Mansfelder Bergwerksbahn

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Mansfelder Bergwerksbahn
Station Bocksthal aus Richtung Ernst-Schacht
Station Bocksthal aus Richtung Ernst-Schacht
Strecke der Mansfelder Bergwerksbahn
Streckenkarte der Bergwerksbahn zur Zeit des größten Ausbaus
Streckenlänge: 11,8 km
Spurweite: 750 mm (Schmalspur)
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0,0 Benndorf Übergang zu DB AG
Bahnübergang
0,1 L 225
   
0,8 Lichtloch 81
   
nach Leimbach und Hettstedt
BSicon .svgBSicon KRZo.svgBSicon .svg
1,0 Brücke 22, Klostermansfeld–Wippra / –Güsten
Brücke (klein)
1,1 Brücken 23/24
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
Abstellgleis, ehem. bis Ernst-Schächte u.a.
Bahnhof, Station
1,2 Bocksthal (Keilbahnhof)
   
2,9 Zirkel-Schacht
Bahnübergang
3,0 B 180 ehem. B 242
   
zum ehem. Ernst-Thälmann-Schacht
Haltepunkt, Haltestelle
5,1 Thondorf
Brücke (klein)
5,3 Brücke 25
Bahnübergang
6,3 ehem. B 180
Gleisdreieck – geradeaus, nach rechts, von rechts
6,4 Siersleben zum ehem. O.-Brosowski-Schacht
Brücke (klein)
7,7 Brücke 26, Niewandt-Schacht
   
8,2 Paradies
Planfreie Kreuzung – oben
8,2 Brücke 27, Klostermansfeld–Güsten
Bahnübergang
ehem. B 180
Brücke (klein)
9,5 Brücke 28
Haltepunkt, Haltestelle
9,8 Eduard-Schacht
   
10,7 Hettstedt Kupfer-Kammer-Hütte Pbf
   
zur Feinhütte
Dienst-/Güterbahnhof – Streckenende
11,8 Hettstedt Kupfer-Kammer-Hütte Gbf
Bekohlungsanlage der MBB, im Hintergrund die mehrspurige Schiebebühne der MaLoWa mit der Wipperliese
Dampflok 20" ex SŽD-Baureihe ГР-320 (LKM 15417/1951) in Hettstedt
Dampflok 10 mit Museumszug im Sommer 1991

Unter dem Namen Mansfelder Bergwerksbahn (MBB) wird auf einem Teil des ehemals umfangreichen Netzes von Bergwerksbahnen im Mansfelder Land eine dampfbetriebene Museumseisenbahn betrieben. Sie hat die Spurweite 750 Millimeter.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nachdem jahrhundertelang Erz (Kupferschiefer) von den Gruben und kleinen Schächten zu den Brennplätzen und Hütten mit Fuhrwerken befördert worden war, stieß man Ende des 19. Jahrhunderts durch die Eröffnung von größeren Schächten und der Eröffnung der Krughütte in Eisleben an die Grenzen. Daher wurde 1886 beschlossen, eine „Lokomotivförderbahn“ zu bauen. Aufgrund des hügeligen Geländes entschied man sich (vor allem wegen des geringeren technischen und finanziellen Aufwandes) zum Bau einer Schmalspurbahn mit 750 mm Spurbreite. Am 15. November 1880 eröffnete die Mansfelder Bergwerksbahn ihren Betrieb, um Erze, Kohle, Koks und andere Materialien zu transportieren. Zunächst wurde eine 4,5 km lange Strecke zwischen dem Glückhilfsschacht bei Welfesholz und der Kupferkammerhütte in Hettstedt eröffnet. Es zeigte sich schnell, dass der Bahntransport erhebliche finanzielle Vorteile brachte. Daher wurde das Streckennetz in den Jahren 1882 bis 1886 systematisch ausgebaut. Rückgrat des Netzes war die 24 km lange Strecke von Eisleben nach Hettstedt. Sie begann auf der Krughütte in Eisleben und ging dann über Ernst-Schacht und Hövel-Schacht zum Bahnhof Mansfeld (später umbenannt in Klostermannsfeld). Von dort ging es weiter über Leimbach, Gottesbelohnungshütten, Kupferkammerhütte zum Kohlenbahnhof Hettstedt. An diesen Hauptstrang wurden nur die unmittelbar in der Nähe befindlichen Schächte angeschlossen.

Ausbau[Bearbeiten]

In den Jahren 1898 bis 1906 wurden die neu aufgeschlossenen Schächte wie Zirkel-Schacht, die Niewandt-Schächte und der Paul-Schacht angeschlossen. Im 25. Jahr des Bestehens war das Gleisnetz auf 48 km angewachsen, dazu kamen noch 26 km Anschluss- und Nebenbahnen. Parallel zum Bau der Bergwerksbahn wurden auf den Staatsbahnhöfen Mansfeld und Hettstedt spezielle Schmalspurbahnhöfe angelegt. Deren Gleise lagen 6,5 m tiefer als die der Normalspurbahn, so dass die Umladung der Schüttgüter durch Kippen der Normalspur-Waggons erfolgte. Andere Güter wie Maschinenteile oder Grubenholz wurde auf nebeneinanderliegenden Gleisen umgeladen, ebenso die von den Hütten kommenden Schlackensteine. Durch den Anschluss der Krughütte in Eisleben (1901) und der Kupfer-Silber-Hütte in Hettstedt (1914) an das Normalspurnetz verloren die Umladebahnhöfe weitgehend ihre Bedeutung. Neben dem Materialtransport wurde die Bahn auch zum Personentransport eingesetzt. 1906 besaß die Bergwerksbahn über 26 Lokomotiven, 705 Güterwagen (2–6 t Ladegewicht) und 30 Personenwagen mit rund 1100 Sitzplätzen; die Belegschaft bestand aus 401 Mitarbeitern. In diesem Jahr wurden über 980.000 t Ladung und etwa 780.000 Personen befördert.

Weiterer Ausbau[Bearbeiten]

Die nächste Erweiterung des Streckennetzes auf 95 km erfolgte in den Jahren 1913 bis 1924, als die Großschächte Vitzthum-Schacht und Wolf-Schacht angeschlossen wurden. Das Streckennetz aus dieser Zeit zeigt die Abbildung. Eine wesentliche Neuerung war im Jahr 1932 die Einführung des Rollbetriebs. Hierbei wurden die Güter nicht mehr umgeladen, sondern die Normalspurwagen wurden komplett auf einen speziellen Schmalspurwagen aufgefahren („Huckepack“) und transportiert. Eine geplante weitere Modernisierung konnte wegen des Zweiten Weltkrieges nicht umgesetzt werden. Erst Anfang der 1950er Jahre konnte das Rollmaterial erneuert werden, so wurden 8 Dampfloks (1951–1954) und 8 Dieselloks (1959–1962) sowie neue Personen- und größere Rollwagen angeschafft. Dennoch war der Betrieb unwirtschaftlich, da aufgrund des hohen Leergewichtes der Normalspurwagen die Nettotransportleistung unbefriedigend war. Die Transportleistung wurde gesteigert, an Werktagen wurden 6000 t Erz, 1500 t Hütten-Zwischenprodukte sowie 80 bis 120 Normalspur-Güterwagen transportiert. In Spitzenzeiten verkehrten bis zu 52 Personenzüge am Tag und bewältigten einen Großteil des Berufsverkehrs, der jedoch ab 1960 auf Busbetrieb umgestellt wurde.

Rückbau und Stilllegung[Bearbeiten]

Die Erschöpfung der Lagerstätte in der Mansfelder Mulde und die Verlagerung in die Sangerhäuser Mulde führte zu erheblichen Veränderungen. So wurde am 1. November 1961 die Rohhütte in Helbra an das Normalspurnetz angeschlossen, so dass der Rollbetrieb praktisch eingestellt wurde. Bis 1969 schlossen schrittweise alle Schächte im Mansfeldischen; die Streckenlänge schrumpfte auf 20 Kilometer. Mit der Einstellung des Kupferschieferbergbaus sowie der Verhüttung und der Liquidierung des VEB Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck Eilsleben endet die Geschichte der Mansfelder Bergwerksbahn im Regelbetrieb.

Bahnwerkstatt Klostermansfeld[Bearbeiten]

Bereits im Jahre 1882 wurde am Bahnhof Mansfeld eine Bahnwerkstatt errichtet. Sie diente zur Wartung von Wagen und Lokomotiven. Lange Zeit mussten alle Arbeiten mit hohem körperlichen Aufwand durchgeführt werden, erst in den 1950er Jahren folgte eine Modernisierung, insbesondere nach Einführung der Dieselloks. Die Arbeit in der Werkstatt erforderte hohes handwerkliches Geschick, so dass sich ein Stamm von qualifizierten Handwerkern heranbilden konnte. Diese Tatsache hat das Überleben der Werkstatt nach dem Ende des Bergbaus und der Verhüttung ermöglicht. Durch ein „management buyout“ wurde im Jahr 1991 aus der Bahnwerkstatt des VEB Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck Eilsleben die Mansfelder Lok- und Waggonbau Bahnwerkstatt Mansfeld GmbH (Klostermansfeld), jetzt MaLoWa Bahnwerkstatt GmbH in Benndorf. MaLoWa hat sich auf Reparaturen von Dampf- und Dieselloks sowie Personen- und Güterwagen aller Spurbreiten spezialisiert, die von z. B. Museumseisenbahn-Vereinen weiter betrieben werden.

Museumsbetrieb[Bearbeiten]

1991 schlossen sich Bahnliebhaber zum Verein Mansfelder Bergwerksbahn e.V. (MBB e.V.) zusammen. Dank des Vereins wurden Fahrzeuge und ein Stück des Streckennetzes erhalten. Direkt neben dem DB-Bahnhof Klostermansfeld betreibt der Verein einen eigenen Bahnhof, der zur Unterscheidung Benndorf heißt. 1994 kaufte der Verein 11,8 Kilometer der Strecke und kümmert sich seitdem um den Erhalt von 7 Brücken und 17 Bahnübergängen. Der Verein hat seinen Sitz im Bahnhofsgebäude von Klostermansfeld. Der Landkreis Mansfeld-Südharz unterstützt die Aktivitäten, bekennt sich damit zu den Bergbautraditionen des Landstrichs. Mit Fördermitteln der EU ist das einstige Bahnhofsrestaurant umgestaltet worden und steht für Veranstaltungen zur Verfügung.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Dampflokomotiven
Diesellokomotiven V 10 C
  • Lok 31, LKM Babelsberg 1961
  • Lok 33, LKM Babelsberg 1962
  • Lok 35, LKM Babelsberg 1962
  • Lok 36, LKM Babelsberg 1961
Ehemalige Lokomotiven
  • Lok 7, Orenstein & Koppel 1931 – verkauft 2002 an die Eisenbahn Betriebsgesellschaft Prora, aktuell im Einsatz für die Rügensche BäderBahn als 99 4011-5
  • Lok 8, Orenstein & Koppel 1931 – ehem. Lok 6, dauerhaft ausgestellt im Außengelände vom Mansfeld-Museum in Hettstedt
  • Lok 9, Orenstein & Koppel 1931 – verkauft 2014 und in Betrieb bei der Swerdlowsker Kinder-Eisenbahn in Jekaterinburg[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mansfeld - Geschichte des Berg- und Hüttenwesens, Verlag Deutsches Bergbau-Museum, November 1999, ISBN 3-921533-69-4
  • Mansfeld - Die Geschichte des Berg- und Hüttenwesens, Bd. 3: Die Sachzeugen, Verlag Deutsches Bergbau-Museum, Lutherstadt Eisleben und Bochum 2008, ISBN 978-3-937203-40-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mansfelder Bergwerksbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.iks.hs-merseburg.de/mansfeld/menu/index-fahrzeuge.htm, abgerufen am 26. Mai 2014