Mehrzweckzug

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Der Mehrzweckzug, Greifzug oder Habegger, linksrheinisch auch Hubzug, ist ein Gerät zum Heben oder Ziehen von Lasten und wird oft von Hilfsorganisationen wie Feuerwehr oder THW eingesetzt. Der umgangssprachliche Name des Mehrzweckzuges rührt von den Herstellerunternehmen, nämlich den Unternehmen Greifzug GmbH bzw. Habegger her. Bei den österreichischen Feuerwehren wird nur der Begriff Greifzug, in den schweizerischen der Habegger verwendet, der Begriff Mehrzweckzug ist dort eher unbekannt. In Deutschland ist der Mehrzweckzug regional auch als „Luxemburger“ bekannt.

Funktion[Bearbeiten]

Darstellung mehrzweckzug.jpg

Für die Arbeit mit einem Mehrzweckzug wird ein spezielles Stahlseil durch eine Zugvorrichtung gezogen, welches an einem Ende konisch geformt ist und am anderen Ende einen Lasthaken oder Lastbolzen aufweist. Durch Vor- und Rückwärtsbewegungen mit einem Bedienhebel (einem Hebelrohr) transportieren zwei Klemmvorrichtungen das Seil durch das Gerät. Je stärker die zu ziehende oder zu hebende Last ist, desto fester ziehen sich die zwei Klemmvorrichtungen (sog. Klemmbackenpaare) zusammen, ein Zurückrutschen des Seils ist also nicht möglich.

Zum Lösen der Zugspannung oder zum Ablassen von Lasten kann die Transportrichtung des Seils jederzeit umgekehrt werden: hierzu wird das Hebelrohr auf den zweiten Bedienhebel gesteckt. Dort bewirken die Vor- und Rückwärtsbewegungen, dass die Klemmbackenpaare das Zugseil in die entgegengesetzte Richtung transportieren.

Sofern die aufgebrachte Kraft die Nennzugkraft um etwa 25% überschreitet[1], wird ein Metallstift als Sollbruchstelle im Vorschubhebel zerstört. Ein weiteres Ziehen des Seils ist erst nach Austausch des Stiftes wieder möglich, sofern zuvor die angehängte Last reduziert oder die Zugkraft durch Einbau eines Flaschenzugs verringert wurde. Dabei ist zu beachten, dass nur Originalstifte des Herstellers verwendet werden dürfen, da sonst die für die Sollbruchstelle definierte Last nicht mehr korrekt ist.[1] Auch bei gebrochener Überlastsicherung ist ein Ablassen der Last weiterhin möglich.

Die Mehrzweckzüge gängiger Hersteller sind für jeweils 8, 16 oder 32 kN Zugkraft ausgelegt. Meist wird ein Sicherheitsfaktor von fünf angegeben: der Mehrzweckzug sollte also das Fünffache der maximalen Zugkraft zumindest halten können.

Der Mehrzweckzug arbeitet in jeder Lage und jeder Richtung mit gleich bleibender Sicherheit, also sowohl waagerecht, als auch schräg oder senkrecht und ist daher vielseitiger einsetzbar als beispielsweise eine fest auf einem Fahrzeug installierte Seilwinde, zumal der Mehrzweckzug in einer Kiste verpackt auch durch unwegsames Gelände an eine abgelegene Einsatzstelle transportiert werden kann.

Wenn der Mehrzweckzug im Gelände eingesetzt wird, wo keine Möglichkeit zur Befestigung an einem Festpunkt besteht, so verwendet man die Freilandverankerung mit Erdnägeln zur Befestigung.

Ursprung[Bearbeiten]

Der Mehrzweckzug wurde erfunden von Simon Faure, der am 5. September 1945 in Frankreich einen „Drahtseil-Zug- und Hebeapparat“ zum Patent anmeldet. 1948 wird in Luxemburg das Unternehmen Secalt gegründet, das den Apparat produziert und unter dem Markennamen Tirfor (v. frz. tirer „ziehen“, fort „stark“) vertreibt. Bald werden zahlreiche Tochtergesellschaften im Ausland gegründet, darunter die deutsche Greifzug GmbH und die amerikanische Griphoist Inc. Die genannten Unternehmen gehören heute zur weltweit operierenden Tractel-Gruppe mit Hauptsitz in Luxemburg. „Luxemburger“ ist bis heute ein regional gängiges Synonym für Mehrzweckzug.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Grundausbildung der Berufsfeuerwehr Köln