Marcus Verrius Flaccus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Marcus Verrius Flaccus (* um 60 v. Chr. in Praeneste[1]) war ein römischer Grammatiker und Lehrer zur Zeit der Kaiser Augustus und Tiberius. Er war auch ein angesehener Philologe und Altertumsforscher.

Er war ein Freigelassener; sein Manumissor wurde als Verrius Flaccus identifiziert, eine Autorität des priesterlichen Rechts. Aus chronologischen Gründen wurde jedoch (Teuffel-Schwabe, Geschichte der römischen Literatur) ein Veranius Flaccus vorgeschlagen, Autor von Weissagungen.

Verrius Flaccus erlangte einen so guten Ruf als Lehrer, dass er an den Hof geholt wurde, um Gaius Caesar und Lucius Caesar, die Enkel des Augustus, zu erziehen. Er zog darauf mit seiner gesamten Schule um, woraufhin sein Gehalt stark angehoben wurde, damit er darauf verzichtete, neue Schüler zu übernehmen. Er starb im fortgeschrittenen Alter in der Zeit des Kaisers Tiberius (Sueton, De Grammaticis, 17). Eine Statue zu seinen Ehren wurde in Praeneste in einer Marmornische aufgestellt, die mit Inschriften aus seinen Fasti versehen wurde. Von diesem römischen Festkalender (Fasti Praenestini) wurden im Jahr 1771 einige Fragmente außerhalb der Stadt Rom an einem christlichen Gebäude aus späterer Zeit wiederentdeckt, 1778 noch weitere an ihrem ursprünglichen Ort. Die Sammlung konnte später um noch zwei Fragmente erweitert werden.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Sein wichtigstes Werk ist das erste lateinische Wörterbuch De verborum significatione. Das Werk bietet zu alphabetisch angeordneten Wörtern Erklärungen der Bedeutung und grammatikalisch-historische Erläuterungen. Es ist damit ein Vorläufer des Lexikons. Es wurde später von Sextus Pompeius Festus bearbeitet und ist nur in der überarbeiteten Form erhalten.

Andere verlorene Werke Flaccus’ sind:

  • De Orthographia: De Obscuris Catonis, eine Erläuterung von Unklarheiten in den Schriften Catos des Älteren
  • Saturnus, zu Fragen der römischen Kulte
  • Rerum memoria dignarum libri, ein enzyklopädisches Werk, das von Plinius dem Älteren viel benutzt wurde
  • Res Etruscae, vermutlich über Weissagungen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe Schmidt (2002) Sp. 81; vgl. Suet. gramm. 17.

Literatur[Bearbeiten]

Zu den Fragmenten der Fasti siehe:

  • Corpus Inscriptionum Latinarum, I, S. 311.
  • Giuseppe Gatti: Due nuovi Framinenti del Calendario di Verrio Flacco. In Atti della Reale Accademia del Lincei. 5. Serie, Bd. 5, Teil 2, 1898, S. 421.
  • Hermann Winther: De Fastis Verrii Flacci ab Ovidio adhibitis. R. Gaertnerum, Berlin 1885.
  • John Edwin Sandys: A history of classical scholarship.Band 1. Cambridge University Press, Cambridge 1906, s. v. "Verrius.
  • Fragmente von Flaccus in: Karl Otfried Müller: Sexti Pompei Festi de verborum significatione quae supersunt cum Pauli epitome emendata et annotata. Leipzig 1839.
  • Peter Lebrecht Schmidt: Verrius [I] M. V. Flaccus. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 12/2, Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01487-8, Sp. 81 f.