Mikalojus Konstantinas Čiurlionis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mikalojus Konstantinas Čiurlionis

Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (* 10.jul./ 22. September 1875greg. in Varėna; † 28. Märzjul./ 10. April 1911greg. in Pustelnik (Marki) bei Warschau) war ein litauischer Komponist und Maler.

Leben[Bearbeiten]

Čiurlionis, dessen Mutter deutsche Vorfahren hatte, war Sohn eines Organisten. Dementsprechend früh kam er mit Musik in Berührung. Er erhielt von 1889 bis 1893 Unterricht in der Orchesterschule des polnischen Fürsten Michał Ogiński in Plungė. Die Unterstützung des Fürsten ermöglichte ihm ab 1894 ein Musikstudium an der Warschauer Musikakademie Warschau in den Fächern Klavier und Komposition. Zu seinen Lehrern zählte Zygmunt Noskowski. 1899 erhielt er sein Diplom. Statt danach eine feste Anstellung anzunehmen, entschloss sich Čiurlionis, 1901/02 am Leipziger Konservatorium bei Carl Reinecke und Salomon Jadassohn seine musikalische Ausbildung zu perfektionieren. Ab 1902 begann er sich für die Malerei zu interessieren und nahm in Warschau ersten Malunterricht. Zusätzlich beschäftigte er sich immer stärker mit philosophischen Fragestellungen. "Der in der UdSSR äußerst populäre Nationalkünstler [...] hatte als Komponist und Maler die Synthese dieser beiden Kunstarten angestrebt."[1]. Von 1904 bis 1906 war er Schüler der Warschauer Schule der Schönen Künste. Danach war Čiurlionis sowohl kompositorisch als auch künstlerisch sehr aktiv: er gab Konzerte und wirkte an zahlreichen Kunstausstellungen mit. 1907/08 wohnte er in Vilnius. Danach ließ er sich in Sankt Petersburg nieder. Gegen Ende seines Lebens litt er unter psychischen Problemen. Er wurde in verschiedenen Kliniken behandelt, starb jedoch bereits im Alter von 35 Jahren an einer Lungenentzündung. Postum wurde ihm gerade in Litauen größte Anerkennung zuteil. Sowohl seine Musik als auch seine Gemälde erlebten große Resonanz. 1987 wurde eine Čiurlionis-Gesellschaft ins Leben gerufen. Vytautas Landsbergis gilt als größter Kenner seines Schaffens. Heute besitzt Čiurlionis den Status eines Nationalhelden. Die Mikalojaus Konstantino Čiurlionio gatvė in Vilnius ist nach ihm benannt.

Meeressonate, Finale (1908)

Čiurlionis als Komponist[Bearbeiten]

Čiurlionis' Schaffen hat seine Wurzeln in der Spätromantik. Üppige Harmonik und schwärmerische Klangbilder kennzeichnen schon seine ersten Werke. Auch die Volksmusik seines Landes hatte für ihn eine große Bedeutung; er sammelte zahlreiche Lieder und harmonisierte sie. Doch Čiurlionis war ein sehr innovativer Geist und begann, erstaunliche kompositorische Experimente zu unternehmen. Sehr beachtlich ist in diesem Zusammenhang die Entwicklung von Kompositionstechniken, die auf Reihen beruhen. Hier antizipierte er die Schönbergsche Zwölftontechnik, ohne freilich mit der Tonalität zu brechen. Dennoch zeigen seine Werke eine ungewöhnlich freie Harmonik. Auch hinsichtlich der Rhythmik erwies sich Čiurlionis sehr eigenständig. Er entwickelte sehr komplexe rhythmische Strukturen und wandte Polyrhythmik und sogar Polymetrik an. Manche seiner späteren Werke zeichnen sich durch stark ausgeprägte polyphone Strukturen aus, was einen Hang zum (Neo-) Klassizismus mit sich führt. Den Schwerpunkt seines kompositorischen Schaffens bildete die Klaviermusik. Interessant ist der Einfluss der Malerei auf seine Musik: viele Werke sind ganz deutlich malerisch angelegt und versuchen, Landschaften musikalisch darzustellen. Auch weisen seine Kompositionen eine bemerkenswerte klangliche Farbigkeit auf. Čiurlionis war der erste litauische Komponist von Format. Seine Werke, die von Vytautas Landsbergis katalogisiert wurden, besitzen allerdings auch internationale Bedeutung.

Čiurlionis als Maler[Bearbeiten]

Als Maler bevorzugte Čiurlionis Landschaften, stand aber auch dem Symbolismus nahe. Seine Bilder haben oft philosophische Hintergründe. Auffällig ist wiederum der Einfluss der Musik auf die Malerei: so schuf Čiurlionis mehrere Zyklen von Gemälden, die er als „Sonaten“ bezeichnete und deren einzelne Bilder er mit „Allegro“, „Andante“ u.ä. überschrieb. Hierbei orientieren sich die einzelnen Bilder am Charakter der jeweiligen musikalischen Vortragsanweisung: ein Andante zum Beispiel vermittelt also eine eher ruhige Atmosphäre. Manche Gemälde tragen sogar den Titel „Fuge“. Diese Synthese von Musik und Malerei ist kunsthistorisch einmalig. Čiurlionis schuf etwa 280 Bilder, darunter 200 Gemälde und 80 Grafiken.

Kompositionen[Bearbeiten]

  • Orchesterwerke
    • „Miške“ (Im Walde), Symphonische Dichtung (1900/01)
    • „Jūra“ (Das Meer), Symphonische Dichtung (1903-07)
    • „Kęstutis“, Ouvertüre (Skizzen, 1902)
  • Vokalmusik
    • „Jūratė“, Oper (Skizzen, 1908/09)
    • „De profundis“, Kantate für Chor und Orgel (1899)
    • mehrere geistliche Chöre (1898-1902)
    • Chöre und Lieder
    • etwa 60 Volksliedbearbeitungen für Chor
  • Kammermusik
    • Streichquartett c-moll (1901/02)
    • Thema und Variationen für Streichquartett h-moll (1898)
  • Klaviermusik
    • Klaviersonate F-Dur (1898)
    • „Jūra“ (Das Meer), Zyklus (1908)
    • Variationszyklen
    • 16 Zyklen von Präludien
    • Fugen
    • insgesamt etwa 200 Klavierwerke
  • Orgelmusik
    • Präludien
    • Fugen

Bilder[Bearbeiten]

  • Frühlingssonate (1907)
  • Sonnensonate (1907)
  • Natternsonate (1908)
  • Sommersonate (1908)
  • Meeressonate (1908)
  • Pyramidensonate (1908)
  • Sternensonate (1908)
  • Begräbnissymphonie, 7 Bilder (1903)
  • Die Erschaffung der Welt, 13 Bilder (1905/06)
  • Tierkreiszeichen, 12 Bilder (1907-09)
  • Tannenbaumfuge (1907/08)
  • Rex (1908/09)

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Budde, Wallraf-Richartz-Museum (Hrsg.): Die Welt als große Sinfonie, Mikalojus Konstantinas Čiurlionis, Köln  : Oktagon , 1998 ISBN 3-89611-050-0
  • Laima Bialopetravičienė, Wilhelm-Lehmbruck-Museum: Čiurlionis und die litauische Malerei  : 1900 - 1940, Duisburg 1989 ISBN 3-923576-57-9
  • Vytautas Landsbergis: M. K. Čiurlionis. Time and Content. Vilnius 1992 – Biographie in englischer Sprache des großen Čiurlionis-Kenners
  • Vytautas Landsbergis: Das Königliche Konservatorium zu Leipzig mit den Augen eines Studenten, Briefe von M. K. Ciurlionis. In: Beiträge zur Musikwissenschaft, Herausgegeben vom Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler in der DDR, Heft 1 1979, Seite 42 - 69, Berlin (Ost) 1979
  • Zenta Maurina: Denn das Wagnis ist schön : Geschichte eines Lebens, Memmingen/Allgäu : Dietrich 1953. S. 457-465, Abschnitt: „Kaunas: Hauch der Unendlichkeit“

Čiurlionis-Museen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mikalojus Konstantinas Čiurlionis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise/Quellen[Bearbeiten]

  1. György Dalos, Lebt wohl Genossen, Verlag C.H.Beck, München 2011, Seite 133, ISBN 978-3-406-62178-9