen stattfinden, Mitglieder des Kuratoriums, darunter auch Mitglieder der den Nobelpreis verleihenden Institutionen.

Stiftung[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 wurde die Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee auf Initiative von Bundespräsident Roman Herzog, der Familie Bernadotte sowie von Nobelpreisträgern gegründet. Der Stifterversammlung gehören inzwischen über 200 Nobelpreisträger an. Im Ehrensenat der Stiftung sind u. a. Josef Ackermann, Angela Merkel und Ernst-Ludwig Winnacker Mitglied. Die Stiftung baut ein Stiftungskapital auf, aus dessen Erträgen in Zukunft ein Teil der jährlichen Kosten der Nobelpreisträgertagungen getragen werden soll. Dieser Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der finanziellen Grundlagen der Treffen ist neben der von Kuratorium und Stiftung gemeinsam betriebenen „Mission Education“ Hauptaufgabe der Stiftung.

Neuere Entwicklung der Tagungen[Bearbeiten]

In den letzten Jahren hat sich die Tagung stark internationalisiert. Von den ca. 600 Nachwuchswissenschaftlern einer Tagung kommen nur noch 100 aus Deutschland. Die übrigen 500 werden von einem internationalen Netzwerk sogenannter „Akademischer Partner“ (Akademien der Wissenschaften, Ministerien, Universitäten, Stiftungen) nominiert und dann von einem „Review Panel“ der Nobelpreisträgertagungen evaluiert und ausgewählt.

Das 61. Treffen der Nobelpreisträger fand vom 26. Juni bis 1. Juli 2011 statt und war der Medizin gewidmet. Unter anderen war Bill Gates im Namen seiner Stiftung eingeladen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bertrand Russell, Andrew G. Bone: The Collected Papers of Bertrand Russell (Volume 28): Man's peril, 1954-55, Seite 375. ISBN 0-415-09424-0, abgefragt am 14. Juli 2010
  2. Nobelprice.org: Linus Pauling, abgefragt am 14. Juli 2010