Moralitäten

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Dieser Artikel behandelt Moralität als lehrhaftes Schauspiel; zum philosophischen Begriff siehe Sittlichkeit.

Moralitäten waren Schauspiele mit moralischem oder religiös-lehrhaftem Charakter, die im Mittelalter in Europa beliebt waren. Vor allem in England (morality) und in Frankreich (moralité) waren sie äußerst populär, doch auch in Deutschland waren sie verbreitet. Es waren allegorische Stücke, in denen die einzelnen Figuren Laster oder Tugenden repräsentierten, zum Beispiel Wollust, Geiz, aber auch Nächstenliebe oder Barmherzigkeit.

Dabei waren diese Schauspiele aber keineswegs trockene Lehrstücke, sondern durchaus unterhaltsame, teils recht deftige Darstellungen, in denen vor allem die Laster gern als komische Typen dargestellt wurden, denen auf der Bühne, zur Freude der Zuschauer, so allerlei Unbill widerfuhr, und die von den Tugenden am Schluss besiegt wurden.

Ein auch in Deutschland weit verbreitetes Motiv war das des Menschen, der plötzlich vor dem Tod steht, und der nun von seinen Knechten Hilfe erwartet. Aber weder Freundschaft noch Geld können ihm helfen, lediglich der Glaube und seine Guten Taten wollen ihn begleiten. Im Englischen heißt das Stück Everyman, im Deutschen Jedermann, das in der modernisierten Fassung von Hugo von Hofmannsthal noch heute alljährlich an den Salzburger Festspielen aufgeführt wird.

Die Moralitäten entwickelten sich im 15. und 16. Jahrhundert aus den Mysterienspielen, die im 14. Jahrhundert entstanden waren.

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