Matej Bel

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Matej Bel.jpg

slowakisch Matej Bel, lateinisch Belius, deutsch Matthias Bel; ungarisch Mátyás Bél, (* 24. März 1684 in Očová bei Zvolen (dt. Altsohl), Königliches Ungarn bzw. Kaiserthum Österreich; † 29. August 1749 in Pressburg) war ein slowakischer Historiker, lutherischer Theologe, Pädagoge und Geschichtsschreiber aus dem Königreich Ungarn.

Leben[Bearbeiten]

Außer der Tatsache des Schulbesuchs in Neusohl, ist über die Kindheit und Jugend Bels kaum etwas bekannt. 1704 immatrikulierte sich Bel mit zwanzig Jahren an der Universität Halle für das Fach Medizin. Später wechselte er an derselben Universität zur Theologie. Neben einem kleinen Stipendium, verdiente sich Bel seinen Lebensunterhalt während des Studiums als Hauslehrer.

Als solcher fiel er dem Pädagogen August Hermann Francke auf und dieser engagiert ihn als Lehrer an seiner Armenschule. 1708 erhielt Bel einen Ruf als Rektor an die evangelische Schule in Neusohl. Als solcher begann Bel nun einige Schriften des Kirchenlieddichters Johann Anastasius Freylingshausen und des Theologen Johann Arndt in die Tschechische Sprache zu übersetzen.

Bel publizierte ein, von Zeitgenossen vielbeachtetes, Neues Testament; ebenfalls in tschechischer Sprache. Parallel zu seinem Beruf als Schuldirektor wirkte Bel auch als Prediger der Pfarrkirche der Jungfrau Maria (in der Stadtburg Banská Bystrica). Als 1714 die evangelische Schule in katholischen Besitz überging und die evangelische Gemeinde sich nach Pressburg orientierte, holte man Bel noch im selben Jahr als Pädagoge auch dorthin.

1716 heiratete Matthias Bel in Pressburg. Sein Sohn war der spätere Historiker Karl Andreas Bel.

Fünf Jahre später berief man Bel 1719 zum Prediger der dortigen evangelisch-deutschen Gemeinde. Die nächsten Jahre übersetzte Bel neben seinem Neuen Testament den Rest und konnte 1722 Die ganze Bibel in böhmischer Sprache veröffentlichen. Dazu verfasste Bel noch eine Einleitung zur Lesung der Bibel für Jedermann. Grundlage seiner Bibelübersetzung waren die Bibel-Ausgaben des Schweizer Humanisten Sebastian Castellio.

Thomas von Kempens Werk De imitatione Christi übersetzte Bel - auf der Grundlage einer Ausgabe von Castellio - ebenfalls ins Tschechische. Diese Neuausgabe sorgte für großes Aufsehen und der katholische Klerus versuchte Bel bei Kaiser Karl VI. zu verklagen. Dieser aber befand Bels Arbeit als derart bemerkenswert, dass er ihn zu seinem Geschichtsschreiber ernannte, in den persönlichen Adelsstand erhob und dessen Buchveröffentlichungen äußerst großzügig unterstützte.

Als 1740 Kaiser Karl VI. in Wien starb, wurden durch die Hofverwaltung sofort alle finanziellen Zuwendungen des Kaiserhauses an Bel gestoppt. Dies hatte zur Folge, dass einige Werke Bels erst sehr spät, einige erst posthum erscheinen konnten. Bei seinen Veröffentlichungen arbeitete Bel sehr oft mit dem Kartographen und Kupferstecher Samuel Mikoviny zusammen.

Neben der Theologie und Geschichte seines Landes, interessierte sich Bel aber auch für die Geographie, Pädagogik und Volkswirtschaft. So gehörte er ab 1746 zu den Mitgliedern der Olmützer Societas incognitorum, der ersten aufklärerischen Gelehrtengesellschaft in den habsburgischen Ländern. Daneben führte er einen ausführlichen Briefwechsel mit der Preußischen Akademie der Wissenschaften (Berlin), der Royal Society (London) und der Russischen Akademie der Wissenschaften (Sankt Petersburg), deren Mitglied er auch war.

Im Alter von 65 Jahren starb der Historiker und Theologe als Senior der evangelisch-lutherischen Prediger zu Pressburg. Die umfangreiche Büchersammlung sowie alle Manuskripte erwarb der Fürst-Erzbischof von Pressburg Ludwig Batthyányi und schenkte sie seinem Domstift.

Nach Matej Bel benannt sind die Matej-Bel-Universität Banská Bystrica, der Planetoid 22644 Matejbel sowie die am Anfang des 21. Jahrhunderts sukzessive erscheinende große slowakische allgemeine Enzyklopädie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften Encyclopaedia Beliana.

Gedenkprägungen[Bearbeiten]

  • 1984 Tschechoslowakei: 100 Kronen (Silber) auf den 300-Jahrestag seiner Geburt
  • 1984 Bronzeplakette, 80 x 80 mm, auf den gleichen Anlass, Medailleur: Alexander Vika

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Neues Testament (in böhmischer Sprache, Halle 1709)
  • De vetere literatura hunno-scythica exercitatio (Leipzig 1718);
  • Adparatus ad historiam Hungariae (Posonii [Pressburg] 1735 bis 1746);
  • Hungariae antiquae et novae prodromus (Nürnberg 1723), der Vorläufer seines Hauptwerks:
  • Notitia Hungariae Novae Historico-Geographica (Wien 1735-42, 4 Bde.; unvollendet).
  • Ethica Davidico-Salomonea 1724
  • Vorwort zur Grammatik von Pavel Jozef Doležal/Doleschalius: Grammatica Slavico-Bohemica, in qua praeter alia, ratio accurate scriptionis et flexionis, quae in hac lingua magnis difficultatibus laborat ex genuinis fundamentis demonstratur, ut et discrimen inter dialectum Bohemorum et cultiorum Slavorum in Hungaria insinuatur. [...] Praefatus est Matthias Belius. (Posonii [Pressburg] 1746).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]