Mattenenglisch

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Mattenenglisch (Dialekt: Matteänglisch, mattenenglisch: Itteme-Inglische) ist eine Sonder- und Geheimsprache, welche im Mattequartier in Bern und überhaupt von der Stadtberner Unterschicht gesprochen wurde. Die gelegentlich vorgenommene terminologische Differenzierung zwischen Mattenenglisch für die von den Mattenbewohnern benutzte Geheimsprache und Mattenberndeutsch für den ursprünglich in der Matte gesprochenen Dialekt ist zwar praktisch, letztlich aber künstlich.

Der Dialekt der Matte (Mattenberndeutsch)[Bearbeiten]

Während die Innenstadt Berns auf einem Hügel auf der Aarehalbinsel liegt, befindet sich das Mattequartier direkt am Aareufer und ist von der restlichen Stadt deutlich abgetrennt, so dass sich hier eine eigenständige Kultur mit einem eigenständigen Dialekt herausbilden konnte. Die Mätteler waren ursprünglich Taglöhner, Fischer, Fuhrleute und vieles mehr und gehörten damit der städtischen Unterschicht an. Fremdarbeiter und Handelsleute brachten Wörter aus dem Französischen und dem Rotwelschen (und damit aus dem Hebräischen und Jenischen) mit, und aus dem deutschen Wortschatz entstanden durch Vokalwechsel, Konsonantenaustausch und Verballhornungen ganz neue Wortgebilde. So entstand ein Soziolekt, der sich deutlich vom Stadtberndeutsch der gehobenen Schicht unterschied.

Ein bekanntes Beispiel für den Mattendialekt ist Tunz mer e Ligu Lehm ‚Gib mir ein Stück Brot‘. Tunz stammt von französisch donner ‚geben‘, Ligu soll rotwelsch sein,[1] und Lehm ist vom Rotwelschen vermitteltes hebräisches lechem ‚Brot‘.

Mattenberndeutsch heute[Bearbeiten]

Zwar sind die Dialektunterschiede zwischen Matte und dem restlichen Bern heute verschwunden, doch sind viele Ausdrücke aus der Matte ins Berndeutsche eingeflossen, so z. B. Gieu ‚Knabe‘. Echtes Mattenenglisch gab es so lange, wie das handwerkliche Gewerbe an der Matte stattfand. Heute existiert es nicht mehr im alltäglichen Sprachgebrauch der Mätteler. Es gibt jedoch einen Liebhaberclub, bei dem man Mattenenglisch erlernen kann.

Mattenenglisch als Geheimsprache[Bearbeiten]

Die mattenenglische Geheimsprache ist eine Spielsprache in der Art des sogenannten Pig Latin. Gebildet wird sie aus den Wörtern des Dialekts wie folgt:

  • Die erste Silbe bis einschliesslich erstem Vokal wird an den Schluss gestellt.
  • Fängt die erste Silbe mit einem Vokal an, wird ein h eingeschoben und dann die Silbe ans Ende gestellt.
  • An den Anfang wird ein i gestellt.
  • Der letzte Buchstabe (ein Vokal) wird durch e ersetzt.

So wird Bärn zu Irnbe oder chlaue (stehlen) zu iuechle. In der Sprachwissenschaft nennt man diesen Typus eine I-E-Sprache.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Laut Otto von Greyerz zu rotwelsch Legow, Ligium; ein Wort, das Siegmund A. Wolf in seinem Wörterbuch des Rotwelschen, Mannheim 1956, allerdings nicht aufführt.