Medardus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Medardus (* 456 in Salency, Grafschaft Vermandois, Nordfrankreich; † 8. Juni 545 in Noyon) war Mitte des 6. Jahrhunderts Bischof von Vermandois, dann von Noyon und später von Tournai, von wo aus er Flandern missionierte. Er wurde auf Geheiß des Königs im später nach ihm benannten Kloster Saint-Médard in Soissons nördlich von Paris begraben. Medardus war für seine Mildtätigkeit bekannt und wurde heiliggesprochen.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Oft heißt es, dass der heilige Godard (Gildard), welcher Erzbischof von Rouen war, sein Zwillingsbruder gewesen sein soll. Godard und Medardus sollen am selben Tag gestorben sein, so dass die Feste beider Heiliger zusammenfallen. Dies ist jedoch eine Legende, welche im 9. Jahrhundert das erste Mal aufkam und sich seitdem hartnäckig hält.

Medardus gilt bis heute als Patron der Schirmmacher und wird von den Bauern als Wetterheiliger für gutes Heuwetter angerufen. Laut der Sage stieg ein Adler vom Himmel, um ihn in einem schlimmen Unwetter vor dem Regen zu schützen.

In Frankreich tragen über 70 Gemeinden den Namen Saint-Médard, in Deutschland Medard (Glan) sowie ein Stadtteil Triers. Er wird weiterhin in Belgien und Deutschland als Schutzpatron verehrt, wie zum Beispiel in Ostdorf oder in der Stadt Lüdenscheid. Er ist auch Schutzpatron der kleinen italienischen Stadt Arcevia (Region Marken), die wahrscheinlich von den Franken im Mittelalter begründet wurde.

In den österreichischen Bundesländern gilt traditionellerweise der Medardus-Tag als der günstigste Tag, um Möhren (Karotten) für die Herbsternte anzusäen.

Viele Kirchen haben das Patrozinium des hl. Medardus, siehe Medarduskirche.

Patronate[Bearbeiten]

Der Heilige ist Schutzpatron der Stadt Lüdenscheid, sowie der Bauern, Winzer, Bierbrauer und Schirmemacher. Er wird sowohl bei Regen, Zahnschmerzen, Fieber und Geisteskrankheiten als auch für trockenes Heuwetter und eine gute Ernte angerufen. Zudem soll er zur Befreiung aus der Gefangenschaft verhelfen.

Ikonographie und Heiligenattribute[Bearbeiten]

Medardus wird mit einem Herzen in der linken Hand und lachend dargestellt.

Gedenktag[Bearbeiten]

Sein katholischer Gedenktag ist der 8. Juni. Es handelt sich dabei um einen nichtgebotenen Gedenktag im Allgemeinen Römischen Kalender.

Bauernregel[Bearbeiten]

Für Medardus gibt es in Tschechien, in Ungarn und auch in Frankreich eine der Siebenschläferregel ähnliche Bauernregel, die das Wetter für 40 Tage vorhersagt:

Wenn es am Hl. Medardus regnet, wird es 40 Tage nass. ("Medardova kápě, 40 dní kape." bzw. "S'il pleut à la Saint Médard, il pleuvra 40 jours plus tard.") [1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Medardus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ähnlich bei: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 1596, online bei zeno.org