Motorblock

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zylinderkurbelgehäuse

Ein Motorblock ist Teil eines Verbrennungsmotors. Er vereint in sich neben den Zylindern auch die Kurbelwellenlagerung und bei wassergekühlten Motoren den Wassermantel. Im Fachterminus jedoch wird der Verbund aus den eben genannten Bauteilen Kurbelgehäuse genannt. Am Motorblock befindet sich meist die Möglichkeit, die für den Betrieb des Motors notwendigen Nebenaggregate zu befestigen.

Hauptaufgaben[Bearbeiten]

Die Hauptaufgaben des Motorblocks sind

  • Übertragung der dynamischen Kräfte (Massen- und Gaskräfte) eines Motors,
  • Lagerung der Kurbelwelle,
  • und häufig der Nockenwelle (außer wenn diese im Zylinderkopf liegt),
  • gemeinsam mit der Ölwanne den Abschluss des Triebwerksraumes bilden,
  • Anschluss zu bieten zur Lagerung des Motors im Fahrzeug,
  • Aufnahme der Hilfsaggregate und
  • des Zylinderkopfs
  • sowie Aufnahme der evtl. vorhandenen Zylinderlaufbuchsen.

Aufgrund der Vielzahl an Aufgaben unterliegt das Kurbelgehäuse auch vielen Beanspruchungen, wie Massenmomenten, Torsionsmomenten oder Kräften aus der Übertragung der Gaskräfte vom Zylinderkopf zu den Kurbelwellenlagern.

Aufbau und verwendete Materialien[Bearbeiten]

Der Großteil aller hergestellten Motorblöcke kleiner und mittlerer Baugröße besteht aus einem Gussteil, wobei Gusseisen, Sphäroguss (für höhere Beanspruchung) und Leichtmetall (vorwiegend Aluminium) als Material Verwendung finden. Bei manchen mittleren und bei fast allen großen Motoren wird wegen der Gießprobleme der Motorblock in zwei oder auch mehr Gussteile getrennt. Am häufigsten sind in diesem Falle die Zylinder vom Kurbelgehäuse separat gefertigt und mit Dehnschrauben anmontiert. Um die mit zunehmender Gussteilgröße auftretenden Schwierigkeiten zu umgehen, werden für größte Motoren (Wärmekraftwerke und große Schiffsantriebe) Schweißkonstruktionen aus Stahl oder Stahlguss bevorzugt.

Weitere Unterscheidungsmerkmale[Bearbeiten]

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Gestaltung der Motorblock-Oberseite, die sogenannte Deckplatte. Hier wird unterschieden nach Closed-Deck- und Open-Deck-Konstruktionen. Bei der Closed-Deck-Ausführung ist der die Zylinder umgebende Wassermantel nach oben verschlossen, es sind also beim Aufblick auf den Motorblock nur die Zylinderbohrungen sowie die Motoröl- und Kühlwasserkanalbohrungen zu sehen. Bei einem Open-Deck-Block sind die Zylinder freistehend, und der Wassermantel ist nach oben offen, er wird dann mittels einer speziellen Kopfdichtung durch den Zylinderkopf beim Zusammenbau verschlossen; eine weitere Aufgabe des Zylinderkopfs ist die Fixierung der freistehenden und somit leicht beweglichen Zylinder. Vorteil der Closed-Deck-Konstruktion ist also die etwas höhere Steifigkeit des Motorblocks, dies wird allerdings mit einem komplizierteren Gießprozess erkauft.

Umgangssprachlich wird auch der Verbrennungsmotor eines Kraftfahrzeuges als ganzes als „Motorblock“ bezeichnet. Damit ist der gesamte Motor als Einheit gemeint, also der eigentliche Motorblock, ergänzt um den Kurbeltrieb - nämlich Kurbelwelle, Kolben und Pleuel mit allen Lagern, sowie der Zylinderkopf mitsamt Innereien. Dies ist jedoch nicht korrekt. Der Motorblock ohne Zylinderkopf und Nebenaggegate, aber einschließlich aller Einbauten, wird Rumpfmotor genannt.

Kennzeichnend für einen Motorblock ist die Verbindung von Kurbelwellenlagerung und Zylindern. Sehr oft ist der Motorblock das größte und teuerste Gussteil eines Kraftfahrzeugs. Oftmals ist unter dem Motorblock lediglich die Ölwanne montiert. Die untere Lagerung der Kurbelwelle mit einzelnen Lagerdeckeln (Guss- oder Schmiedeteile) und deren Lagerschalen zählt man mit zum Motorblock: Ein Motorblock ist erst vollständig, wenn er die Kurbelwelle aufnehmen kann und die Zylinder enthält.

Big Block und Small Block[Bearbeiten]

Big Block und Small Block sind aus den USA stammende Bezeichnungen zur Unterscheidung von V8-Kraftfahrzeugmotoren. Big-Block-Motoren wurden fast ausschließlich von Ford, General Motors und Chrysler in den USA produziert. Die Motoren wurden in großen amerikanischen Fahrzeugen, aber auch Muscle-Cars eingebaut. Heute kommen Big Blocks nur noch vereinzelt in hubraumstarken Fahrzeugen vor. Einige Pick-Ups, amerikanische Sportwagen und Lkw besitzen diese noch. Bei Big Blocks ist die Zylinderbohrung meist größer als 4 Zoll.

Der Small Block unterscheidet sich vom Big Block nicht in erster Linie durch die Hubraumgröße, sondern durch die Abmessungen des Motorblocks und den damit zur Verfügung stehenden Raum für die Brennräume (Bohrung meist kleiner als 4 Zoll). Es gibt beispielsweise Small-Block-Motoren mit 7,0 Litern Hubraum (Chevrolet Corvette Z06) wie auch Big-Block-Motoren mit 5,9 Litern Hubraum.

Die Chevrolet-Small-Block-Motoren wurden in den vergangenen 50 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und den Anforderungen angepasst. GM feierte im Jahr 2006 das 50-jährige Jubiläum seines Small Blocks[1] und hat am 29. November 2011 den Einhundertmillionsten Small Block produziert.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard van Basshuysen, Fred Schäfer: Handbuch Verbrennungsmotor Grundlagen, Komponenten, Systeme, Perspektiven. 3. Auflage, Friedrich Vieweg & Sohn Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden, 2005, ISBN 3-528-23933-6

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Motortrend Motortrend: Small Block
  2. heise: GM produziert den 100.000.000sten Small Block V8

Weblinks[Bearbeiten]

Links in englischer Sprache: