Melchiore Cesarotti

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Melchiore Cesarotti

Melchiore Cesarotti (* 15. Mai 1730 in Padua; † 3. November 1808 in Selvazzano) war ein italienischer Dichter, Übersetzer und Gelehrter.

Leben[Bearbeiten]

Cesarotti erhielt sehr jung den Lehrstuhl der Rhetorik am Seminar zu Padua, folgte aber 1762 einem Ruf als Lehrer in das Patrizierhaus Grimani nach Venedig, wo er seine Tragödien nebst zwei Abhandlungen: Sopra l'origine ed i progressi dell' arte poetica und Sopra, il diletto della tragedia, drucken ließ. Hier lernte er den soeben erschienenen Ossian des James Macpherson kennen, ging sogleich an die Erlernung des Englischen und veröffentlichte schon nach sechs Monaten eine Aufsehen erregende ausgezeichnete italienische Übersetzung des Gedichts in reimlosen Versen[1], die zur Neubelebung der italienischen Poesie beigetragen hat. Besonders bewunderte die Harmonie des Versbaues. Im Jahre 1768 erhielt Cesarotti die Professur der griechischen und hebräischen Sprache zu Padua und wurde 1779 ständiger Sekretär an der Akademie der Wissenschaften und Künste. In dieser Stellung verfasste er unter anderem seine Übersetzung der Ilias mit ausführlichen kritischen Erörterungen[2], die aber wegen der ganz außerordentlichen und meist ungerechtfertigten Freiheiten, die er sich erlaubte, als verfehltes Werk galt, wogegen der literarische Apparat, womit er dieselbe versah, seiner fast beispiellosen Vollständigkeit wegen sehr geschätzt wurde.

Sein um dieselbe Zeit begonnener weitläufig angelegter Corso ragionato della letteratura greca blieb unvollendet. Auf Veranlassung seiner Akademie schrieb er seinen vortrefflichen Saggio sulla filosofia delle lingue applicato alla lingua italiana[3] und als neuernanntes Mitglied der Arcadia zu Rom den nicht weniger geschätzten Ragionamento sulla filosofia del gusto. Im Auftrag der republikanischen Regierung verfasste er seinen Saggio sugli studii, die Instruzione d'un cittadino á suoi fratelli meno istruiti und den Patriotismo illuminato.

Napoléon Bonaparte ernannte ihn zum Ritter und später zum Kommandeur des Ordens der Eisernen Krone und verlieh ihm einen Jahrgehalt, wofür sich ihm Cesarotti durch sein Gedicht Pronea (1807) dankbar erwies. Außer den genannten Werken schuf er eine gleichfalls mit weitläufigem Kommentar begleitete Übersetzung des Demosthenes, eine Reihe verschiedener kleiner Abhandlungen, eine Anzahl Gedichte und eine reiche Sammlung von Briefen. Der große Ruhm, dessen Cesarotti bei Lebzeiten genoss, hat sich zwar nicht erhalten, immerhin aber gehört er zu den um die Wissenschaften verdientesten Männern seiner Nation. Eine noch von ihm selbst begonnene Gesamtausgabe seiner Werke wurde nach seinem Tod von Giuseppe Barbieri vollendet[4]. Eine Auswahl derselben erschien Mailand 1820, 4 Bände, und Bologna 1882 in einem Band.

Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. (Padua 1763, 2 Bände; vollständiger 1772, 4 Bände; Nizza 1780, 3 Bände; Mailand 1826–27, 4 Bände)
  2. Padua 1786–94, 10 Bände; Padua 1798–1802, 10 Bände
  3. Padua 1785, 8 Bände; Pisa 1800
  4. Pisa 1800–1813, 42 Bände