Mercedes-Benz OM 636

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Der OM 636-Motor ist ein Viertakt-Vorkammer-Dieselmotor mit vier Zylindern in Reihe, entwickelt und produziert von Mercedes-Benz. Er wurde 1949 vorgestellt. Nachfolger wurde der OM 621.

Diese Motoren wurden in PKWs, Kleintransportern und Klein-LKWs von Mercedes und anderen Herstellern seit Ende der 1940er Jahre über mehr als drei Jahrzehnte in Millionen-Stückzahlen eingebaut. Der Motortyp war nicht nur im PKW, sondern auch in mehreren anderen Branchen sehr erfolgreich, unter anderem als Antrieb für Gabelstapler und Boote, als Notstromversorgung usw. Diese Motoren sind noch heute auf den Straßen der Welt in tausenden Exemplaren unterwegs.

Das Kürzel "OM" steht für "Oel-Motor" (Motor, der mit Leichtöl/Diesel betrieben wird) und bezeichnet bis heute die Dieselmotoren von Daimler.

Geschichte[Bearbeiten]

Mercedes-Benz OM 636 in einem Unimog 401/411

Der OM 636-Motor kam 1949 im Modell 170 D der Serie W 136 in den Markt. Er war der erste Nachkriegs-PKW-Diesel und der dritte PKW-Diesel überhaupt, nach dem Mercedes-Benz 260 D und dem Hanomag Rekord aus der Vorkriegszeit. Die Ausgangsversion bot 28 kW (38 PS) Leistung aus 1.7 Litern Hubraum.

Auch das Ponton-Nachfolgemodell 180 D (W 120) nutzt den OM 636, mit leicht erhöhtem Hubraum von 1,8 Litern und 32 kW (43 PS) Leistung. In beiden Karosserievarianten wurde dieser Motortyp der Urheber der Legende vom unverwüstlichen Mercedes-PKW-Dieselmotor. Taxifahrer schwärmten von enormen Laufleistungen einzelner Motoren weit jenseits der 500.000 Kilometer.

Nach 1961, mit Erscheinen des Heckflossen-Nachfolgemodells W 110, wurde der OM 636 nicht mehr in PKW von Mercedes-Benz verwendet. Der modernere Dieselmotoren-Nachfolgertyp OM 621 lief mit einem Hubraum von 1.9, später 2.0 Litern, einer obenliegenden Nockenwelle (OHC) und einer Leistung von 50, später 55 PS bei in etwa gleich gebliebenem Verbrauch dem alten Motor in jeder Hinsicht den Rang ab – zunächst nur nicht bei der Langlebigkeit.

Daneben wurde der OM 636 jedoch in einer Vielzahl weiterer Verwendungen verbaut; angefangen vom Antrieb für den Unimog und in den ersten Versionen der Leichtlastwagen Mercedes-Benz L 319 und des Kleinbusses Mercedes-Benz O 319 wurde der Motor auch in Gabelstaplern, als Einbaumotor in Schiffen sowie zum Antrieb von Stromaggregaten, Feuerwehrpumpen und vielem anderen verwendet. Auch in PKW wurden weiterhin Motoren des Typs OM 636 verbaut: Seat in Spanien rüstete die vom Fiat 124 abgeleiteten Taximodelle noch bis in die späten 1980er Jahre optional mit diesem Mercedes-Motor aus.

Etwa seitdem der Motor nicht mehr in PKW verbaut wurde, fand die Fertigung nur noch in Spanien bei der MEVOSA statt. Als Einbau-Motor, z. B. für Gabelstapler, stand der Motortyp in den Preislisten von Daimler-Benz noch bis in die 1990er Jahre.

Technik[Bearbeiten]

Der Motor ist wassergekühlt und besitzt ein Thermostat mit Kurzschlussleitung. Motorblock und Zylinderkopf sind aus Grauguss, die dreifach gelagerte Kurbelwelle und die Pleuel sind aus Stahl geschmiedet. Die Kolben sind aus Leichtmetall. Der Motor hat hängende Ventile (2 je Zylinder) und eine untenliegende, über ein Zahnradpaar angetriebene Nockenwelle (OHV). Die Reihen-Einspritzpumpe wird von der Nockenwelle aus über ein weiteres Zahnradpaar angetrieben. Der Einlass und die Vorkammern sind links, Auslass, Nockenwelle und Einspritzpumpe sind rechts angeordnet.

Fahrzeug Ausführung Bohrung x Hub
[mm]
Hubraum
[cm3]
Verdichtung Leistung [kW / PS]
bei Drehzahl [1/min]
Drehmoment [Nm]
bei Drehzahl [1/min]
Höchstdrehzahl [1/min]
170 D (W 136) OM 636 I 73.5 x 100 1697 19.0 : 1 28 / 38 bei 3200 96 bei 2000
170 DS (W 191) OM 636 VI 75 x 100 1767 29 / 40 bei 3200 101 bei 2000
180 D (W 120) OM 636 VII 32 / 43 bei 3500 98 bei 1500 3600

Charakteristisch für diesen Motortyp sind die sehr große Schwungmasse und der raue, äußerst langsame Leerlauf (offizielle minimale Leerlaufdrehzahl war ca. 900 1/min, viele Bastler, z.b. bei selbstgebauten Bootsmotoren, reduzierten sie aber weit darunter, was wiederum u.a. das „raue Klangbild“ verursachte). Es gibt Kenner, die bei den Mercedes der 1950er Jahre allein anhand der Geräuschkulisse erkennen, dass dieser markante erste Großserien-Dieselmotortyp eingebaut ist.

Weitere Verwendung des OM 636[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]