Aare

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Dieser Artikel beschreibt einen Fluss in der Schweiz; zum gleichnamigen Ort in Schweden siehe Åre.
Aare
Die Aare in Bern mit Berner Münster

Die Aare in Bern mit Berner MünsterVorlage:Infobox Fluss/KARTE_fehlt

Daten
Gewässerkennzahl CH: 37, DE: 22
Lage Schweiz
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Ursprung Unteraargletscher im Grimselgebiet
46° 33′ 57″ N, 8° 14′ 49″ O46.5658333333338.24694444444441940
Quellhöhe 1'940 m ü. M.Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen (Unteraargletscher)
Mündung Bei Koblenz (CH) in den Rhein47.6061944444448.22375311Koordinaten: 47° 36′ 22″ N, 8° 13′ 26″ O; CH1903: 659039 / 273130
47° 36′ 22″ N, 8° 13′ 26″ O47.6061944444448.22375311
Mündungshöhe 311 m ü. M.Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen [1]
Höhenunterschied 1629 m
Länge 288,2 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Einzugsgebiet 17.620 km²Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Abfluss am Pegel Untersiggenthal, Stilli (2205)[2] NNQ (1963)
MQ
HHQ (2007)
138 m³/s
560 m³/s
2656 m³/s
Linke Nebenflüsse Lütschine, Kander, Glütschbach, Gürbe, Saane, Zihl, Dünnern
Rechte Nebenflüsse Zulg, Emme, Önz, Murg, Pfaffneren, Wigger, Suhre, Bünz, Reuss, Limmat, Surb
Durchflossene Seen Brienzersee, Thunersee, Bielersee
Durchflossene Stauseen Oberaarsee, Grimselsee, Räterichsbodensee, Wohlensee, Stausee Niederried, Klingnauer Stausee
Großstädte Bern
Mittelstädte Thun, Biel/Bienne
Kleinstädte Münsingen, Solothurn, Olten, Aarau, Brugg
Schiffbar Nidau – Solothurn

Die Aare (frz. Aar/Arole; lat. Arula/Arola/Araris[3]) ist der längste gänzlich innerhalb der Schweiz verlaufende Fluss. Sie ist zugleich der mit Abstand grösste Nebenfluss des Rheins vor der Maas und führt mehr Wasser als Mosel und Main zusammen. Die Gesamtlänge der Aare beträgt 288 km, das Gefälle 1565 m, ihr Einzugsgebiet 17.620 km² und der mittlere Abfluss 560 m³/s.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf [Bearbeiten]

Einzugsgebiet der Aare
Renaturierte „Alte Aare“

Die Aare entspringt den Aargletschern (Oberaar‑ und Unteraargletscher) im Grimselgebiet einige Kilometer südlich von Guttannen, passiert Innertkirchen und durchquert die tief eingeschnittene Aareschlucht oberhalb von Meiringen im Haslital.

Bei Brienz mündet sie in den Brienzersee. Die Aare durchfliesst dann das sogenannte Bödeli, mit Interlaken als bekanntestem Ort. Danach durchquert sie den Thunersee, wo sie die Kander aufnimmt.

Bei Thun verlässt die Aare den Thunersee und fliesst durch das breite Aaretal zwischen Münsingen und dem Belpberg nach Bern. Im Belpmoos treffen die Gürbe und die Giesse zusammen und münden gemeinsam in die Aare. In Bern macht die Aare einen engen Bogen um die auf einem Geländesporn errichtete Altstadt. Mit einer seit dem Mittelalter bestehenden langen Staustufe, der Schwelle, wird ein kurzer Kanal, der Tych, abgeleitet. Wenig unterhalb umfliesst die Aare in ähnlicher Weise die Engehalbinsel, bevor sie im Wohlensee zur Stromgewinnung gestaut wird.

Nach der Einmündung der Saane bei Oltigen südlich von Aarberg fliesst die Aare durch den künstlichen Hagneck-Kanal und bei Hagneck in den Bielersee. Bei Nidau verlässt sie den Bielersee durch den Nidau-Büren-Kanal, so dass sie vor Büren wieder auf ihr altes Flussbett trifft. Die Strecke des ursprünglichen Flusslaufs zwischen Aarberg und Büren an der Aare, die sogenannte Alte Aare, bildet ein weites naturbelassenes Gebiet, das nördlich des Kanals um den weiten, bei der Flusskorrektion abgeschnittenen Altlauf im so genannten Häftli ergänzt wird. Die Aarestrecke von Nidau bis Solothurn ist ebenso wie der Bielersee schiffbar.


Zusammenfluss von Aare (von vorne rechts) und Hochrhein zwischen Waldshut (oben links) und Bahnhof Koblenz (rechts)

Von Büren an der Aare an fliesst die Aare in einer weiten Ebene, die durch Verlandung des so genannten Solothurner Sees am Ende der letzten Eiszeit entstand, dem Jura entlang in nordöstlicher Richtung durch Solothurn nach Luterbach, wo die Emme mündet. Sie fliesst an Wangen an der Aare, Bannwil, Aarwangen, Wolfwil, Murgenthal, Aarburg, Olten und Aarau vorbei und in einer klammartigen Klus durch Brugg. Dann nimmt sie kurz nacheinander Reuss und Limmat auf. Diese Gegend wird Wasserschloss der Schweiz genannt, da sich dort drei der wasserreichsten Flüsse der Schweiz vereinigen. Die Landschaft rechts der Aare zwischen Thun und Aarwangen gehörte seit dem Mittelalter zur Landgrafschaft Burgund. 60 Gemeinden in den Agglomerationen Aarau, Olten und Zofingen bildeten um 2005 eine regionale Partnerschaft unter der Bezeichnung Aareland rund um die Netzstadt Aarau/Olten/Zofingen.

Von Brugg an fliesst die Aare bei Stilli durch eine breite Klus im Jura nach Norden. Zwischen dem Ortsteil Felsenau der Gemeinde Leuggern und Koblenz (CH) gegenüber von Waldshut (DE) mündet sie in den Rhein. Für die Strecke von Biel nach Koblenz benötigt die Aare eine Fliesszeit von rund zwei Tagen bei mittlerem Wasserstand.[4] Bemerkenswert ist, dass die Aare mit 560 m³/s der wasserreichere Fluss von beiden ist (Rhein: 439 m³/s). Aus hydrologischer Sicht ist also der Rhein ein Nebenfluss der Aare, nicht umgekehrt.

Geschichte des Flusssystems [Bearbeiten]

Die Aare zeichnet in ihrem gestreckt nordöstlich gerichteten unteren Laufabschnitt die seit rund 30 Millionen Jahren nachweisbare Entwässerungslinie der Vorlandsenke im Norden der sich heraushebenden Alpen nach. Nach der wechselvollen Auffüllung und schliesslichen Anhebung des einstigen schmalen Helvetmeeres entwässerte das Gebiet wechselnd west- oder ostwärts, bis sich im Pliozän vor 3 bis 4 Millionen Jahren das obere Flusssystem der Urdonau herausbildete. Eine Zeitlang war sein Hauptquellfluss sogar die obere Rhone. Im jüngeren Pliozän brach diese Aare-Donau zur Burgundischen Pforte hin aus und bildete als Aare-Sundgaustrom den Hauptstrang der Ur-Rhone. Am Ende des Pliozäns war die Talwasserscheide quer zum heutigen Oberrheingraben nahe dem einstigen Kaiserstuhl-Vulkan so weit abgesunken, dass der Strom erneut ausbrach und zum Hauptstrang des sich rasch ausweitenden Rhein-Systems wurde. Erst vor rund 800.000 Jahren wurde der Alpenrhein, damals Hauptstrang der verbliebenen Donau, nach Westen zum heutigen Hochrheintal hin abgelenkt, wohl unter Mitwirkung der ersten grossen pleistozänen Vergletscherungen des Alpenvorlandes.

Damit war die Aare im Laufe ihrer Geschichte der oberste hydrologische Hauptstrang aller drei nordalpiner Stromsysteme.

Nutzungs- und Kulturgeschichte [Bearbeiten]

Seit der Antike diente die Aare mit einigen ihren Nebenflüssen dem Schiffsverkehr. Im Mittelalter war sie ein wichtiger Grenzfluss: Sie trennte z.B. die Stammesherzogtümer Burgund und Alemannien, war Grenzabschnitt der karolingischen Reichsteilungen und trennte auch eine Weile Hochburgund vom römisch-deutschen Reich. Mit der Gründung der Stadt Bern am Ende vom 12. zum 13. Jahrhundert änderte sich der Charakter der Aare, denn spätestens ab Mitte des 13. Jahrhundert gab es Brücken über den Fluss und entwickelten sich zusammenhängende Herrschaftsgebiete auf beiden Seite der Aare.

Die kurzen Grenzabschnitte, die heute scheinbar unmotiviert vom Aarebett abweichen, sind auf die früheren natürlichen Mäander zurückzuführen, die seinerzeit noch die Grenzziehung vorgegeben hatten und heute trocken gefallen sind. Im 19. Jahrhundert florierte im Mündungsgebiet der Aare die Holzflösserei; als Andenken wurde zwischen Stilli und Laufenburg der Flösserweg etabliert. Der Fernverkehr auf dem Fluss kam erst Ende des 19. Jahrhunderts zum Erliegen, nach dem Bau der Eisenbahnlinien und der ersten Flusskraftwerke.

Ausbau [Bearbeiten]

Auf mehreren Abschnitten wurde der Flussverlauf durch grosse Baumassnahmen verändert. Seit dem 18. Jahrhundert versuchten die Kantone Bern und Solothurn, die durch Erosion gefährdeten Ufer an zahlreichen Stellen zu sichern. Mit der ersten Juragewässerkorrektion, einem der grössten Flussbauprojekte der Schweiz im 19. Jahrhundert, sanierten Bund und Kantone das versumpfte und von häufigen Überschwemmungen bedrohte Berner Seeland, indem die Aare und ihr Geschiebe in den Bielersee umgeleitet wurden. Seit 1939 steuert das Regulierwehr Port den Wasserhaushalt der Seen und der Aare im Abschnitt am Jurasüdfuss. Die zweite Juragewässerkorrektion verbesserte um 1960 die Wirkung der Wasserstandregulierung.

Wasserkraft [Bearbeiten]

Beginnend mit den Stauseen Oberaarsee und Grimselsee im Quellgebiet dient die Aare der Elektrizitätsproduktion in zahlreichen Wasserkraftwerken. Am Flusslauf befinden sich die Schweizer Kernkraftwerke Mühleberg, Gösgen und Beznau, deren Kühlsysteme Wasser aus der Aare verwenden.

Aare Wasserkraftwerke:

Name Lage erste Inbetriebnahme Durchflussmenge m³/s Höhendif m Turbine Leistung MW Energie pro Jahr GWh/a
Theoretische Obergrenze - - 560 724 [5] - 4000 35'000
Matte Bern 1891 40 2-3 Kaplan-S 1.15 7
Flumenthal Flumenthal 1970 395 6-8.5 25 146
Ruppoldingen Ruppoldingen 2000 475 4-6.5 21.1 115
Gösgen Gösgen 1917 380 13-17.4 48.5 300
Thun Thun 9 38
BKW Wasserkraftwerk Mühleberg 588266 / 20202846.9692222222227.2844444444444 1919 300 20 1x Kaplan, 6x Francis 45 160

Galerie [Bearbeiten]

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Wiktionary Wiktionary: Aare – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Aare – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource Wikisource: Aare – Artikel der 4. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Bundesamt für Umwelt BAFU, http://www.hydrodaten.admin.ch/de/2116.html
  2. Hydrologisches Jahrbuch der Schweiz 2008, PDF, 37975 KB
  3. Andres Kristol: Aarau AG (Aarau) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 73.
  4. Broschüre der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Aare
  5. Höhe differenz bis Untersiggenthal (PDF; 79 kB)